BISS – Flug über Arabien, Land der Konflikte

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Nein, einfacher ist Fliegen nicht geworden. Zwölf Dokumente präsentiert das Ehepaar in Kloten: neben den „üblichen Verdächtigen“, den Pässen und Tickets, je zwei aktuelle negative PCR-Tests, Impfausweise, Visa und die Registrationen des omanischen Ministeriums.

An der Gepäckkontrolle herrscht Alarm; auch die Reisenden werden freundlich, gründlich gescannt. Sicherheit geht vor.

Am E-Dock, Gate 19, wartet nicht die Oman Air, sondern eine A-340 der „Edelweiss“. Erstmals führt die Route nicht über den Balkan und das Schwarze Meer, sondern der Adria entlang über Griechenland, die Ägäis, Israel und Saudi-Arabien an den Persischen Golf.

Viel Geschichte zieht vorbei: Dubrovnik, das venezianische Ragusa; Delphi, das Orakel; Marathon, die Schlacht und der 42-Kilometer-Läufer; Mykonos, Rhodos, Zypern … Viel Glauben auch: Im Heiligen Land links die Hörner von Hattin, das Kreuzrittergrab, dann Nazareth, der See Genezareth, rechts golden in Jerusalem die Kuppel des Felsendoms, die Grabeskirche, die Klagemauer …

Mit 175 km/h treibt der Rückenwind die A-340 voran. 1031 km/h zeigt auf 11‘887 Metern Höhe das Display an. Um 16.36 Uhr überfliegt die Maschine Israels Küstenlinie, um 16.42 Uhr erreichen wir die graue Arabische Steinwüste. Gerade mal sechs Minuten dauert der Flug über den schmalen, einigermassen fruchtbaren Streifen Land, in den sich schon zwei Staaten drängen: Israel und Jordanien. Und da wollen Phantasten einen Dritten hineinzwängen – unmöglich!

Andere Dimensionen bringt die Arabische Halbinsel. Trotz Mach 8,8 verstreichen mehr als anderthalb Stunden, bis am Golf die Lichter von al-Manamah aufleuchten, der Hauptstadt von Bahrain. Gut drei Stunden nach Israel landen wir wohlbehalten in Muscat, Oman, sechs Stunden seit Kloten.

Auch in Arabien leidet der Tourismus. War schon der Flieger halb leer, ist das Hotel, wirkt der Sandstrand fast ausgestorben. Hochsaison ist, aber Corona herrscht. Oman strahlt unverändert die Ruhe aus, die Ordnung, das Mass auch, das die Nachbarn, die extravaganten Emirate, so schmerzlich vermissen lassen.

Rund um die Arabische Halbinsel haben mächtige Flottenmanöver begonnen; von 60 beteiligten Flotten redet das Kommando. Doch davon mehr im zweiten Bericht aus Muscat am Golf von Oman.