BISS – Iran rüstet atomar > Israel felsenfest

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Nessie.

Wie aus dem Loch Ness jeden Sommer Nessie auftaucht, gehen in der Weltpresse die Wellen stets hoch, wenn sich Israel der iranischen Atomrüstung widersetzt. In Washington suchten General Benny Gantz, seit 2020 Verteidigungsminister, und der Mossad-Chef David Barnea die amerikanischen Verbündeten von einem neuen Deal mit Iran abzuhalten. Das macht Schlagzeilen. Nur: Wenn unter den vielen Konstanten der israelischen Sicherheitspolitik eine herausragt, dann ist es der Widerstand gegen Irans nukleare Ambition.

Worum geht es?

  • Wie General Gantz in den USA wiederholt ausführte, ist Israel zusammen mit Taiwan der einzige Staat auf der Welt, den ein anderer mit Vernichtung und Genozid bedroht. Unablässig ruft das Ayatollah-Regime sein Volk auf: “Werft sie ins Meer! Tilgt sie von der Landkarte!” Auch das ist nicht neu. Der Hassruf stammt vom Originalton des ägyptischen Diktators Nasser ab, der 1967 im Sechs-Tage-Krieg sein Waterloo erlebte.

Teheran, Brigadier Jenderal Abolfazl Shekarchi: “Wir vernichten den zionistischen Feind.”

  • Sollte Iran je Atommacht werden, würde das Israel und die Region existentiell bedrohen. Für Israel wäre es die Umkehr des Zionismus. Die Agglomeration Tel Aviv wäre vom Tag an bedroht, an dem Iran die Bombe erfolgreich getestet und für die Shahab-Rakete miniaturisiert hätte. Israel wäre nicht mehr das Refugium für das bedrohte jüdische Volk. Die Millionen an der Mittelmeerküste wären von der Vernichtung bedroht (Jerusalem bleibt ausgenommen > die al-Aksa-Moschee und der Felsendom gehören zu den Heiligtümern des Islam).
  • Die iranische Bombe würde im Nahen und Mittleren Osten ein nukleares Wettrüsten auslösen. Saudiarabien, Ägypten, eventuell auch die Türkei würden versuchen, mit eigenen Atomwaffen nachzuziehen. Für den Tag X steht in Pakistan ein Flugzeug bereit, das sofort eine Atombombe nach Saudiarabien brächte. Die Annäherung von Bahrain und der Emirate an Israel geht nicht zuletzt auf Irans Atomrüstung zurück.

Die kritischen 20% sind überschritten

Von rechts: Premier Naftali Bennett, CIA-Direktor William Burns und Mossad-Chef David Barnea.

In Israel haben Politik, Armee und Geheimdienst die Reihen geschlossen. Der neue Premier Naftali Bennett, Gantz, Barnea und Generalstabschef Aviv Kochavi ziehen am selben Ende des Stricks. Es besteht Konsens:

  • Seit Trump 2018 den Atomdeal kündigte, reichert das Ayatollah-Regime hemmungslos Uran an. Der Vertrag begrenzte die Anreicherung auf 3,67%. Jetzt ist die kritische Schwelle von 20% überschritten. Von den 20% ist es relativ leicht, in weit höhere, für Israel gefährliche Bereiche zu gelangen. Weitreichende Raketen, bis tief nach Europa hinein, besitzt Iran ohnehin. Tel Aviv liegt längst in der Shahab-Reichweite.
  • Kochavi ging schon im Frühjahr – in der Agonie der Netanyahu-Herrschaft – sehr weit: Die Armee werde nicht zuschauen, wie Iran Atommacht werde. Sie werde notfalls handeln. In einem Staat, der den Vorrang der Politik vor dem Militär hochhält, erregte das Aufsehen. Bennett und Barnea, der Mossad-Chef in einem seltenen offenen Auftritt, bekräftigten Kochavis Position. Israel widersetzt sich Irans Plänen felsenfest, im äussersten Fall auch militärisch.

Wie reagiert Israels Armee?

In der Kiriah, Tel Aviv, nach iranischer Provokation im Persischen Golf: Mitte in Zivil Benny Gantz, rechts Aviv Kochavi.

General Kochavi erfüllt einen Herkules-Auftrag: Er baut die Armee komplett um. Sein Vorhaben heisst “MOMENTUM”. Seit 1948 lautete Israels strategisches Ziel schwergewichtigt Geländegewinn. In Anbetracht der mangelnden operativer Tiefe des Kleinstaats galt (und gilt) es, den Krieg in das Gelände des Gegners zu tragen. Und politisch musste Terrain erobert werden, das dann in Verhandlungen als Faustpfand diente.

Neu erfüllt die Armee den Auftrag: Es geht primär darum, das feindliche Angriffspotential komplett zu zerschlagen. Zerstörung, nicht mehr so territoriale Eroberungen sind das Alpha und das Omega.

  • Ihren Wert behalten die traditionsreichen Panzer-, Panzergrenadier-, Infanterie-, Artillerie- und Genieverbände. Sie segeln unter dem neuen Code “GIDEON”. Die “GIDEON”-Brigaden sind Verbände von höchster Kampfkraft, mit langer Ausbildung und besten Waffen. Sie sind fähig, das Territorium des Staates Israel zu verteidigen. Ebenso tragen sie den Kampf in einer Tiefe von 40–60 km in Feindesland hinein.
  • Neu geschaffen wird das weitreichende Element “YESHURON”. Kochavi fasst die Fallschirm- und Spezialkräfte zu einer neuen geballten Faust zusammen. Diese neue Kraft soll “über Tausende Kilometer hinweg” gegnerisches Potential zerstören. Iran lässt grüssen. “YESHURON” kooperiert eng mit der Luftwaffe, auch mit deren Transportverbänden. Die Vernichtung von Irans Atompotential wäre ein a.o. anspruchsvoller Auftrag. So käme “SHALDAG”, der Spezialkräfte-Formation der Luftwaffe, in der unterirdischen Zerstörung der 18 dezentralen Anlagen enorme Bedeutung zu.
  • Die “YIFTAH”-Brigaden übernehmen den Schutz kritischer Infrastruktur, bleiben aber zur Verteidigung ihrer Sektoren fähig. Ihr Rückgrat bildet die immerhin 465’000 Mann starke Miliz (die aktive Armee umfasst 169’500 Mann).

Aviv Kochavi.

Kochavi setzt “MOMENTUM” durch

General Kochavi hat in Israel Autorität. Der Fallschirmoffizier und Erfinder des “Kochavi-Hammers” für den Ortskampf ist gleichzeitig Troupier und Generalstabsoffizier. Unter seiner Führung nimmt “MOMENTUM” Gestalt an.