BISS – Pentagon: Muss General Austin gehen?

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Schon fordern Oppositionelle und Medien General Austins Kopf.

 

Siehe auch > BISS – Man schlägt den Sack und meint den Esel.

In Washington braut sich über Verteidigungsminister Lloyd Austin ein politisches Donnerwetter zusammen. Mitten in der Notevakuation Zehntausender fordern Oppositionelle und Medien seine Kopf. Hier stellvertretend für andere die National Review: “Kein amerikanischer Militärführer sollte je so etwas sagen, was Lloyd Austin sagte.”

Beanstandet wird Austins Aussage: “Wir haben nicht die Kapazität, hinauszugehen und eine grosse Zahl Leute einzusammeln.” (“We don’t have the capability to go out and collect large numbers of people.”

Mit “hinausgehen” meint General Austin das Verlassen des geschützten Raumes im Hahid Karzai Airport von Kabul. Die britischen Fallschirmjäger und Marines tun das vereinzelt, wenn sie die Chance erkennen, Landsleute zu bergen. Austin schloss das aus. Das wird ihm als Defaitismus ausgelegt. Der Chefredaktor der weit verbreiteten War News schreibt am 22. August 2021:

This has probably been one of the worst weeks for the U.S. military in a long time. Losing the Afghan war and the consequences from it is going to stain for all time every U.S. political and military leader who had a major role in that conflict, U.S. Secretary of Defense Lloyd Austin included.”

General Austin brachte die Reputation eines tadellosen Truppenkommandanten ins hohe Amt mit.

Auch er schliesst Austin namentlich in die Kritik ein. Allerdings traf Präsident Biden bewusst eine politische Wahl, als er den Vier-Sterne-General Lloyd Austin zum Pentagon-Chef ernannte. Austin brachte eine tadellose Reputation als Truppenkommandant mit und hatte den Vorzug, als erster farbiger Offizier das Pentagon zu übernehmen. Auch wenn jetzt Republikaner und Redaktoren zur Jagd blasen, muss zuerst einmal gut beachtet werden, wie Biden reagiert. Einen seiner wichtigsten Minister so früh auszuwechseln, kann nicht in seinem Interesse und dem Interesse des Landes sein.

Bidens Vorgänger Trump verschliss in vier Amtsjahren sechs Verteidigungsminister. Nachdem er den Marines-General Jim Mattis hinausgeekelt hatte, sank sein Ansehen in Militärkreisen rapid und irreparabel. Nach Mattis warfen die Pentagon-Chefs das Handtuch in immer kürzeren Intervallen: Shanahan, Esper, Spencer, nochmals Esper, Miller und Nordquist.

Biden will Kontinuität

Präsident Biden trat sein Amt mit dem Anspruch an, Trumps Verschleiss-Politik zu beenden. Auch das kann Austin zugute kommen. Zusammen mit dem Aussenminister und dem Führer der Senatsmehrheit gilt der Pentagon-Chef unter dem Präsidenten als einer der mächtigsten Männer Amerikas. Dies zeigt ein Blick auf klangvolle Namen, die seit dem Zweiten Weltkrieg das Amt versahen:

  • James Forrestal, vorher Secretary of the Navy, nach ihm ist der erste Supercarrier (Flugzeugträger) benannt

George Marshall, einer der bedeutendsten Amerikaner des 20. Jahrhunderts, hier als General of the Army, entspricht dem Fünf-Sterne-General, was sich auf der Uniform in einem Stern aussen niederschlägt.

  • George Marshall, vorher Stabschef im Zweiten Weltkrieg, Vater des Marshall-Planes
  • Robert Gates, vorher CIA-Chef, Autor grundlegender Memoiren
  • Jim Mattis, hochdekorierter Vier-Sterne-General des Marine Corps

Anderseits bekleideten auch umstrittene Gestalten den schwierigen Posten des Verteidigungsministers:

  • Robert McNamara, ex-Ford-Manager, Vietnamkrieg
  • Dick Cheney, Hardliner, später Vizepräsident von George W. Bush
  • Donald Rumsfeld, Irak-Feldzug 2003 und irakischer Bürgerkrieg

Wo sich General Lloyd Austin einreihen wird, muss sich noch weisen. Einen guten Start hatte er nicht; freilich wurzelt die jetzige Tragödie tiefer als in seinen ersten sieben Amtsmonaten.