BISS – Riesenvogel: Brauchen wir den?

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Das VBS wollte zwei Casa C-295M anschaffen. Im Bild eine der insgesamt 16 Casa-295 der polnischen Luftwaffe.

 

Siehe auch > BISS – Massgeschneidert für unseren Lufttransport

 

Den Erwartungen entsprechend erhält das Transportflugzeug für unsere Luftwaffe politisch Aufwind. Die Schweizer Evakuation aus Kabul gelang nur dank der deutschen Bundeswehr und deren A400M. Und in Sachen Corona und Afghanistan ging es nur dank der a.o. Beweglichkeit und Disponibilität der SWISS.

Am lautesten rufen die Sozialdemokraten – ausgerechnet sie, die sie 2005/2006 in der unheiligen Allianz mit der SVP die beiden Casa C-295M wuchtig abschossen. Im Nationalrat wurden ihre Redner nicht müde, gegen die zwei spanischen Flugzeuge zu wettern.

Nun taucht die Beschaffung einer Transportmaschine so wacker wieder auf wie Nessie aus dem Loch Ness. Für die F-35-Gegner hat die Forderung offenbar noch den “Vorzug”, dass sie mit dem massigen Airbus A400M gleich auch noch die deutsche Karte gegen die Amerikaner spielen können.

Was ist militärisch vom Riesenvogel zu halten?

  • Allein schon mit der Beschaffung von 36 F-35A Lightning II beansprucht die Luftwaffe in den kommenden Jahren viel Geld. Hinzu kommen die fünf Luftabwehr-Systeme Patriot und ein neues System im Objektschutz (Skyshield von Rheinmetall?). Auch die Flab verursacht nochmals Kosten in Milliarden-Höhe.
  • Da gilt es gut zu bedenken: Wollen wir nochmals mehrere 100 Millionen Franken auf das ohnehin reich beladene Fuder packen?
  • Und nota bene: Vergessen wir nicht, dass das Heer nach der unsäglichen “Friedensdividende” überall Nachholbedarf hat. Wenn wir nur schon an die Infanterie, die Panzertruppe und die Artillerie denken, dann müssen wir Verteilkämpfe im Heer und mit der Luftwaffe vermeiden. 
  • Weiter: Auch wenn die Luftwaffe mannigfache Transportaufträge ins Kosovo, zur humanitären Hilfe, bei Katastrophen und in der Repatriierung zu erfüllen hat – wie lastet sie den teuren Riesenvogel aus? Die Schweiz selber ist territorial klein; sie misst gerade einmal 41.290 km². Nur schon das deutsche Bundesland Bayern ist fast doppelt so gross. Einzig Transporte ins und vom Ausland würden die mehreren 100 Millionen rechtfertigen. Im Inland besteht kein Bedarf. Bei der Crew besteht die Gefahr, dass sie Trainings-Weltmeister wird.
  • Braucht die Schweiz Lufttransport-Kapazität ins Ausland, dürfen wir nicht aus der Hüfte schiessen. Gründlich, seriös sind alle Optionen abzuklären. Eine Option mag die teure Anschaffung eigener Lufttransport-Kapazität sein. Jedoch gibt es dazu valable Alternativen.

Untaugliche Vermischung

Zu verwerfen ist der politisch gefärbte Ansatz, das Transportflugzeug gegen den F-35-Kauf auszuspielen:

  • Das eine ist ein fachlich, technisch-taktisch, finanziell, ja juristisch hundertfach abgestützter Typen-Entscheid des Bundesrates; gefällt nach langer, kompetenter Armasuisse-Evaluation.
  • Das andere ist untaugliche Anti-F-35-Propaganda. Und bitte beachten: Sie kommt von Wölfen im Schafspelz. Den plötzlich bekehrten Sozialdemokraten, den Grünen und der GSoA geht es nicht um Kampfjets; ihr Ziel lautet: Schafft die Armee ab!

Gegen die Casa unterlag die C-130 Hercules, die sich jetzt wieder in Kabul bewährte.

Auch die Alenia C-27J Spartan zog den Kürzeren.