BISS – Rette sich, wer kann > C-17 in Kabul

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Im Innern einer C-17 der US Air Force.

Die Redaktion dankt der Leserin, die uns das Bild sandte – mit dem kürzesten aller Kommentare: “Unglaublich!”

Fürwahr: Die amerikanische Luftwaffe fliegt ziviles Personal aus der untergehenden afghanischen Hauptstadt Kabul in Sicherheit – nach Doha, Katar, am vergleichsweise geschützten Persischen Golf.

Das folgende Bild macht jetzt schon Geschichte; wie seinerzeit die dramatischen Szenen auf dem Dach der US Botschaft in Saigon am 30. April 1975 nach dem Fall des südvietnamesischen Machtzentrums:

Kabul, 16. August 2021.

Die US Air Force ist erneut mit einer schweren Maschine gelandet. Hunderte Afghanen sind auf dem “Hamid Karzai Airport” über die Mauer geklettert und suchen einen “Platz” in der C-17A Globemaster III zu ergattern. Die Szenen aus Kabul übertreffen die Sequenzen aus Saigon noch an Tragik und Not. Nicht alle erlangen einen “Sitz”, vergeblich hängen sie sich an Tragflächen und alles, was ihnen Halt zu verleihen scheint.

C-17 des Air Mobility Command.

Auf dieser Aufnahme ist am Bug der C-17 1109 zu lesen, zu wem sie gehört: 62nd AW, 446th AW. Somit gehört sie zu einer der neun Staffeln C-17A Globemaster III der amerikanischen Luftwaffe. Die Staffeln unterstehen dem Air Mobility Command (AMC), der weltweit stärksten Lufttransportformation.

Das AMC führt seine 146 C-17 in seiner Ordre de bataille zusammen mit den 36 C-5M Super Galaxy unter den 182 schweren Transportern, über die es verfügt. Entwickelt von McDonnell/Douglas, jetzt angesiedelt bei Boeing, gelten die C-17 als schwere Schlachtrösser im Flugzeugpark der Air Force. Global werden sie verglichen mit

  • Antonov An-124 Ruslan
  • Airbus A400M Atlas
  • Antonov An-22
  • Ilyushin Il-76
  • Kawasaki C-2
  • Xi’an Y-20.
  • Und wie gesagt: Lockheed C-5 Galaxy.

Bei aller Schmach …

Grausame Schimpftiraden müssen die USA über sich ergehen lassen: Spott, Hass, vernichtende Kritik. Doch bei aller Schmach ist hier und heute, in der Not vieler Menschen eines zu sagen: Ohne die beiden Task Forces aus den USA und Grossbritannien wäre der Flugplatz Kabul längst zu:

  • 6’000 Amerikaner und 600 Briten halten das Flugfeld militärisch offen und den Betrieb aviatisch aufrecht.

General Frank McKenzie.

  • Kein geringerer als General Frank McKenzie verständigte sich mit den Taliban auf dem Flugplatz über die Offenhaltung des letzten “Notausgangs”. Nach dem Ethos der amerikanischen Streitkräfte hält der oberste Chef persönlich den Kontakt zu den Taliban. McKenzie befehligt das Central Command, zusammen mit dem Indo-Pazifischen Befehlsbereich unbestritten das bedeutendste Territorialkommando der USA.
  • Die USA und die Briten vertrauen in der schwierigen Mission ihren Spezialkräften: Das amerikanische Kontingent umfasst 2’000 Fallschirmjäger der traditionsreichen 82nd Airborne Division und 2’000 Marine-Infanteristen des ebenso angesehenen Marine Corps. Grossbritannien setzt auf sein Fallschirm-Regiment, auf die Paras.