BISS – General Milley warnte China 2 x

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Das waren sich noch Freunde. Trump nannte Milley 2018 einen “unglaublichen Kerl”, als er ihn zum obersten Soldaten der Streitkräfte ernannte.

 

Siehe auch > Trump droht mit Militär – kann er das? und Trumps Schuss in den Ofen – Mattis macht mobil

Bob Woodward ist in den USA seit 1972 eine Ikone. In der “Washington Post” deckte er Präsident Richard Nixons Verwicklung in den Watergate-Einbruch auf. Das führte 1974 zu Nixons Sturz und 1976 zur Wahl des naiven “Spanisch Nüssli”-Farmers Jimmy Carter.

Seither veröffentlichte Woodward mehrere Standardwerke zur amerikanischen Zeitgeschichte. Sie beruhen langen Gesprächen mit den Beteiligten. Jetzt kündigt Woodward zusammen mit Robert Costa das Buch “Peril”, Gefahr, an. Die neue Recherche befasst sich mit Donald Trumps Jahren im Weissen Haus.

Li Zuocheng, Mitte, Chinas oberster Soldat.

Im Sinn des Buch-Marketings gibt die “Washington Post” nun Auszüge frei. Diese verraten zwei Telefonanrufe des Generalstabschefs Mark Milley. 2 x trieb Trump den General derart um, dass dieser Chinas Generalstabschef Li Zuocheng anrief:

  • Am 30. Oktober 2020, kurz vor der Präsidentenwahl vom 3. November, suchte Milley dem Chinesen Li die Angst vor Trump zu nehmen: “General, wir kennen uns seit fünf Jahren. Wenn wir angriffen, würde ich sie vorher anrufen.” Fürwahr ein aussergewöhnlicher Vorgang! Amerikas höchster Soldat verspricht Chinas höchstem Offizier, er werde ihn vor einem Angriff warnen!
  • Nach dem Sturm der Trump-Anhänger auf das Capitol, am 6. Janaur 2021, meldeten die amerikanischen Geheimdienste: “Chinas ist besorgt, dass Trump vom Sturm ablenkt und China angreift.” Nun habe Milley, so Woodward, befürchtet, China könnte selber einen Präventivschlag unternehmen. Wieder rief er Li an. Und er blies ein Grossmanöver im Südpazifik ab, um die Chinesen zu beruhigen.

Zu beiden Telefonaten habe Milley Trump nicht informiert.

“Unzurechnungsfähig”

Als “Teaser” für das Buch, das zweifellos ein Bestseller wird, gibt die “Washington Post” weitere Geheimnisse frei:

  • Nach dem Capitol-Sturm hätten er und Nancy Pelosi, die starke Frau der Demokraten im Kongress, in einem Telefonat miteinander übereingestimmt, Trump sei nicht zurechnungsfähig. Milley hatte 2020 innerlich mit Trump gebrochen, nachdem ihn dieser gezwungen hatte, in Uniform am berüchtigten Marsch zur Kirche teilzunehmen. Der General entschuldigte sich nachher für seine Teilnahme am Marsch, versagte hernach aber dem Präsidenten die Gefolgschschaft.

Trumps Marsch zur St. John’s Kirche, mit Pentagon-Chef Esper und Milley.

  • Am 8. Januar 2021 habe Milley die höchsten Offiziere zu einem Rapport aufgeboten. Milley war beunruhigt, weil der Präsident als Oberbefehlshaber auch über den Einsatz der Atomwaffen entscheidet. Er rief seinen Unterstellten in Erinnerung, die USA dürften Nuklearwaffen nur lancieren, wenn auch er, der Chairman of the Joint Chiefs of Staff, einverstanden sei.

In letzterer Begebenheit klingt noch einmal die Sorge an, die vom 20. Januar 2017 bis zum 20. Januar 2021 in Washington vorhanden war: Dass nämlich Donald Trump in seiner Sprunghaftigkeit auch einmal zur Nuklearkeule griffe. Zum Glück trat das nicht ein. So wie er sich jetzt gebärdet, lässt Trump durchaus offen, dass er sich 2024 nochmals um die republikanische Nomination und Bidens Nachfolge bewerben könnte …