BISS: F-35 für die Emirate – kniffliges Geschäft

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  • Für 29 Milliarden $ liefern die USA Waffen an die reichen Vereinigten Arabischen Emirate (VAE).
  • Zwei Lieferungen überragen das Geschäft. Die Luftwaffe der VAE erhält 50 F-35-Stealth-Kampfjets von Lockheed Martin. Und 18 Kampfdrohnen MQ-9-Reaper von General Atomics verstärken die Kampfkraft der Emirate gegen den Feind gleich über dem Persischen Golf: gegen Iran, den von Russland und China mit Waffen alimentierten Ayatollah-Staat.

Siehe auch > US Befehlshaber Europa glaubt nicht an sofortigen russ. Angriff und Iran 2: Rohani will Uran auf 60% anreichern und Iran 1: Der verdeckte Krieg und Rollout des dänischen F-35A 

18 Kampfdrohnen Reaper verstärken die VAE.

  • Knifflig muten namentlich die vier F-35-Staffeln an, welche die VAE nun aufbauen. Israel achtete gegenüber seinem stärksten Verbündeten, den USA, bisher darauf, dass amerikanische Waffenverkäufe an arabische Staaten den eigenen taktisch-technischen Vorsprung nicht beeinträchtigen.

Zwei F-35I-Adir-Staffeln

Bereits operieren von einem komplett neuen, streng geheimem Stützpunkt im Negev zwei vollständige F-35I-Adir-Staffeln zu je 12 Kampfjets:

  • die 140., die “Goldenen Adler”;
  • die 116., die “Löwen des Südens.

Von Nevatim im Negev erreichen sie Ziele auch in Iran. Den grossen Coup landeten zwei F-35I-Piloten, als sie unentdeckt vom iranischen Radar das nukleare Dreieck Natanz–Isfahan–Buscheer aufklärten. Als der damalige Präsident und General Ariel Sharon mit seinem Amtskollegen George W. Bush den F-35-Deal aushandelte, bedingte er sich in Teilen eine eigene israelische Avionik aus. Weil Bush dem legendären Fallschirm- und Panzergeneral aus der Hand frass, setzte Sharon Israel Begehren durch.

F-35I Adir der 140. Staffel.

Dass die beiden Adir-Staffeln eine teils eigene Avionik haben, spielt in der jetzigen heiklen Situation eine Rolle. Wenn die israelischen Eigenheiten der Avionik überlegen sind, welche die VAE erhalten, dann bleibt – in der Meinung israelischer Ingenieure und Offiziere – ein gewisser Vorsprung erhalten. Die Israeli verweisen insbesondere auf folgende Vorzüge des Adir:

  • ein eigener Pilotenhelm mit topmodernem Display;
  • die gelenkte Bombe Rafael Spice EO/GPS;
  • der Delilah “man-in-the-loop-controlled” Marschflugkörper von IMI;
  • eigene Sensoren mit direktem Link zur Bodenstation.

Bester Kampfjet der Welt?

Die Verbindung des F-35, dem Jet der 5. Generation, mit der israelischen Top-Avionik verleitet in den USA Fachmagazine zur Bewertung: Der F-35I Adir ist der stärkste Kampfjet der Welt. Die amerikanischen Experten mögen den Su-57 des russischen Spitzenreiters Suchoi, der in Moskau dem Rivalen MiG den Rang abgelaufen hat, übersehen. Was in Israel zählt, ist die Überzeugung auch des Luftwaffenchefs Amirkar Norkin, die eigene Avionik sichere die Überlegenheit.

Letztlich wurde die Lieferung der 50 F-35 an den Golf politisch entschieden. Schon der acharnierte Israel-Freund Donald Trump fädelte das lukrative Geschäft ein. Im Gegenzug verhandelten er und seine Emissäre mit den VAE, Bahrain und anderen arabischen Monarchien wie Marokko über die Abraham-Verträge, die historischen Friedensschlüsse mit Israel.

Netanyahu unter Druck

Premier Benjamin Netanyahu ist innenpolitisch doppelt gefährdet:

  • Erstens steht ihm das Wasser juristisch bis zum Hals. Vor dem Obersten Gericht laufen Klagen wegen Betrugs und Korruption.
  • Zweitens ist es ihm in vier Anläufen bisher nicht gelungen, in der Knesset eine belastbare Regierungskoalition zu bilden. Auch wenn sein Likud als stärkste Partei aus den Wahlen hervorging, erreichte er mit den Orthodoxen und der äussersten Rechten nie die absolute Mehrheit im Parlament.

So bot und bietet Netanyahu den USA, den VAE, Bahrain und Marokko in etlichen Belangen Hand:

  • Obwohl ihm Präsident Trump zum Abschluss seiner Pro-Israel-Beschlüsse – Botschaft nach Jerusalem, Anerkennung der Golan-Annexion von 1981, Kündigung des Wiener Atom-Abkommens mit Iran – auch noch anbot, er werde Annexionen im Westjordanland billigen und anerkennen, verzichtete er um der Friedensschlüsse willen auf diesen Schritt.
  • Die Armee fordert seit jeher vor allem die Annexion der strategischen Jordansenke. Aber das Primat der Politik band und bindet Netanyahu die Hand.
  • Auch in der F-35-Debatte setzte sich Netanyahu durch. Er argumentiert, Israel halte mit Bahrain und den Emiraten Frieden. Im Gegensatz zum kalten Frieden mit Ägypten und zur angespannten Lage mit Jordanien scheint sich mit den Golfstaaten ein recht warmer Frieden anzubahnen. Prägend sind die Bilder der Flugzeuge, die über Jordanien und Saudiarabien an den Golf fliegen.
  • Darum nahm Netanyahu die 50 F-35 für die Emirate in Kauf.

Der Feind meines Feindes

So sehr Schweizer Medien den USA unter dem Präsidenten Trump immer noch am Zeug flicken, so historisch ist die diplomatische Leistung, welche die Vereinigten Staaten im Nahen Osten vollbrachten.

  • Im Kampf gegen die iranischen Ayatollahs und deren Atomrüstung verschieben die Abraham-Abkommen das Gewicht zugunsten von Israel, Bahrain und den VAE. Selbst die einflussreichste arabische Macht am Golf, die saudische Monarchie – de facto unter dem gewalttätigen Kronprinzen Muhamad bin Salman (MBS) – profitiert von den Friedensverträgen. MBS lässt die Überflüge zu, ohne die Tel Aviv mit Bahrain, Dubai und Abu Dhabi nicht so elegant zu verbinden wäre.
  • Nach Netanyahus Logik sind die VAE nicht mehr ein arabischer Gegner, sondern Verbündete gegen den Todfeind Iran. Der Feind meines Feindes ist mein Freund.
  • Wenn man hört, wie hoch der amerikanische Befehlshaber Europa, der Luftwaffengeneral Tod Wolters, in der Ukraine-Krise die Präsenz von 81 F-35 gegen Russland einschätzt, dann versteht man auch Netanyahus Überlegungen: Die mächtige israelische Luftwaffe führt laufend neue F-35I zu, baut jetzt die dritte Staffel auf und wird in Nevatim im Endzustand über mehrere Stealth-Staffeln verfügen. Die vier Staffeln, welche die VAE nun erhalten, verstärken den Block gegen Iran namhaft.

Unter strenger Beobachtung

In der israelischen Armee beobachten der Generalstab und die Luftwaffe genau, was in Iran einerseits und Bahrain, den VAE, Oman und Saudi-Arabien anderseits geschieht. Das Militär achtet streng auf die israelische Überlegenheit zu Lande, zur See und in der Luft – gegenüber dem Feind, aber auch zu den offenen und stillen Verbündeten.

Die genannten Golfstaaten sind mehrheitlich sunnitisch und fürchten die schiitische Theokratie des allmächtigen Ayatollah Khamenei. Schon einmal legte Iran mit Cruise Missiles und Kampfdrohnen die saudische Erdölförderung lahm. Und ein Gespenst geht um: die Versenkung mehrerer Tanker in der Strasse von Hormuz, die Irans Flotte von Norden her beherrscht. Ein Drittel der Erdöl- und Erdgasproduktion der Welt erreicht den Golf von Oman durch die beiden Fahrrinnen von Hormuz.

Eine unerhörte Entwicklung wäre der erste erfolgreiche Test einer iranischen Atombombe. Irans nukleare Rüstung in 18 dezentralisierten Anlagen, das iranische Vordringen in Syrien, die angestrebte schiitische Landbrücke vom Golf ans Mittelmeer und Israels verdeckter Krieg gegen die Ayatollahs überschatten die gesamte Nahost-Szenerie.

Für den Staat Israel und seine neuen Alliierten am Golf hat die Abwehr der iranischen Bedrohung erste Priorität.

Reaper im Vergleich zu Bayraktar

Neben der F-35-Debatte geht die Lieferung von 18 Reaper-Kampfdrohnen fast unter. Das militärische und ökonomische Gewicht des Kaufes ist indes erheblich. Dem Konzern General Atomics trägt das Placet des Weissen Hauses einen Grossauftrag aus den potenten Emiraten ein. Die VAE ziehen mit anderen Mächten wie der Türkei mindestens gleich; diese setzen erfolgreich die türkische Kampfdrohne Bayraktar TB2 ein, so Aserbaidschan in Armenien oder das al-Sarraj-Regime im libyschen Bürgerkrieg.

Die Bayraktar-TB2-Kampfdrohne der Türken.

Nach übereinstimmenden Militäranalysen trugen die Bayraktar der türkischen Industriellen Özdemir und Selçuk Bayraktar im Armenienkrieg 2020 zu Aserbaidschans Sieg bei. Die Armenier fanden kein Abwehrwaffe gegen die Drohnen. Ebenso unterstützten türkische Bayraktar die Regierungsarmee im Kampf um Tripolis – gegen den aufständischen General Haftar.

Unter Drohnenexperten ist jedoch ebenso unbestritten, dass General Atomics mit der MQ-9-Reaper eine hervorragende Kampfdrohne anbietet. Eine zielgenaue Reaper machte dem iranischen General Qassem Soleimani den Garaus, nachdem dieser den USA in Irak und Syrien zugesetzt und seine Fäden auch im Yemen gezogen hatte. Als Rakete setzten die Amerikaner beim Soleimani-Anschlag am 3. Januar 2020 die Hellfire ein.