BISS – Partnerschaft mit Ost-Gemeinden?

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An der dalmatinischen Küste – 250’000 Franken pro Jahr?

In der heutigen SonntagsZeitung kritisiert Markus Somm den Versuch, via Kohäsionsmilliarde Partnerschaften mit ungarischen Gemeinden zu fördern. Zu Recht!

In den 1990er-Jahren waren solche Partnerschaften vor allem mit Balkan-Gemeinden gefragt. Als Ammann (Präs.) der Gemeinde Salenstein erlebte ich seltsame Begegnungen.

Einmal rief die Staatskanzlei an. Am Samstag sei die Behörde einer kroatischen Gemeinde im Thurgau und suche die Begegnung mit einer Gemeinde, die das Ressortsystem kenne (was im Land der Ammänner und Vorsteher nicht überall der Fall war). Wir fühlten uns geehrt. Am Samstag um 10 Uhr versammelte sich der ganze Gemeinderat mit den sechs Ressortchefs um den Tisch. Pünktlich trafen die Dalmatiner ein.

“Die kommen wegen dem Stutz!”

Durchgetaktet stellten wir die Gemeinde und ihre Ressorts vor.

Doch wir spürten: Für das Ressortwesen waren die Gäste nicht gekommen. Ihre Fragen galten allein einem Punkt – den Gemeindefinanzen, dem Gemeindevermögen. Gegen 11 Uhr stiess mich mein Stellvertreter, ein wacher Schreinermeister, kurz an: “Du, ich glaube, die kommen nur wegen dem Stutz!”

So war es. Nach dem letzten Ressort, dem Hafen, liess der Bürgermeister die Katze aus dem Sack: Sie hätten vier Jahre Krieg hinter sich, der Tourismus habe gelitten, die Wirtschaft überhaupt. Sie dächten an eine Partnerschaft mit 250’000 Franken jährlich, die Salenstein an die dalmatinische Küste überwiese.

Die Gemeinderäte waren nicht mehr überrascht, und ich antwortete höflich: Wir seien unter anderem Vorzeichen in die Begegnung gegangen, die Staatskanzlei haben uns komplett anders instruiert. Zudem übersteige eine wiederkehrende Verpflichtung von einer Viertelmillion die Budgetkompetenz des Gemeinderates 25 x.

Das Mittagessen im “Sternen” verlief dann frugal und eher kurz. Die Dalmatiner brachen auf, an den nächsten Ort; und wir einfachen Thurgauer waren um eine Erfahrung reicher.