BISS – NZZ treibt Gärtli-Denken auf die Spitze

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Siehe auch > BISS – Pro Militia fordert permanenten Führungsstab

Es ist die letzte Juli-Woche, der Schrecken aller Inland-Redaktionen. Aber die NZZ – unter der Leitung der initiativen Christina Neuhaus – lässt nicht nach. Tag für Tag bringt sie attraktive Schweiz-Seiten, auch heute auf Seite 9, scheint es.

Schon der Titel macht Vorfreude aufs Lesen: “Amherd möchte die zivile Cybersicherheit ins Verteidigungsdepartement holen” – versehen mit der bekannten Fotographie von Viola Amherd und Thomas Süssli auf dem Weg zur Kampfjet-Pressekonferenz.

Eines muss man dem Titel lassen: Er deckt das Thema vorbildlich ab. Leider! Wer auf gut drei Fünfteln einer NZZ-Seite Klarheit zu den (viel zu) verletzbaren digitalen Abwehrlinien der Schweiz erwartet, der sieht sich getäuscht. Der kundige Autor Lukas Mäder verliert sich komplett im Silo-Denken der Departemente. Wer ihm folgt, kommt zum Schluss: Das VBS (Viola Amherd), das EFD (der frühere VBS-Chef Ueli Maurer), das WBF (der dito Guy Parmelin), das EJPD (die St. Galler ex-Militärdirektorin Karin Keller-Sutter) und das UVEK (Simonetta Sommaruga, unbelastet) liefern sich einen Kleinkrieg um die zivile Cyberabwehr.

Dies alles ist Berner Gärtli-Denken in Reinkultur. Die Cyberabwehr steht unter den Prioritäten der Schweizer Sicherheitsarchitektur seit mehr als einer Generation weit, weit oben. 1997 rüttelte die RAND-Corporation mit ihrem Szenarium The Day After die militärische und zivile Elite auf. Die Kalifornier führten drastisch vor Augen, wie brutal eine Cyberattacke die Schweiz lahmlegen kann. Nur geschah seither wenig. Viele bemühen sich um den digitalen Abwehrwall; jeder in seinem Gärtlein, in seinem Silo, mit dem Röhrenblick auf die eigenen Daten.

Doch die Integration der digitalen Verteidigung gelang bisher so wenig, wie es der Bund vermochte, die eigene IT aufzubauen; letzteres ist – wohl per Zufall – ebenfalls in der heutigen NZZ auf Seite 18 prägnant nachzulesen. 25 Jahre nach dem Day After ziehen wir Bilanz: Jedem ist das eigene Hemd am nächsten, und die koordinierte Cyberabwehr lässt auf sich warten. Wer die Schweiz angreifen will, dem steht immer noch Tür und Tor offen. Denn im Focus prangt der gleiche Krieg der Departemente, der den dringend nötigen Krisenstab verhindert.

PS. zu Lukas Mäders Titel. Ehrlicher müsste er lauten: “Die zivile Cyberabwehr kann überall hin, nur ums Himmels willen nicht ins VBS”.