BISS – „kann der Schiedsrichter seine Pfeife an den Nagel hängen“

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Schweizer, die sich mit Geheimdiensten befassen, kennen den 67-jährigen Obersten Jacques Baud. Seine Encyclopédie du renseignement et des services secrets steht in vielen Buchregalen. In der Weltwoche nimmt er freimütig zu Bundesrat Cassis’ Neutralitätspolitik und zum Ukrainekrieg Stellung.

  • „Die Schweiz wird in diesem Krieg nichts gewinnen. Null! Deshalb verstehe ich die Position des Bundesrates nicht. Für mich ist klar, die Schweiz war immer das Land dazwischen, der Mediator. Es war unser historisches Schicksal, die Neutralität zugunsten des Friedens zu nutzen.“
  • „Leider ist diese Tradition vorbei. Ich sehe nicht, wie unsere Politiker die Schweiz in diesem Konflikt noch einbringen wollen. Die Russland-Sanktionen kommen dem Kriegsbeitritt faktisch gleich. Die Schweiz ist der zweitgrösste Sanktionsnehmer gegenüber Russland, nach Grossbritannien und vor den USA.“

„Intellektuelle Alibiübung“

  • „Keine Ahnung, was Cassis mit seiner kooperativen Neutralität will. Für mich ist das eine intellektuelle Alibiübung.“
  • „Vielmehr stellt sich die Frage, ist die Schweiz überhaupt noch durch Schweizer geführt? Ich glaube, Nein. Sobald die Interessen der Vereinigten Staaten in der Waagschale liegen, wird unsere Aussenpolitik vom Ausland bestimmt. Wir sind nicht mehr in der Lage, eigenständige Entscheide zu fällen.“
  • „Um Vermittler zu sein, müsste man den Mut haben, sich sowohl gegen dem Bösen als auch gegenüber dem Guten durchzusetzen – wie ein Schiedsrichter auf dem Fussballfeld. Wenn eine Mannschaft meint, der Schiedsrichter pfeife für den Gegner, kann der Schiedsrichter seine Pfeife an den Nagel hängen. Die Schweiz ist so weit.“