BISS –Jacques Pitteloud: vom “James Bond” zum Duckmäuser

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Jacques Pitteloud.

Dr. iur. Jacques Pitteloud, Oberst i Gst und Botschafter, gehört zu den schillerndsten Persönlichkeiten der Schweiz. In seiner Jugend war der gelernte Panzergrenadier ein Draufgänger, ein Haudegen, ein Tausendsassa – genannt auch “James Bond der Schweiz”.

Er diente und dient der Eidgenossenschaft als Offizier, Geheimdienstchef, trouble shooter und Diplomat.

Uns es kam gut

1996 fungierte er als Bundesrat Ogis persönlicher Mitarbeiter im VBS. Im Herbst 1996 fand mit dem ganzen Rösslispiel eine Armeekorpsübung statt. Im Jura verhaspelte sich ein Kommandant bei der Befehlsausgabe. Offenbar verletzte er die damals geltende politische Korrektheit. Jedenfalls kam die welsche Presse dahinter. Aber ich erinnere mich, wie uns Dölf Ogi zuraunte: “Das erledigt der Dr. Pitteloud” – und es kam gut.

In der Staatsschutzkommission brillierte Pitteloud mit seiner operativ-strategischen Analyse. Er kannte die Schweiz, Europa und die Welt – und er verstand das Militär: Er verband den Schwung des Troupiers mit den Qualitäten des Generalstabsoffiziers. Er befehligte ein Mechanisiertes Infanteriebataillon – das gab es damals – und stieg zum Schweizer Geheimdienstkoordinator auf.

Gut erinnere ich mich an unsere Diskussion zu Beginn des Zweiten Irakkrieges. Im Frühjahr 2003 ging um die Dauer der Schlacht – oder präziser um die Frage: Wie lange brauchen die Alliierten, um Saddam Hussein niederzuringen? Pitteloud tippte auf Tage, der Schreibende auf Wochen. Das Duell endete unentschieden: Nach 21 Tagen gleich drei Wochen war Bagdad besetzt.

Jacques Pitteloud hatte all die Qualitäten des kühnen, scharfsinnigen Wallisers; und er war stolz auf seine Herkunft. Aufgrund langer Dienste in der Kaserne Sion scherzte ich: “En fin de compte, je suis demi-Sédunois”. Pitteloud: Est-ce que tu appartiens à une grande famille valaisanne?”

Robert E. Lee.

Und jetzt das! In der Weltwoche berichtet Christoph Mörgeli: In der Schweizer Botschaft zu Washington liess Botschafter Pitteloud die beiden Porträts der Generale Robert E.Lee und William T. Sherman abhängen. Er ersetzte die Gemälde von Frank Buchser durch Bilder dreier farbiger Knaben.  Letzteres ist heutzutage üblich. Aber dass ein Patriot, Offizier und Geschichtsfreund zwei der bedeutendsten Heerführer des Bürgerkriegs (1861–1865) in ein Berner Archiv versenkt, das ist schwer zu verstehen.

Robert E. Lee führte die Truppen des Südens kompetent, kühn, umsichtig. Als er 1865 einsehen musste, dass der Norden gewonnen hatte, widersetzte er sich dem Befehl des konfoederierten Präsident Jefferson Davis, er müsse weiterkämpfen. Er traf seinen Gegenspieler Ulysses S. Grant im Appomattox Court House und schloss Frieden. Grant beliess ihm das Schwert.

William T. Sherman.

William Tecumseh Sherman trug seinen zweiten indianischen Namen stolz. Sein mutiger, brutaler March to the Sea von Georgia nach Savannah senkte die Waagschale für den Yankees. Er zog weiter in die Carolinas und entschied den Krieg für den Norden. Als General Grant Präsident wurde, ernannte er Sherman zum Befehlshaber der amerikanischen Streitkräfte. Im Zweiten Weltkrieg ehrte ihn das Heer, als es den Sherman-Panzer nach ihm benannte.

Buchsers Bilder gaben in der Botschaft dem General’s Room den Charakter. Nun hat den Raum ein Mann entwertet, der auch schon mehr Rückgrat besass.

9. April 1865, Appomattox Court House. Grant (links) und Sherman (rechts) reichen sich die Hand zum Frieden – nach vier Jahren Krieg.