BISS – Putins zynisches Korridor-“Angebot”

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Die Route Mariupol 1.

  •  Korridore für die zivile Bevölkerung sind so alt wie die Militärgeschichte. In der Antike eröffneten so geniale Heerführer wie Alexander oder Hannibal Unbeteiligten Gassen, wenn diese durch Gefechte eingeschlossen worden waren. Im Mittelalter gehörte die Rücksichtnahme auf Nicht-Krieger zu den noblen Regeln der Ritter.
  • In den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs schlugen deutsche Generale ihren Truppen Korridore, durch welche diese über die Elbe den heranrückenden Russen entkamen (sie zogen es vor, in britische oder amerikanischen Gefangenschaft zu geraten). Selbst während der grausamen Schlacht um Aleppo (2012–2016) funktionierte ein humanitärer Korridor, durch den Bewohner der belagerten Handelsstadt in den Norden flüchten konnten.

4:1 für die Russen

Aber im Ukrainekrieg kommen die Korridore nicht so richtig zustande. Die ersten Versuche scheiterten am Beschuss der Busse. Auch das “Angebot”, dass die russische Abordnung am 7. März 2022 in Belarus den Ukrainern vorlegte, mutet zynisch an – schäbig, schwer anzunehmen. Vorgeschlagen werden fünf Korridore:

  • Aus dem Raum Kiew nach Gomel in Belarus, unweit des Dreiländerecks.
  • Den Korridor Charkow 1 aus der belagerten Stadt über die Grenze im russischen Belgorod.
  • Charkow 2 nach Poltawa, dem berühmten Schlachtort (Die Schlacht bei Poltawa am 27. Juni 1709 war die entscheidende Schlacht im Russlandfeldzug von Karl XII. im Grossen Nordischen Krieg zwischen Russland unter Zar Peter I. dem Grossen und Schweden unter König Karl XII.)
  • Mariupol 1 nach Saporischa (geschrieben auch Saporischscha), wo sich der Kerkraftwerk befindet, dass die Russen eingenommen haben.
  • Mariupol 2 in die russische Grossstadt Rostow am Don.

Unschwer ist zu erkennen:

  • Von den fünf Zielorten ist Stand 8. März, 4.50 Uhr, nur Poltawa in ukrainischer Hand.
  • Von den übrigen vier liegt einer in Weissrussland (Gomel).
  • Einer ist russisch besetzt (das KKW).
  • Zwei liegen solid auf russischem Territorium (Belgorod und Rostow); beide dienten bis zum 24. Februar 2022 als Bereitstellungsräume.

Ukrainischer Protest

Zu verstehen ist, dass die ukrainische Führung gegen das gegnerische Diktat heftig protestiert: Die Menschen wollen nicht nach Gomel, Belgorod, Saporischa und Rostow fliehen

Verminung dementiert

Berichte über eine Verminung des Mariupol-Korridors 1 werden von Russland dementiert. Eine Bestätigung der ukrainischen Meldungen durch eine neutrale Instanz steht aus.