BISS – Schwarzer Tag: 13 Marines gefallen

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23. Oktober 1983: Marines in Beirut.

26. August 2021, Kabul. Marines auf dem Flugfeld, am Abbey Gate sterben 13 Kameraden.

Der 26. August 2021 wird wie der 23. Oktober 1983 als schwarzer Tag in die Geshichte des US Marine Corps eingehen. Damals brachten arabische Terroristen in Beirut 241 Amerikaner um, davon 220 Marines, gestern liessen 13 Operators in Kabul ihr Leben.

Zum “komplexen Angriff” – so der Pentagon-Sprecher Kirby – werden Details bekannt:

  • Um 17.40 Uhr zündete der erste Suizid-Attentäter seine Bombe am Abbey Gate direkt am Zaun zum Flugplatz. Dutzende kamen um, unter ihnen 13 Marines. In Panik flüchtete die Menge in Richtung des Hotels Baron.
  • Sofort zog ein zweiter Selbstmordattentäter an seinem Bombengurt, womit er erneut Menschen in den Tod riss.
  • Offenbar hatten sich die Planer – nach angelsächsischen Zeitungen vom ISIS, vom “Islamischen Staat” – auf das Abbey Gate und das nahegelegene Hotel konzentriert. Dort warteten Hunderte auf Rettung. Ausserhalb des Airports kontrollierten Taliban die Flüchtlinge, Soldaten der in Kabul 2’000 Mann starken 24th USMC Expeditionary Unit wachten am Tor – als die Bombe hochging.
  • 13 tapfere Marines liess das Leben, mehr noch wurden verwundet, teils schwer – ein bitterer Tag für das 1834 gegründete Marine Corps: ein Unikat in Tradition, Grösse und Schlagkraft und unbestritten ein Elite-Verband der amerikanischen Streitkräfte.

Das Emblem des US Marine Corps.

Mattis’ beredtes Zeugnis

Seit Vietnam von 1964–1975 haben die USA nie mehr so demütigend, so krass einen Krieg verloren wie jetzt gegen die Taliban. Auch für das Marine Corps bildet die zwei Jahrzehnte am Hindukusch ein bitteres Kapitel in ruhmreichen Werden und Wachsen seit 1834.

Beredtes Zeugnis legt General James Mattis in seinen Memoiren “Call Sign CHAOS” ab. Im zweiten und dritten Buchteil widmet er mehrere Kapitel seiner eigenen Erfahrung in Afghanistan. Er befehligte im Krieg die 1st Marine Expeditionary Brigade, die zur 1st Marine Expeditionary Division gehört, die er dann im Irak-Feldzug 2003 siegreich nach Bagdad führte.

General James inspiziert Aussenposten im Hindukusch.

Mattis’ Afghanistan-Kapitel entstanden zu einer Zeit, in der noch Hoffnung bestand. Die Taliban waren stärker geworden, aber noch nicht so stark, dass sie die Amerikaner und die NATO überrennen konnten. Allerdings lässt der General in seinem Buch erkennen:

  • Vom verhängnisvollen Konzept des Nation Building, des “Staatsaufbaus”, der zivilen Politik hielt er wenig. Traurig, aber wahr hat ihm das Schiessen 2021 Recht gegeben.
  • Ebenso verschweigt Mattis nicht: Nach dem Initialerfolg vom Oktober 2001, nachdem amerikanische Spezialtruppen, auch Marines, al-Kaida in die Flucht getrieben hatten, wusste die Politik in Washington nicht mehr, was die USA und der Westen am Hindukusch wollten und sollten.
  • Das Nation Building verunglückte wie andernorts auch. Im Gestrüpp der afghanischen Stämme hatte Präsident George W. Bushs Ansatz von Anfang an keine Chance.
  • Militärisch wussten die amerikanischen Kommandanten: Vor ihnen waren die Briten von 1839–1919, in achtzig langen Jahren, elend gescheitert: und vom 24. Dezember 1979 bis zum 15. Februar 1989 holten sich die Sowjets im zerklüfteten Hindukusch eine blutige Nase. Allen wurde bewusst: Ein Krieg in Afghanistan lässt sie nie zu 100% gewinnen.

General Mattis an der Helmand-Front im Süden Afghanistans.

Soweit die Erfahrung des umfassend gebildeten, gründlich analysierenden Denkers Jim Mattis, der vom Januar 2017 bis Ende 2018 dem Präsidenten Trump zu dienen suchte; der schlug Mattis’ Rat jedoch auch in Sachen Afghanistan in den Wind.

Mut, Tapferkeit, Opferbereitschaft

Wie in Irak bezahlen die Marines in Afghanistan einen hohen Blutzoll. Das ist ihr Schicksal. Durch ihre ganze Geschichte ziehen sich Mut, Tapferkeit und Dienst am Land wie ein roter Faden. Auch im Ersten und Zweiten Weltkrieg, in letzterem an der Pazifikfront, in Korea und Vietnam erbrachten sie ungeheure Opfer für die Freiheit.

Wie Mattis’ Erinnerungen vielfach belegen, nehmen sie soldatisch würdig Abschied von toten Kameraden. Sie werden auch die 13 Gefallenen von Kabul in ihrer unvergleichlichen Tradition ehren.

Marines in Afghanistan.

Nach 20 Jahren Krieg: Das Ende in Kabul.