BISS – Luft- und Erdkampf 2044

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F/A-18C mit AMRAMM-Bewaffnung, darunter AIM-120.

 

Trifft der Bundesrat am Mittwoch zum Kampfjet eine militärische oder einen politische Typenwahl? So denn er entscheidet!

Die folgenden Gedanken rufen noch einmal den Sachaspekt in Erinnerung. Wir brauchen ein Flugzeug, das auch noch in der Mitte des 21. Jahrhunderts die drei militärischen Aufträge erfüllen kann:

  • Überlegenheit im Luftkampf.
  • Fortführung der bemannten Aufklärung.
  • Schliessung der Lücke im Erdkampf.

Erdkampf heisst modern close air support (CAS) und wird von Schweizer Bodentruppen seit 1994 vermisst. Damals wurde der Hunter ausser Betrieb gestellt. Es entstand die Erdkampf-Lücke, die das Heer seither belastet. Umso dringender ist es, die Lücke zu schliessen – mit dem neuen Mehrzweck-Kampfjet.

Den Luftpolizeidienst müssen wir nicht mehr hervorheben, seit uns die vereinigten SP-Oberlehrerinnen weismachen wollten, der Leonardo, die Kopie des sowjetischen Yak-Trainers, versehe den Dienst.

Worauf gilt es zu achten?

  • Der neue Jet fliegt auch 2050 noch mit derart starken Sensoren ins Gefecht, dass er den Feind zuerst erkennt – und nicht umgekehrt. Der Sensorenverbund, die Sensorfusion, macht ihn überlegen.
  • Ganz konkret: Der Schweizer Pilot, der in der Jahrhundertmitte aufsteigt, muss eine faire Chance haben, dass ihn der Gegner – nehmen wir an, es sei der Suchoi-57 – nicht schon erkennt und abschiesst, kaum ist er aufgestiegen. Es geht um Sekunden. Gegen ein feindliches Top-Flugzeug entscheidet der Sensor über Leben und Tod.
  • Das neue Flugzeug besitzt Effektoren, die den Vorsprung der Sensoren sofort umsetzen. Weniger geschwollen ausgedrückt, geht es um Waffen; schliesslich reden wir vom Krieg. Der neue Jet setzt Waffen ein, die den erkannten Gegner unverzüglich abschiessen – wieder nicht umgekehrt.

AMRAAM.

  • 2021 zieht die Schweizer Luftwaffe u.a. mit AIM-120-AMRAAM-Raketen in den Kampf. Die AIM-120-Version A/B reicht 50–70 Kilometer weit, C 50–120 und D 50–180. In den USA haben Hughes/Raytheon bereits die AIM-260 entwickelt, deren Einsatzdistanz mit “deutlich mehr als 100 Kilometern” angegeben wird. Will heissen: Die amerikanische Industrie bietet auch für die kommenden Jahrzehnte Luft-Luft-Raketen an, die das Prädikat state of the art verdienen.
  • Im Erdkampf rühmen sich Europäer und Amerikaner einer langen Tradition. So sehr waren die US-Piloten und ihre Maschinen auf den Erdkampf ausgerichtet, dass sie bis nach dem Zweiten Weltkrieg zur US Army gehörten – zum Heer, zu den terrestrischen Verbänden. Die Bomberflotte entstand im Krieg, die US Air Force erst 1947.
  • In allen amerikanischen Konflikten spielten Luft-Boden-Waffen eine entscheidende Rolle. Die Land/Air-Battle stammt aus den USA. Ihre leistungsfähige Industrie brachte mit der AGM-Familie Luft-Boden-Raketen hervor, die sich im CAS  in unzähligen Operationen bewährten. Russland kennt die Kh-Reihe, Israel Popeye, Nimrod, Luz.

Müssige Drohung

Umgelegt auf die bevorstehende Typenwahl heisst das:

  • Gewiss bringt die europäische Rüstungsbranche valable Kampfjets, Sensoren und Luft-Luft- und Luft-Boden-Waffen hervor. Am Ingenium europäischer Forscher ist nicht zu zweifeln.
  • Umgekehrt mutet es kurzsichtig an, eine Nation zu benachteiligen, nur weil sie nicht zu Europa gehört und Kräfte, die nur ein Ziel, nämlich die Armee abzuschaffen, mit einer Volksinitiative gegen die Produkte dieser Nation drohen.
  • Sollte der Bundesrat seine Typenwahl militärisch – und nicht politisch verbogen – treffen, dann muss er im Klartext wissen: Die amerikanische Industrie bietet Produkte an, die das Pflichtenheft zugunsten unserer Luftwaffe auch 2050, 2060 noch erfüllen.
  • Politisch ein Land zu blockieren, ist militärisch nicht zu verantworten. Sollte der Bundesrat die USA unter der GSoA-Drohung ausschliessen, dann müsste er sagen, er sei unter durchsichtigem Druck eingeknickt: Der Mut habe ihn verlassen, den er am 26. Mai 2021 gegen das EU-Abkommen noch an den Tag gelegt hatte.

Zur Kür ins Wallis

Zur grossen Bedeutung des Erdkampfs folgt noch ein Detail aus der fliegerischen Evaluation vom Frühsommer 2019 in Payerne. Dort starteten jeden Tag jeweils zwei Jets der Konkurrenten.

  • Alle vier Bewerber hatten über den Walliser Alpen sieben Pflichtaufträge zu erfüllen und konnten sich zusätzlich einen eigenen Kürauftrag erteilen.
  • Eine der amerikanischen Firmen entschloss sich zur Verbindung von Konferenzschutz (Pflicht) und Erdkampf im Wallis (Kür). Sie erhielt die Bewilligung, dass im Wallis Spezialkräfte des eigenen Landes ein Erdkampfziel erkundeten und für die Luftwaffe beleuchteten. Als Kür-Element scherte einer der beiden Piloten aus dem Konferenzschutz aus, griff das Erdkampfziel an – und traf > close air support, wie verlangt.
  • Die Kür soll den Punktrichtern Eindruck gemacht haben; und unterstrich, dass die Schweiz ihre Fähigkeitslücke dringend schliessen muss.