BISS – “Und der nächste Streich folgt sogleich”

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Fallschirmjäger mit schultergestütztem Fliegerabwehrsystem.

 

Siehe auch > BISS – Zieht Russland 10’000 Mann zurück? und BISS – Russland: Amphibische Landung? 

Was Russlands Armee angeht, sagen wir besser: “Und das Gegenmanöver, das folgt sogleich.”

  • Am 25. Dezember 2021 meldete der russische Generalstab um 17.03 Uhr, die Armee ziehe 10’000 Mann von der ukrainischen Grenze ab. Wir brachten die Nachricht mit ein paar Fragezeichen.
  • Heute, am 26. Dezember, berichten eine russische und eine ukrainische Quelle: Vor drei Tagen, noch vor Weihnachten, nahm ein Kampfverband auf der Krim ein neues Manöver auf, das derzeit andauert.

Generaloberst Serdyukov Manöverchef

Was folgt, ist ein Destillat aus den beiden Quellen: das, was nach der Zwei-Quellen-Regel gesichert ist.

  • Der Manöververband umfasst rund 1’200 Mann. Das Rückgrat bilden Luftlandetruppen. Zudem besteht die Kampfgruppe aus Artillerie, Minenräumern und ABC-Abwehr. Das Manöver findet im scharfen Schuss statt; das ist so üblich auf Russlands weiträumigen Waffenplätzen. Nach der russischen Trainingsdoktrin ergibt der scharfe Schuss ehrliche Resultate.

Generaloberst Serdukow, Befehlshaber der Luftlandetruppe; in Russland trägt ein Generaloberst drei Sterne.

  • Generaloberst Andrei Serdyukov, ein Drei-Sterne-General, leitet das Manöver. Serdyukov ist im russischen Militär ein mächtiger Mann: Er befehligt das Luftlandekorps, in Russland eine eigenständige Teilstreitkraft von 45’000 Mann.

Schwergewicht: Minen und Drohnen!

  • Der Einsatz begann mit einer Luftlandung auf dem Armeegelände Opuk auf der Krim. Schon in Phase I gelangten die Minenräumer intensiv zum Einsatz. Im Dezember 2021 fällt in den russischen Manöverrapporten auf: Stets legt die Übungsleitung speziellen Wert auf die Minenräumung.
  • Beobachter führen das auf die Tatsache zurück, dass die Ukraine ihr Grenzland gegen Russland massiv verminte. Das Land erhielt aus dem Westen moderne Personen- und Panzerminen. Die russischen Kampftruppen verfügen organisch über robuste Minenräumpanzer.
  • Ein weiteres Schwergewicht liegt auf der Bekämpfung gegnerischer Aufklärungs- und Kampfdrohnen. Im Karabachkrieg 2020 setzte Aserbeidschan mit seinen türkischen Kampfmaschinen Bayraktar-TB2  auf taktischer Stufe den Armeniern schwer zu. Eben solche Bayraktar-Drohnen befinden sich neu im Arsenal der Ukrainer. Mit Erfolg setzten sie die TB2 im Donbass gegen Russen und pro-russische Separatisten ein.

Unschwer zu erkennen: die überragende Position der Krim im Schwarzen Meer. Novorossiysk liegt ostwärts der Kertsch-Strasse am Schwarzen Meer.

Luftlandung, Aufklärung, Artillerie

  • Der Waffeneinsatz geschieht laut russischer und ukrainischer Quelle “über einen weiten Bereich von Distanzen” hinweg, offenbar auch über grosse Entfernungen.
  • In Phase II unterstützen Mi-35-Helikopter die Boden-Kampfgruppe im scharfen Schuss. Auf dem Waffenplatz Rayevsky setzte die zweite Luftlandung ein. Rayevsky liegt in der Nähe der Schwarzmeer-Hafenstadt Novorossiysk; dort befindet sich neben Sewastopol einer der bedeutenden Stützpunkte der Schwarzmeer-Flotte.
  • Der Einsatz der gefürchteten Mi-35-Kampfhelikopter verstärkt den verbundenen Einsatz von Waffen und Truppen verschiedener Provenienz. Das Terrain ist in Phase II anspruchsvoll gebirgig.
  • Die zweite Phase steht im Zeichen von Gefechten auf kurze Distanz. Aufklärung und enge Kooperation mit der 152-mm-Artillerie bilden Schwerpunkte. Die gelandete Truppe geht überfallartig vor. Auch gepanzerte Fahrzeuge werden angelandet; diese nehmen, sobald sie auf der Erde sind, den Kampf auf – nach kurzem Sammeln ohne Zeitverzug.

Immerhin ein Manöver mit Elitesoldaten

  • Soweit die gesicherten Nachrichten.
  • Auf den ersten Blick deutet das neue Manöver mit einer Elitetruppe nicht gerade auf Rückzug und Entspannung hin. Doch bringt der Nervenkrieg zwischen Moskau und Kiew jeden Tag neue Wendungen.