BISS – Medien- und Spionage-Hochhaus umgelegt

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Am 15. Mai 2021 zerstörte die israelische Luftwaffe mit Präzisionsbomben mitten in Gaza das Hochhaus, das den katarischen TV-Sender al-Jazeera und die berühmte amerikanische Nachrichtengentur Associated Press (AP) beherbergt hatte.

Zuerst legten F-16 das nördlich anschliessende Gebäude um (Struktur noch sichtbar). Dann kam der Angriff auf das “Medien-Haus” (brennend).

Oberstleutnant Conricus, der israelische Armeesprecher, legte Wert auf die Feststellung, das Hochhaus habe mit seinen starken Antennen und Richtstrahlschüsseln auch der Hamas gedient. Die Redaktionen arbeiteten in den oberen Geschossen. Auf den unteren Stockwerken und in Bunkern dagegen waren der Hamas-Geheimdienst und die Hamas-Propaganda tätig. Das Gebäude war eine bedeutende Spionagezentrale.

Die Videosequenzen von der gezielten Zerstörung der Anlage flimmern nun über die Bildschirme. Wehe, wenn in einem Krieg oder in einem bewaffneten Konflikt eine Partei den Journalisten zu nahe kommt. Dann setzt es verbal Haue ab.

Als die NATO im Mai 1999 in Belgrad Milosevics Radio- und Fernsehturm umlegte, berichteten die Journalisten Tage lang nur noch über diesen “skandalösen Angriff auf die Medienfreiheit”. Schwere Angriffe auf Serbiens kritische Infrastruktur gingen unter – bis ein B-2-Bomber aus Versehen Chinas Botschaft dem Erdboden gleichmachte.

Die Gaza-Sequenz vom Samstag hat es in sich. Gaza-Stadt ist im engen arabischen Streifen in die Höhe gebaut. Im Zentrum reihte sich vor dem F-16-Angriff Hochhaus an Hochhaus, in dichter Bauweise. Das “Medien-Gebäude” war am beige-hellgrünen Anstrich gut erkennbar, bis es unter den Schlägen der Israeli wie ein Kartenhaus einstürzte.

Gaza, anderer Sichtwinkel: Das “Medien-Gebäude” sackt zusammen.

Das Haus stand in der Mitte einer vom Nord nach Süd laufenden Hochhauszeile. Eine israelische Sequenz zeigt:

  • Zuerst eliminierte die Luftwaffe des Gebäude im Norden.
  • Als dann die Nordwand des “Medien-Zentrums” frei war, setzten die Piloten ihre lasergelenkten 500-Kilogramm-Bomben auf ihr eigentliches Ziel.
  • Ihre Einschläge waren derart stark, dass sich das hohe Haus in Staub auflöste.

Personal rechtzeitig gewarnt

Die israelische Armee hatte das Medienpersonal eine Stunde vor dem Angriff gewarnt. Die Redaktorinnen und Redaktoren begaben sich rechtzeitig in Sicherheit. Conricus betonte, der Luftschlag habe nicht den Journalisten gegolten, sondern dem feindlichen Geheimdienstnest.

Al-Jazeera berichtete Stunden lang nur noch über die Attacke auf ihre Räume. Schon im April 2004 war ihr Bagdad-Büro einem Luftangriff zum Opfer gefallen. Amerikanische Erdkämpfer vom Typ A-10 (“Warzenschein”) zertrümmerten das al-Jazeera-Haus in der irakischen Hauptstadt.

Zuvor schon hatte sich die versammelte Weltpresse über einen Schuss aus einem amerikanischen Abrams-Panzer aufgehalten. Als die 3. US-Infanteriedivision und die 1. Marinedivision nach Bagdad eindrangen, warnten sie Fotografen und Kameraleute vor exponierten Standorten.

Im Gefecht um den Tigris jagte eine Panzerkompanie einen irakischen Schiesskommandanten, der Artillerielagen auf einem Hochhaus am Fluss dirigierte. Gleichzeitig filmten zwei Kameramänner von oberen Balkonen des Hotels Palestine aus das Geschehen. Sie hatten sich für ihre Logenplätze im 15. Stock eingemietet.

Der amerikanische Kompaniekommandant, seine Zugführer und ein Panzerschütze sahen aus 1’500 Metern die Kameralinsen verräterisch in der Sonne leuchten – und kamen zum Schluss: Das ist der gesuchte Artilleriebeobachter. Der Kommandant gab einen Schuss frei. Die Granate schlug voll ein und tötete die beiden TV-Techniker.

Der Abrams-Schuss von der Tigris-Brücke.

Grosser Aufruhr in den Medien, die eh gegen den Feldzug waren. Mord! Totschlag! Die US-Führung erinnerte aber daran: Ein Krieg ist kein Theater, die Medien waren ausdrücklich vor “Tribünenplätzen” auf Hochhäusern gewarnt worden. Die amerikanische Militärjustiz nahm ein Verfahren  gegen den Kommandanten auf; doch stellte sie es rasch wieder ein. Der Mann stieg nachher zum Major auf.