BISS – Tradition und Ethos

Standard

 

 

 

Hannah Szenes grüsst in der britischen Armee mit offener Hand.

Heute wäre Israels Nationalheldin Hannah Szenes 100 Jahre alt geworden. Der britische Geheimdienst setzte Hannah Szenes Mitte März 1944 mit 26 anderen Fallschirmspringern über dem nördlichen Balkan ab.

Die 27 konnten kämpfen, aufklären, funken. Sie nahmen mit den Tito-Partisanen Verbindung auf. Ihr Auftrag lautete, bedrohte Juden aufzuspüren und sie vor der Deportation in die KZ zu bewahren. Die zwei Frauen und 25 Männer erfüllten ihren Auftrag, so gut es gegen den Nazi-Terror ging. Sieben kamen um, unter ihnen Hannah Szenes.

Code und Datum

Morgen Sonntag beginnt zu Ehren der 27 Kämpfer die Operation “GLANZ DES HIMMELS.”

Von Tel Aviv flogen 150 israelische Soldaten mit zwei C-130 Hercules nach Slowenien. Am 18. Juli 2021 springen Slowenen, Kroaten, Ungarn und Briten über dem Balkan ab. Am Boden gedenken sie fünf Tage lang der mutigen Juden und der Partisanen, die Jugoslawien von der Wehrmacht befreiten; das gab Marschall Tito 1948 die Kraft, dem Sowjetdiktator Stalin zu widerstehen und sein Land auf den historischen “Dritten Weg” zu führen.

Hannah Szenes im Kibbuz Sdot Yam bei Caesarea.

In den Gründerjahren hielten alle Kibbuzim Tiere; heute sind sie diversifiziert.

Der britische Immigrantenausweis von 1939.

Hannah Szenes gibt der Operation Namen und Datum. “GLANZ DES HIMMELS” wurde bewusst so angesetzt, dass schon heute die 150 Israeli und ihre Fallschirmkameraden der Heldin Hannah Szenes gedenken können. Der Code entstammt einem Gedicht, das Hannah 1942 im Kibbuz Sdot Yam schrieb:

“Mein Gott, Mein Gott, dass niemals ende / Der Sand und das Meer, / Das Rauschen des Wassers, / Der Glanz des Himmels, / Das Gebet der Menschen.”

Der Zeitplan der Gedenkaktion sieht vor, dass die Soldaten aus fünf Nationen ihren Einsatz am Freitag in Budapest beenden. Alle 27 Springer stammten aus ihrem Einsatzgebiet und sprachen die angestammten Idiome. Hannah Szenes wurde am 17. Juli 1921 in der ungarischen Hauptstadt geboren. Dort wuchs sie auf, bis sie 1939 ins britische Mandatsgebiet Palästina auswanderte. In Budapest liegt auf dem jüdischen Kozma-Friedhof ihr erstes Grab. Dort findet kommende Woche die Aktion “GLANZ DES HIMMELS” den Abschluss.

Schweigsam bis zum Tod

Hannah Szenes trat 1943 in den Dienst der britischen Armee. Als sie über Jugoslawien absprang, bekleidete sie einen Offiziersrang. Acht Wochen kämpfte sie mit Titos Partisanen gegen die Nazis. Als Ungarin erhielt sie den Auftrag, nach Budapest zu infiltrieren und Juden vor Auschwitz zu retten.

In der Nacht zum 13. Mai 1944 überschritt sie die ungarische Grenze. Im Gepäck trug sie ein Funkgerät mit entsprechendem Code. Aber sie war denunziert worden. Ungarische Schergen nahmen sie schon am Folgetag fest. Den Funkschlüssel konnte sie noch rechtzeitig vernichten. In Budapest wurde sie gefoltert. Die SS war auf den Funkcode erpicht. Doch Hannah Szenes schwieg beharrlich, auch unter schwerer Tortur.

Als Hannah Szenes festgenommen wurden, trug sie diesen ungarischen Pass auf sich.

Im Oktober gab die Geheimpolizei auf. Sie stellte Hannah Szenes vor Gericht. Das Todesurteil war beschlossene Sache. Der Richter bot ihr das Leben an, wenn sie Code verrate und dem Widerstand abschwöre. Hannah Szenes blieb hart. Am 7. November trat sie vor das Erschiessungskommando. Sie lehnte die Augenbinde ab und blickte ihren Mördern gerade in die Augen.

Im Herbst 1944 erreichte die Deportation ungarischer Juden den traurigen Höchststand.

Der Weg zur Nationalheldin

Die Nachricht von Hannah Szenes’ Tod erreichte Palästina. Der Jischuw, die jüdische Gemeinschaft vor der Staatsgründung von 1948, war erschüttert. Es war die erste von sieben Hiobsbotschaften, die nach Tel Aviv, Jerusalem und in Hannas Kibbuz Sdot Yam bei Caesarea gelangten. Das trug dazu bei, dass die Märtyrerin wie kein anderes Mitglied des Zuges der 27 zur Heldin wurde.

Überdies war Hannah Szenes, Tochter des Kinderbuchautor Béla Szenes, literarisch begabt. Sie schrieb berührende Gedichte und führte vom 13. Lebensjahr an Tagebuch.

1950 brachte Israel Hannah Szenes’ sterbliche Überreste mit militärischen Ehren nach Jerusalem. Dort liegt sie auf dem Herzlberg nahe Yad Vashem auf dem Nationalfriedhof begraben. Der junge Staat Israel richtete unter den Heldengräbern für die Gefallenen der 27 eine Parzelle ein, die nur ihnen vorbehalten ist.

Armee mit Sinn für Tradition

Am heutigen Wochenende stellt die israelische Armee, die im Mai 2021 den 4. Gazakrieg zu bestehen hatte, ihre Gedenkaktion unter das Leitwort: “Tradition und Ethos des jüdischen Kämpfers”.

Das Grab auf dem Herzlberg, auf Israels Nationalfriedhof.

Hannah Szenes, Aufklärungsoffizier der britischen Armee.