BISS – Scharfschützen jagen Russlands Frontgenerale

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Generalmajor Tushayev, die rechte Hand des Tschetschenien-Statthalters Kadyrow, gefallen von der Hand eines Scharfschützen offenbar am Gostomel-Flugplatz nordwestwärts Kiew.

Seit längerer Zeit geniessen Scharfschützen – jetzt Späher genannt – in der Schweiz Ansehen. Sie werden aus den besten Schützen rekrutiert und erhalten in den Infanterieschulen von Chur und Bière eine gründliche Ausbildung. Sie werden in den Unterstützungskompanien der beiden Inf RS ausgebildet; die Bière-Kompanie erhält auf dem geeigneten, weitläufigen Schiessgelände im Hongrin ein ausgezeichnetes Training. Dass sie auch als Späher taugen, erhöht ihren Wert noch.

Ukrainischer Scharfschütze.

Agenten verraten Wege und Standorte

Seit Ausbruch des Ukrainekriegs rücken Scharfschützen auch dort immer wieder in den Focus des Geschehens. Alle drei, vier Tage meldet ukrainische Generalstab den Tod eines gegnerischen Generals, verbunden stets mit dem Lob für die eigenen Scharfschützen, die den Russen auflauerten und die Generale aus sicherer Distanz trafen. Unerwähnt bleibt in den amtlichen Communiqués: Damit in einem Monat mehr ein halbes Dutzend Generale und ein Admiral an vorderster Front fallen, muss der ukrainische Geheimdienst über gute Daten verfügen. Nur so töten die Scharfschützen die russischen Generale. Sie müssen wissen, wo sich diese wann und wie bewegen oder aufhalten.

Die ukrainischen Scharfschützen setzen mehrere Spezialgewehre ein:

  • IWI Tavor STAR-21 (Israel)
  • Fort-301 (Israel)
  • Zbroyar Z-10 (Ukraine), unbestätigt auch Zbroyar Z-8.

Alle 7,62 x 51 mm.

Brennpunkte an den Hauptfronten

Als geographische Schwerpunkte für den Tod russischer Generale kristallisieren sich nach 32 Kampftagen heraus:

  • Der Antonow-Flugplatz nordwestwärts Kiew.
  • Der Flugplatz Chornobaivka bei Cherson an der Südfront.
  • Charkow, die Stadt des Widerstandes an der Nordostfront.
  • Mariupol, Hafenstadt am Asowschen Meer.

Es ist kein Zufall: Die Liste deckt sich mit den Brenn- und Schwerpunkten des bisherigen Kriegs. So handelt es sich beim Antonow-Flugplatz exakt um das Flugfeld Gostomel, das am ersten Kriegsmorgen die Schlagzeilen beherrschte: Dort landete am 24. Februar 2022 um 10 Uhr die verstärkte Luftlandekompanie, die den Flugplatz in Besitz nahm und die einzige An-225 Mrija sprengte. Seither ist die Anlage zäh umkämpft.

Gegner: Sniper einer prorussischen Miliz im Donbass.

Als Tschetschenen-General soll bei Gostomel auch der 46-jährige Generalmajor Tushayev gefallen sein. Gostomel liegt operativ derart zentral, dass die Russen setzten auch die Tschetschenengarde auf den Flugplatz ansetzten. Im Kampf um Gostomel fielen bei den Russen schon ein stellvertretender Armee-Befehlshaber und ein Divisionskommandant.

Meldungen über gestörte russische Verbindungen brechen nicht ab und damit verbunden oft der Hinweis auf die Notwenigkeit, dass sich russische Generale zur vordersten Front begeben müssen, um sich ein Lagebild zu machen, Einfluss zu nehmen oder in die Befehlsgebung einzugreifen.

Kiews Scharfschützenteams

  • Es bestätigt sich: Scharfschützen mit modernen, akkuraten, langen Gewehren sind von enormem Wert. Die Ukrainer erhielten von der NATO präzise Sniper-Gewehre mit grosser Einsatzdistanz und bildeten ihre besten Schützen zu Sniper-Spezialisten aus.
  • Diese setzen sie jetzt an den genannten Brennpunkten gezielt auf gegnerische Generale an, die sie aufgrund zuverlässiger Agentenhinweise aufspüren und warten, bis sie ihnen ins Schussfeld geraten. Mehr als ein halbes Dutzend Generale und einen Admiral haben sie schon getroffen.
  • Nach dem ersten Kriegsmonat zieht der Generalstab in Moskau kritisch Bilanz. Dass General gleich reihenweise fallen, ist in den russischen Streitkräften unüblich. Werden Konsequenzen gezogen? Wo sind die Maulwürfe, die dem Gegner anzeigen, wann und an welche Front sich ein General begibt?

Russische Scharfschützentradition

Vasily Zaitsev, der Held von Stalingrad.

Scharfschützen haben in der Sowjetunion und in Russland Tradition. In der Roten Armee galt Vasily Zaitsev, der Held von Stalingrad, als herausragender Schütze. Mit seinem M1891-Mosin-Nagand-Gewehr tötete er in der epischen Schlacht auf dem Westufer der Wolga 1942/43 mehrere Dutzend Deutsche (die Zahlen der Wehrmacht und der Roten Armee differieren). Im ganzen sowjetisch-deutschen Krieg – bis zu den Schlachten auf den Seelower Höhen und vor allem im finalen Ringen in Berlin – setzte die Rote Armee ihre besten Schützen auf ausgewählte Gegner an.

Vasily Zaitsevs Gewehr im Gedenkmuseum von Wolgograd (heutiger Name von Stalingrad).