BISS EXCLUSIV – Kriegskosten 420 Mio. $

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Einschlag eines isr. Geschosses in Gaza-Stadt (braun, Bildmitte).

 

 

In Israel übernimmt Brigadegeneral Amir Lazar, F-16-Pilot mit Fallschirmbrevet, Chef der Luftwaffendivision, verantwortlich für die Operationen im offiziell beendeten Krieg, immer mehr die Rolle des Armeesprechers (analog zum Schweizer Brigadier Raynald Droz 2020 im ersten Lockdown).

Brigadegeneral Amir Lazar, Chef Operationen der israelischen Luftwaffe (IAF).

Lazar redet am israelischen Fernsehen mit der Autorität des Kampffliegers, der im vierten Gazakrieg auch Details der israelischen Kampfführung prägte und kennt. Seine folgenden Aussagen in einer Sondersendung des Militärmagazins “Strictly Security” widersprechen Angaben, die heute in der Schweizer Presse zu lesen sind.

Wir publizieren Brigadegeneral Lazars Aussagen aus dem Interview in unserer Übersetzung im Wortlaut. Die Leserinnen und Leser bilden sich, wie immer, ihre eigene Meldung zu einem Konflikt, der überhaupt nicht entschärft wird und uns noch lange immer wieder auch militärisch beschäftigen wird.

 

Aussage 1: 100 Kilometer Tunnels zerstört

In der heutigen NZZ heisst es, Israel habe das Kriegsziel der Tunnel-Zerstörung verfehlt. Dem steht die Aussage von Brigadegeneral Lazar gegenüber: “Wir zerschlugen die unterirdische Anlage der Hamas. Wir zerstörten 100 Kilometer Tunnels. Die Operation dauerte 30 Minuten und war ein voller Erfolg. Sie basierte auch auf der vorzüglichen Arbeit unseres Inlandgeheimdienstes Shin Bet (Shabak). Das Marine-, Panzer- und Artilleriefeuer unterstützte uns nachhaltig.”

Aussage 2: 400 getötete Terroristen, davon 38 Chefs

Mit Zahlen ist es im Orient so eine Sache. Überhaupt nicht zu trauen sind den Opferzahlen, die das sog.”Gesundheitsministerium” von Gaza elf Tage lang mit schöner Regelmässigkeit anwachsen liess. Eindeutig gibt es keinen Staat Gaza, der Ministerien unterhält. Und alles, was aus Gaza verlautet, wird peinlich genau von Hamas kontrolliert und erst dann von Hamas verbreitet.

Gleichermassen sind alle “Amtsstellen” in Hamas-Hand, auch das vermeintliche “Gesundheitsministerium”, so es denn ein solches gäbe. Eines erstaunt nach elf Kriegstagen: Die Schweizer Medien nahmen die Zahlen, die Hamas verbreitete, für bare Münze. Keine Redaktion fragte, woher die Zahlen kommen und wer sie erfand.

Ebenso ist in der Schweizer Presse zu lesen: Israel schaltete 200 militärische Gegner aus, davon 25 Chefs. Dazu gab Amir Lazar andere Zahlen bekannt:

  • “Wir töteten rund 400 Terroristen, die Mehrzahl Hamas, aber auch eineMinderheit Islamischer Jihad.
  • Unser Enthauptungsschlag kostete 38 militärischen Kommandanten das Leben. Dazu lagen vom Shin Bet a.o. präzise Aufklärungsergebnisse vor. Das Gros der Getöteten bilden Hamas-Chefs. Beim Islamischen Jihad schalteten wie den obersten Militärkommandanten aus. Der Hamas-Chef Hamas-Chef Mohammed Deif scheint überlebt zu haben.”

Aussage 3: Krieg kostet 410 Mio $

Gemäss Amir Lazar kostet der 11-Tage-Krieg die israelische Armee rund 420 Millionen $: “Der Hauptbetrag fällt auf die Luftwaffe, die zusammen mit der Marine und Panzer- und Artillerieverbänden des Heeres eindeutig die grösste Last trug: Der neue Gazakrieg geht als Luftkrieg in die Geschichte ein. Man beachte den Tagesvergleich mit den bisherigen Gazakriegen. Die Tageskosten errechnen sich aus Gesamtkosten geteilt durch Anzahl Kriegstage:

  • 2008/09 Operation “BLEIGUSS”: 15 Millionen $ pro Tag
  • 2012: Operation “WOLKENSÄULE”: 18 Millionen $ por Tag
  • 2014: Operation “SCHUTZWALL”: 24 Millionen $ pro Tag
  • 2021: Operation”MAUERWÄCHTER”: 38 Millionen $ pro Tag

Warum stiegen die Tageskosten in den sieben Jahren seit 2014 derart an? Die 38 Millionen $ pro Tag kommen vom starken Einsatz von Präzisionswaffen.”

Dazu lohnt sich ein Blick auf das Arsenal der IAF an luftgestützten Waffen:

  • Luft-Boden-Raketen:
    • Rafael Popeye / Popeye Lite / Popeye Turbo
    • IMI Delilah
    • Spice
    • NTD
    • MSOV
    • TALD / ITALD (Täuschflugkörper)

Luft-Boden-Rakete IMI Delilah.

Delilah von Israel Military Industries.

Wegen dem Gebot, den Kollateralschaden möglichst zu minimieren, gelangten vom 10.–20. Mai 2021 weitgehend die teuren Luft-Boden-Raketen Popeye, Delilah und Spice zum Einsatz. Das führte zu den erheblich gestiegenen Kriegskosten, zusammen mit der Tatsache, dass die ersten drei Gazakriege nicht derart Luftwaffen-lastig waren wie der Krieg von 2021.

  • Freifallbomben:
    • IAI „Griffin“ (Lenksatz für Mk.83/84 LDGP)
    • IMI ATAP (Streubombe)
    • GBU-31/32 JAM
    • GBU-39 SDB
    • GBU-28 Bunker Buster
    • GBU-15
    • GBU-10/12/16 „Paveway II“ LGB

Die billigen “dummen” Freifallbomben kamen wenig zum Einsatz. In den ersten drei Gazakriegen lag ihr Anteil höher.

  • Luft-Luft-Raketen:
    • Raytheon AIM-9 Sidewinder
    • Raytheon AIM-120 AMRAAM
    • Raytheon AIM-7 „Sparrow“
    • Rafael „Python 4/5
    • Rafael Derby
    • Rafael Black Arrow (Flugkörper als Übungsziel)

Weil weder Hamas noch Islamischer Jihad über eine Luftwaffe verfügen, wurden wenige Luft-Luft-Raketen verschossen.

Weltweit eine der modernsten Luftwaffen

Die Ausrüstung der IAF gehört zu den modernsten weltweit. Dennoch gelang es in den elf Kriegstagen vom Mai 2021 nicht, das ganze Raketenarsenal von Hamas und Islamischem Jihad auszuschalten.
Die Flugzeuge kommen hauptsächlich aus amerikanischer Fabrikation. Die Flugzeuge werden von der Israel optimiert. Durch die vorgenommenen Modifikationen konnten Leistungssteigerungen erzielt werden, so hat der Jagdbomber F-16I eine grössere Reichweite und eine höhere Rüstmasse als die amerikanische Version.

F-16-Jagdbomber in Hatzerim (Negev)..

Kampfflugzeuge

  • 127 × Lockheed-Martin F-16C/D Block 40 (israelische Bezeichnung „Barak“, hebr. für „Blitz“)
  • 97 × Lockheed-Martin F-16I Block 50/52 (israelische Bezeichnung „Sufa“, hebr. für „Sturm“)
  • 36 × McDonnell Douglas F-15C/D Eagle (israelische Bezeichnung „Baz“, hebr. für „Falke“)
  • 25 × McDonnell Douglas F-15I (israelische Bezeichnung „Ra’am“, hebr. für „Donner“)
  • 27 × Lockheed Martin F-35I (israelische Bezeichnung „Adir“, hebr. für „Der Mächtige“, insgesamt 75 bestellt, weitere geplant[4])

Transportmaschinen

  • 11 × Lockheed C-130E/H „Karnaf“ („Hercules“)
  • 4 × Lockheed KC-130H „Karnaf“ („Hercules“, Tanker für Hubschrauber)
  • 6 × Lockheed C-130J „Samson“ („Super Hercules“ sowie zwei weitere bestellt)[5]
  • 22 × Raytheon-Beech King Air 200 „Tsofit“
  • 9 × Boeing 707 „Re’em“ (Tanker)

Elektronikflugzeuge

  • 2 × Gulfstream G550 „Aitam“ (dient als „Conformal Airborne Early Warning“-Flugzeug)
  • 3 × Gulfstream V „Shavit“ (dient als SIGINT-Flugzeug)
  • 6 × Raytheon-Beech RC-12D/K „Railguard“ (israelische Bezeichnung „Kookiya“)

Drohnen

  • IAI Heron-TP / „Eitan“
  • IAI Heron / „Shoval“
  • Elbit Hermes 450S „Zik“
  • 2 × Elbit Hermes 900

Kampfhubschrauber

  • 17 × Boeing AH-64A „Peten“ (einige wurden zu „Sharaf“ umgerüstet)
  • 21 × Boeing AH-64D-I „Sharaf“

Mehrzweckhubschrauber

  • 10 × Sikorsky UH-60A „Yanshuf I“ (gebrauchte UH-60A der U.S. Army)
  • 15 × Sikorsky S-70A-50 „Yanshuf II“
  • 24 × Sikorsky S-70A-55 „Yanshuf III“ (fabrikneue UH-60L)
  • 18 × Sikorsky CH-53A „Yasʾur 2000“
  • 5 × Eurocopter AS 565MA „Atalef“
  • 34 × Bell 206 Jet Ranger / Bell 206 Long Ranger „Saifan“ oder „Saifanit“

 Nukleare Boden-Boden-Raketen

Die IAF betreibt folgende Raketen, die mit Nuklearsprengköpfen bestückbar sind, was aber von Israel nicht kommentiert wird:

  • Jericho 1 (Reichweite 500 km)
  • Jericho 2 (Reichweite 1’500 km)
  • Jericho 3 (Reichweite 3’500 bis 11’500 km)

Gaza: “Inspektion” eines israelischen Geschosses.