BISS – NZZ schiesst übers Ziel hinaus

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Wilhelm Busch: „Dass dies mit Verstand geschah, war Herr Lehrer Lämpel da.”

 

Völlig vergessen ist die Regel des grossen NZZ-Chefredaktors Dr. Fred Luchsinger: “Sie können alles prophezeien, aber nur zu Ereignissen in 50 Jahren.”

  • In der heutigen NZZ weiss auf Seite 19 Meret Baumann, dass in den USA die Demokraten im Herbst 2022 die Mid-Term-Wahlen verlieren. Sie bezieht sich auf die Flügelkämpfe zwischen Radikalen und Gemässigten und schreibt im Indikativ: “So wird der Streit andauern – und die Partei in einem Jahr sehenden Auges eine noch viel schmerzhaftere Niederlage erleiden.” 
  • Eigentlich komisch: Warum sollen die Amerikaner noch in ihre Wahllokale gehen; gemäss Frau Baumann ist eh alles entschieden.

Krasser noch nimmt sich heute die mit viel kreativem Weiss geschmückte Seite 17 aus. Zum ewig schönen Thema Zauberformel lässt sich Fabian Schäfer vernehmen: Er sagt den Bundesräten und der Bundesversammlung, was sie 2023 in der Bundesratswahl zu tun haben, auch er im Indikativ.

  • “Die grüne Welle mag … anhalten oder sogar weiter wachsen – falls die FDP nicht noch massiv verliert und überraschende Rücktritte ausbleiben, wird die Zusammensetzung des Bundesrates Ende 2023 dieselbe sein wie heute. Alles andere wäre weder plausibel noch klug.”
  • “Wenn die vier SP- und FDP-Bundesräte wie erwartet wieder antreten, ist keine plausible Konstellation denkbar, in der die Grünen oder die GLP den Sprung in die Regierung schaffen könnten.”
  • Zu den Grünen: “Um der FDP einen Sitz wegzuschnappen, sind sie auf die Schützenhilfe aus der Mitte-Fraktion angewiesen. Doch damit ist wie schon 2019 nicht zu rechnen.Die bürgerlich-konservativ gestimmte Basis würde es kaum goutieren, wenn Die Mitte den Linken zu einem dritten Bundesratssitz verhülfe.”

“Von Buenos Aires bis Opfikon”

Hoppla, alles paletti für den Freisinn! Auch da: Wofür brauchen wir noch den Wahlkampf, die eidg. Wahlen, die Fraktionssitzungen, die “Nacht der langen Messer” und die Bundesversammlung? Roma locuta, causa finita. Die NZZ hat gesprochen, der Fall ist erledigt – zugunsten einer Partei, die im jüngsten Wahlbarometer gerade noch auf gut 13% kommt.

Als der Winterthurer “Landbote” noch eine eigenständige Zeitung war, pflegte der Chefredaktor zu seufzen: “Wir bemühen uns um Einordnung. Wir wollen dem Leser helfen, wenn er sich ein eigenes Urteil bildet. Die NZZ dagegen ordnet von Buenos Aires bis Opfikon an, was zu geschehen hat.”

Recht hatte er; und Recht hätte er noch heute, wie Figura zeigt.