BISS – Kauft Deutschland F-35?

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Berlin erwägt ernsthaft den Kauf einer Anzahl F-35.

Die Redaktion dankt ihrem Aviatik-Korrespondenten Konrad Alder für folgenden Beitrag zum Thema Deutschland und F-35.

Bekanntlich war der F-35 in der Bundeswehr lange Anathema. Der amtliche Widerstand gegen den F-35 kulminierte 2018 im offenen Krach zwischen Ursula von der Leyen (UvL), der CDU-Verteidigungsministerin, und General Karl Müllner, dem Kommandanten der Luftwaffe. Müllner hatte aus seiner Präferenz für den F-35 nie ein Hehl gemacht, was der Minister sehr missfiel, weil sie der Firma Airbus und dem Eurofighter die Treue hielt. Als Müllner nicht nachgab, versetzte ihn UvL zum 31. Mai 2018 brüsk in den Ruhestand versetzt – mit der Begründung, der Offizier habe sich in einer zentralen Frage gegen die Ministerin gestellt.

Generalleutnant Karl Müllner verlor seine Position wegen seiner Präferenz für den F-35.

Jetzt könnte der Wind drehen. Nicht nur beschloss der Bundestag am 27. Februar 2022 auf Antrag von Bundeskanzler Scholz 100 zusätzliche Milliarden Euro für die Bundeswehr und die Aufstockung des Militärbudgets auf 2% BIP. Im Gespräch ist auch die Beschaffung einer Anzahl F-35 – in einer spektakulären Kehrtwendung wie zu den 100 Milliarden. Insider halten die Beschaffung der F-35 für sehr wohl möglich. Schon in nächster Zeit könnte von der Leyens Nach-Nachfolgerin Lambrecht Nägel mit Köpfen machen.

Es folgt der Text von Konrad Alder.

Die deutsche Bundesregierung will die Luftwaffe in einem milliardenschweren Modernisierungsprogramm mit F-35-Tarnkappenjets ausrüsten. Die Flugzeuge des Herstellers Lockheed Martin sollen als Nachfolgemodell der vor mehr als 40 Jahren eingeführten Tornado-Flotte beschafft werden, wie die Deutsche Presse-Agentur am Montag aus Regierungskreisen in Berlin erfuhr. Die F-35 gilt als modernstes Kampfflugzeug der Welt und wird auch für die sogenannte Nukleare Teilhabe Deutschlands gekauft, ein Abschreckungskonzept der NATO, bei dem Verbündete Zugriff auf US-Atombomben haben. Wegen einer speziellen Form und Außenbeschichtung ist die Maschine für gegnerisches Radar nur schwer zu entdecken.

Vorgesehen ist nach dpa-Informationen, bis zu 35 der Tarnkappenjets zu kaufen. Der bislang genutzte und nur mit immer größerem Aufwand einsatzfähig zu haltende Tornado wird in der Bundeswehr bisher auch für den elektronischen Luftkampf (Meint «Elektronische Kampfführung» (EKF) und «Unterdrückung feindlicher Luftabwehr» (SEAD-Missionen) eingesetzt – das Stören, Niederhalten und Bekämpfen gegnerischer Luftabwehrstellungen. Für diese Aufgabe sollen nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur weitere Eurofighter gekauft werden, nach dem Stand des Vorhabens 15 Stück. Der Hersteller Airbus muss diese aber in den nächsten Jahren erst noch technisch ausstatten, was als überaus anspruchsvoll gilt.

Frühere Bedenken der Bundesregierung, der Kauf der F-35 könnte die gemeinsam mit Frankreich betriebenen Pläne für den Bau eines europäischen „Kampfflugzeugs der Zukunft“ (FCAS/ Future Combat Air System) konterkarieren, sind nun in den Hintergrund getreten und scheinen aus Sicht Berlins weitgehend entkräftet. Im Fall der F-35 wurde zuletzt darauf verwiesen, dass auch NATO-Partner in Europa die Maschine nutzen und so „Synergieeffekte“ im Betrieb möglich seien.