BISS – Hängen Taliban Feinde an Black-Hawk-Heli auf?

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Gemäss der Zeitung Independent wurde das Bild in Kandahar aufgenommen. Es zeige einen Taliban-Heli mit einem angehängten Mann.

  • In der historischen Nacht vom 30. zum 31. August 2021 wartet die britische Tageszeitung Independent mit einer Meldung auf, die schwer einzuordnen ist.
  • Sie bringt das Bild eines Black-Hawk-Helikopters, der mit einem angehängten Menschen über einem hohen Flachdach-Haus schwebt. Die Fotografie stamme vom 30. August 2021 aus Kandahar, Afghanistans zweitgrösster Stadt im Süden. Kandahar ist eine Hochburg der Paschtunen und der Taliban.
  • Zur Schlüsselnachricht, die Taliban hängten einen Feind an einem erbeuteten amerikanischen Helikopter, merkt die Zeitung ausdrücklich an, es handle sich um eine unbestätigte Information. Diese müsse noch verifiziert werden.

Video-Sequenz lässt Vorgang offen

Wenn die brutale Hängung zuträfe, wäre das für alle, die sich von den Taliban ein milderes Regime erhoffen als von 1996–2001, ein schwerer Rückschlag. Es ist deshalb dringend geboten, auch die Videosequenz zu analysieren, die der amerikanische Dienst War News verbreitet:

  • Das 60-Sekunden-Video zeigt einen Black Hawk, an dem ein Mensch hängt, der sich unablässig um die eigene Achse dreht.
  • Der Helikopter senkt sich, bis er mit der angehängten Person hinter dem Flachdach verschwindet. Will heissen: Was nachher mit dem Angehängten geschieht bleibt völlig offen. In letzter Konsequenz handelt es sich um zweifelhaftes Video.
  • Als einziger Ton ist Rotorenlärm zu hören. Die Taliban fügen kein gesprochenes Wort bei.

Nüchtern betrachtet, kann zum Schicksal des Angehängten keine sichere Aussage getroffen werden. Im groben Raster ergeben sich zwei Möglichkeiten:

  • Es ist denkbar, dass die Taliban vorführen wollen: Wir sind fähig, von einem Helikopter einen Operator unseres Spezialkräfte-Bataillons Badri 313 im Ortskampf abzusetzen. Das “Abseilen” von Operators gehört zum alltäglichen Handwerk aller Special Forces – auf der ganzen Welt. Auch im Ceneri und in Isone ist diese Technik zu beobachten, auch mit mehreren AAD-10-Operators oder Grenadieren am Seil.
  • Oder die Deutung der Zeitung Independent stimmt. War News übernimmt schon im Titel die Version der Briten. Aber das muss nichts heissen.

Taliban auf dem Propaganda-Feldzug

Im Gegensatz zu den Jahren 1996–2001 setzen die Taliban jetzt einen Propaganda-Rat ein (in ihrem Wortschatz sind Führungsgrundgebiete, Unterabteilungen, Zellen “Räte”). Schon nach ihrem militärischen Sieg demütigten sie die Amerikaner mit dem Iwo-Jima-Bild von 1945 – aufgenommen im August 2021 in Taliban-Form, zugeschrieben dem erwähnten Bataillon Badri 313, in erbeuteten amerikanischen Spezialkräfte-Uniformen:

Spezialkräfte vom Taliban-Bataillon Badri 313 hissen ihre weiss-schwarze Kriegsfahne.

Die Szene imitiert exakt die Hissung des Sternenbanners am 23. Februar 1945 auf dem Suribachi durch US Marines.

Mit dem Heli-Bild und der entsprechenden Sequenz könnten sie den USA beweisen:

  • Es stimmt nicht, dass wir euren Black Hawk nicht fliegen können. Seht, was wir über Kandahar “veranstalten”. Nachdem das Pentagon die enormen Beutezahlen veröffentlicht hatte, verbreiteten amerikanische Offiziere die Aussage, die Taliban hätten keine Black-Hawk-Piloten; und ohnehin seien die Helikopter in kurzer Zeit obsolet. weil die Guerillakrieger modernes Fluggerät gar nicht warten könnten.
  • Es ist durchaus denkbar, dass Piloten der afghanischen Luftwaffe zu den Taliban überliefen und die Heli fliegen.
  • Grossen Wert legt die Taliban-Propaganda auf die Spezialkräfte. In ungewöhnlicher Abweichung von ihrer strengen Geheimhaltung forciert die Führung das Bataillon Badri 313 (ob die Nummer stimmt oder fingiert ist, bleibe dahingestellt). Das Bataillon – erst noch in amerikanischem Anzug – ist offensichtlich der Stolz der Guerillatruppe. So ist es auch denkbar, dass sie die Demonstration des Heli-Fluges mit der Vorführung einer typischen Technik von Special Forces verbindet.