BISS – General Solotow rügt offen Gerassimow

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Putin und General Solotow, Kommandant der Nationalgarde. Solotow ist Putin direkt unterstellt.

Viktor Solotow trägt unter der Kampfanzugbluse die Telnyashka – und zwar in rot-weiss, nicht wie andere Elitetruppen in blau-weiss oder die Marine-Infanterie in schwarz-weiss. Rot-weiss wurde 2016 speziell für die Garde geschaffen.

 

Erstmals hat in Moskau ein ranghoher General Schwierigkeiten im Ukraine-Krieg eingeräumt und offen die Führung der Streitkräfte gerügt.

  • Viktor Solotow, Befehlshaber der dem Präsidenten Putin direkt unterstellten Nationalgarde, kritisierte mit dem Einverständnis seines Schutzpatrons den Generalstab der Armee, weil alles nicht so schnell laufe, wie man sich das wünschen würde. Das war ein Hieb gegen den Generalstabschef Valeri Gerassimow, der den Nachrichtendienst GRU, die Vorbereitungen und Durchführung des Ukraine-Feldzugs verantwortet.

  • Zugleich berichtet General Igor Konaschenkow, der Armeesprecher vom ukrainischen Widerstand an der Südostfront. Im Donbass kommen die russische Armee und prorussische Separatisten bisher nicht so recht voran. Konaschenkow nennt ausdrücklich zähe Kämpfe bei Luhansk und der Stadt Sjewjerodonezk, einer Stadt im Oblast Luhansk mit einem bedeutenden Kraftwerk (kritische Infrastruktur). Unser Bild zeigt einen ukrainischen Infanteristen mit der RPG-7-Panzerfaust in der Schlacht um Sjewjerodonezk.
  • Agenturen sehen in den Aussagen der Generäle Solotow und Konaschenko eine mindestens verbale Wende. Das ist wohl verfrüht. Aufsehen erregt vielmehr, dass in der Person von Viktor Solotow ein Gerassimow nicht unterstellter General öffentlich Kritik am Generalstab übt.

Hintergrund

Seit Tagen kursiert in Moskau ein für Präsident Putin, Verteidigungsminister Shoigu und Generalstabschef Gerassimow unangenehme Wahrheit: Der Kreml und der Generalstab haben den militärischen Widerstand der Ukraine unterschätzt, namentlich auch die Qualität und Motivation der ukrainischen Armee.

Selbst das Beret mit dem eingemitteten Stern wurde für Putins Leibgarde speziell geschneidert.

Solotows Kritik kommt zeitgleich mit der neuen “Gesprächsbereitschaft” des Kreml. Durchsetzt waren Solotows Aussagen allerdings weiterhin mit den bekannten Anwürfen – etwa jenem, dass ukrainische „Nazis“ Zivilisten als Schutzschilde nutzten. Überdies weiss niemand, ob Putin die Hand zu Verhandlungen nur taktisch ausstreckt und es nicht ernst meint.

„Läuft nicht alles so schnell“

  • Präsident Putin schuf die Nationalgarde 2016 sozusagen als seine eigene letzte Reserve. Ihm direkt unterstellt, erteilte er ihr derart zentrale Aufträge wie den Schutz der neuen Kertschbrücke, die für Eisenbahn und Strasse die direkte Verbindung vom russischen Festland auf die Halbinsel Krim schuf. Die Nationalgarde kontrolliert das lange Brückenwerk am Boden, über und unter Wasser.
  • Sie gewährleistet auch Putins persönlichen Schutz. General Solotow ist Putins enger Vertrauter. Der Kommandant der Nationalgarde erklärte wörtlich: „Ich möchte sagen, dass alles nicht so schnell läuft, wie man sich das wünschen würde.” Dass sass.
  • Solotow hielt anderseits den Russen zugute, dass sich „Nazisten“ in der Region hinter friedlichen Bürgern, darunter Frauen und Kindern, in Schulen, Kindergärten und Wohnhäusern versteckten.
  • Der Kremlchef Putin hatte stets behauptet, alles laufe nach Plan – auch zeitlich. Doch zuletzt hatte es sogar im russischen Fernsehen öffentliche Zweifel am Fortgang des Krieges gegeben. Gleichwohl meldete die Television am 14. März 2022 militärische Erfolge; in Übereinstimmung mit dem Generalstab.

Mehr Widerstand als erwartet

  • Die Zahl der seit Kriegsbeginn am 24. Februar zerstörten ukrainischen Waffensysteme liegt laut Verteidigungsministerium inzwischen bei rund 4’000 – darunter befänden sich mehr als 1’200 Panzer und gepanzerte Fahrzeuge. Putin hatte seinen Einmarsch in die Ukraine auch damit begründet, er wolle das vom Westen mit Waffen aufgerüstete Land „entmilitarisieren“.
  • Solotow erklärte nach seiner Kritik, die russische Armee werde siegen. Auch seine Nationalgarde nimmt an den Kampfhandlungen in der Ukraine teil. Sie kämpft an der Südfront, wo die Russen früh erste operative Ziele erreichten wie die praktisch durchgehende Front von Cherson nach Luhansk (minus Mariupol).
General Konaschenkow: Luhansk und Sjewjerodonezk

General Igor Konaschenkow räumt ein, die Armee und die Separatisten träfen in der Region Luhansk auf starken Widerstand. Im Nordosten der grossen Stadt Sjewjerodonezk liefen zähe Kämpfe gegen „Nationalisten“. In der Stadt leben etwa 100’000 Menschen (siehe die folgende Luftaufnahme).

   

Aber: Auch Konaschenkow sprach davon, dass sich „Nazisten“ in der Region hinter friedlichen Bürgern, darunter Frauen und Kindern, in Schulen, Kindergärten und Wohnhäusern verstecken.