BISS – Taliban 3: Das Elite-Bataillon Badri 313

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Siehe auch > BISS – Taliban 1: Hierarchie + Auftragstaktik und BISS – Taliban 2: Strassen, Fünfte Kolonne, Beute

In ungewöhnlicher Verletzung der Geheimhaltung präsentieren die Taliban ihr Elite-Bataillon Badri 313. Das Bataillon wird ausdrücklich den Spezialkräften zugeschrieben und in mannigfachen Fotografien vorgeführt.

Ehrentitel Badri

Ist der Truppenname Bataillon Badri 313 ernst zu nehmen? oder nur Schall und Rauch? Badri kommt von der Schlacht bei Badr am 17. März 624. Im Hedschas, im Westen der arabischen Halbinsel, besiegte der Prophet Muhamed die Quraisch, den herrschenden Stamm seiner Heimatstadt Mekka. Badr gehört zu den wenigen Schlachten, die der Koran namentlich nennt. Die islamischen Geschichtsschreibung stuft sie als Muhameds entscheidenden Erfolg ein und führt den Sieg entweder göttlicher Intervention oder  Muhameds Führung zu.

Insofern ist es durchaus plausibel, dass die Taliban ihrer Eliteformation den Ehrentitel Badri verliehen. Als die ägyptische Armee am 6./7. Oktober 1973 den Suezkanal überquerte, nannte Präsident Sadat den Angriff Operation “BADR”. Was die Nummer 313 wert ist, bedarf der Deutung. In Asien wird oft nicht durchnummeriert. Israel kennt die 679. Division, die 35. Brigade und die Einheit 8200. Das heisst nicht, dass die IDF mindestens 679 Divisionen besitzt und so weiter. Hohe Nummern dienen der Verschleierung und Täuschung. Zu wissen, wie viele Spezialkräfte-Bataillone die Taliban haben, nur das 313. oder mehr, verhindert schon der “fog or war”, der Nebel des Krieges.

Demütigung und Provokation der USA

Offenbar war sich die Militärführung in der Woche vom 8. zum 15. August 2021 ihres Sieges schon bewusst, als sie eine Profi-Fotografen zum Bataillon Badri 313 sandten. Er brachte zuerst einmal das Bild mit, das die USA zutiefst demütigt:

Taliban hissen ihre Flagge im Iwo-Jima-Stil.

Siehe auch > BISS – USA: Iwo-Jima-Szene wühlt Gemüter auf

Sodann wartet er mit gestochen scharfen Aufnahmen vom Training der Elitesoldaten auf. Alle seine Fotos tragen links unten das “Siegel” der Taliban; so sind sie signiert und autorisiert.

Nahkampf gehört zum ABC von Spezialkräften, in amerikanischer Ausrüstung.

Nachtkampf. In der Tradition des Guerillakriegs nahmen die Taliban das Zwischengelände, Strassen und dann Ortschaften in Besitz.

Talib-Operator auf dem Schiessplatz, gemäss anderen Fotos in den Bergen.

Erkennbar die erbeutete US Ausrüstung bis ins Detail.

Weitere Aufnahmen zeigen Einsatz, Führung und Ausrüstung:

Die Taliban-Armee zählt zu den disziplinierten, straff geführten Streitkräften.

Ein Feldkommandant.

Schwertkampf – in Turnschuhen.

Alles amerikanisch: von den Schuhen über die Knieschoner, das Werkzeug, die Schutzweste, die Munitionstaschen bis zum Helmüberzug. Hinten ein Toyota-HILUX-Pickup mit Fahne.

Bataillon Badri 313 in Kabul

Die Taliban-Militärführung verlegte das Bataillon Badri 313 nach Kabul. Dort schützt es die politischen und militärischen Chefs der jihadistischen Bewegung. Mit den Propagandabildern vom Bataillon gaben die Glaubenskrieger auch das folgende Bild frei:

Operators des Bataillons Basri 313 schützen den Prediger Bhavan in Kabul.

Die ungewöhnliche Aufnahme zeigt zwei Operators der Spezialkräfte mit unbedecktem Gesicht. Sie schützen den Prediger Rashtrapati Bhavan. Auf der ganzen Welt lassen sich Special Forces nur mit bedecktem Gesicht fotografieren. Insofern verstösst diese Szene gegen die Schutz- und Geheimhaltungsregeln von Elitetruppen. Wie die Taliban-Propaganda verkündet, wird das 313. Bataillon Bhavan um jeden Preis beschützen. Das vorliegende Bild wird von den Taliban auf all ihren Kanälen 24 Stunden am Tag und sieben Tag die Woche verbreitet. Aufschlussreich sind in diesem Kontext zwei weitere Fotos von Operators mit offenem Gesicht:

In Kabul.

Mit Helm, ohne Helm.

Mehrfach belegt ist der Auftrag, den das Bataillon Badri 313 im Personenschutz erfüllt. In Kabul schützte es den Obersten Führer Mullah Hibatullah Akhundzada, den Nachfolger des Gründer Mullah Muhamed Omar, und Mullah Abdul Ghani Baradar, den gerissenen Chef des Politbüros, der im Februar 2020 mit den Amerikanern den “genialen” Friedensvertrag aushandelte. Der Palast des geflohenen Staatschefs Ghani wird in Kabul von Spezialkräften bewacht.
In der heiklen Personenschutz-Ausbildung sollen pakistanische Spezialkräfte den Taliban geholfen haben.
Diszipliniert, motiviert
Die Taliban-Propaganda versieht ihre Videosequenzen mit Aussagen wie:
  • Das Bataillon Badri 313 nimmt es mit allen anderen Spezialkräften auf. Es ist bestens trainiert und modern ausgerüstet. Es setzt amerikanische M-4- und M-16-Gewehre ein. Jeder Kämpfer verfügt über die schusssichere Schutzweste und das Nachtsichtgerät.
  • Indische und pakistanische Experten bescheinigen den Taliban-Spezialkräften Qualität in Ausbildung, Ausrüstung und Einsatz. Der indische Generalmajor G.G. Dwivedi spricht von “einer neuen, gefährlichen militärischen Kraft in der Region.”

Die Fotos von Operators mit unbedecktem Gesicht dürfen wohl nicht darüber hinwegtäuschen, dass es der Talib in aller Regel ein disziplinierter, motivierter Krieger ist. Vom Bataillon Badri 313 sollen auch diesen Punkt Bilder beweisen:

Operators in Reih und Glied. Auf den Helmen die Nachtsichtgeräte.

Kampfgeist …

… und die obligate schwarz-weisse Fahne mit der Shuhada in schlanker Gestalt.

Übersetzen im Schlauchboot.

Was kann man glauben?

  • Es ist plausibel, dass die Taliban wie andere Guerilla-Armeen den Wert von hochwertigen Spezialkräften entdeckten. Die Schaffung mindestens eines Bataillons leuchtet ein.
  • Ob das Bataillon Badri 313 ein Einzelstück oder ein Truppenkörper in einem grösseren Verband ist, das unterliegt der Geheimhaltung.
  • Die Taliban-Aussagen und -Fotos lassen auf den klassischen Auftrag von Spezialkräften schliessen: Commando-Aktionen, Aufklärung hinter feindlichen Linien, Suchen und Retten, Evakuationen, Personenschutz von VIP.
  • Ausgerüstet ist mindestens das Bataillon Badri 313 mit modernem amerikanischem Material und mit US Waffen –state of the art.
  • Mit einem gewissen Stolz liess die Taliban-Militärführung Operators des Bataillons Badri 313 ausgiebig filmen und  fotografieren. Sie verbreitet die Video-Sequenzen und Bilder in grossem Stil. Offenbar verspricht sie sich von der Kampagne nicht nur die Demütigung der USA, sondern auch Propaganda in Afghanistan und in der Welt.