BISS – Internet weg? Strom weg? was dann?

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Am längsten Tag des a.o. Jahres 2022, am 21. Juni, zieht ein schweres Gewitter von Stein am Rhein nach Konstanz. Gegen 22 Uhr ein tagheller Lichtblitz, innert Sekundenbruchteilen ein ohrenbetäubender Knall, von der PC-Tastatur sprühen Funken – vor allem aber Alarm im Nachbarhaus mit seinem steilen Giebel. An beiden Giebelenden rissen Blitze Löcher ins Dach, jäher Platzregen prasselt in den Estrich. 

Kein Mail, kein Fernsehen, kein Blog

Mühsam verzieht sich das Gewitter nach Osten, Hilfe für die Nachbarn naht. Konsequenz für alle, die auf die Swisscom bauen: kein Internet, kein Mail, keinen Festanschluss, kein Fernsehen, keinen Teletext, kein Blog – plus, unabhängig von Swisscom, kein Strom, kein Licht. Letzterer Mangel ist rasch behoben: die Sicherungen sind handlich wieder eingeschraubt.

Aber für die Swisscom-Kunden dauert die Reparatur unerträglich lang > Wir bitten um Verzeihung für den Ausfall unserer Nachrichten.

Am 23. Juni 2022 titelt die NZZ auf ihrer Meinungsseite: „Der Bund benötigt eine Fitnesskur in Stabsarbeit.“ Was hat das eine mit dem anderen zu tun? Sehr viel! Der Redaktor Georg Häsler stellt sich eine Notlage vor, die jederzeit eintreten kann: „Noch einmal eine Welle der Pandemie, dazu eine Strommangellage und Millionen von Menschen auf der Flucht übers Mittelmeer wegen einer Hungersnot.“

Ja, die Gefahr dessen, was Häsler eine „Kombi-Krise“ nennt, hast seit der militärischen Zeitenwende vom 24. Februar 2022 noch zugenommen. Und der Bundesrat verharrt in seinem Silodenken. Mehr denn je pochen die sieben Departemente in Zeit von Krieg, Krise und Konflikt auf ihrer jeweils eigenen Herrschaft. Am 23. Februar nennt die Bundeskanzlei dazu in ihren Krisen-Auswertung Ross und Reiter.

Der Zufall will es, dass ein Korpskommandant zum Blog-Beitrag „BISS – Sisyphos, Bundesbern und der Krisenstab“ gratulierte. Der Kommentar treffe den Nagel auf den Kopf. Der Egoismus gewisser Departemente sei unerträglich.

Hoch angesiedelt – mit umfassenden Kompetenzen

Was folgt, ist ein Ladenhüter aus den Nuller-Jahren. Um das Jahr 2002 beriet die Eidg. Staatsschutzkommission die Kalamität – und kam zum Schluss, in der Krisenlage versage das einschlägige Gärtleindenken. 

In schweren Krise tauge nur ein Stab, der die Kräfte aller Departemente bündle – hoch angesiedelt, führungsmässig beim Bundesrat, administrativ in der Bundeskanzlei. Der Stab sei mit umfassenden Kompetenzen auszustatten, jedes Departement zur Kooperation zu verpflichten.

Seither ist wenig geschehen. 2014 ging eine zweckmässige Pandemie-Simulation über die Bühne, nachdem führende Epidemiologen früh vor Seuchen gewarnt hatten. Ausgerechnet das direkt betroffene Bundesamt machte nur halbherzig mit. Durch die effektiv eingetretene Pandemie kam die Schweiz gemäss NZZ „einigermassen glimpflich“ – auch und vor allem dank des milden Verlaufs der Omikronwelle.

Und jetzt das Szenarium, das Georg Häsler entwirft – insofern nicht auf die Spitze getrieben, als es keine militärische oder Terror-Bedrohung der Schweiz bringt! Es müsste die Spitzenbeamten aufrütteln, durchschütteln, zur Raison zwingen. 

Doch eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als dass der Block gewisser eigensinniger Departemente Machtmittel abtritt.