BISS – Eine Lanze für zwei neue Panzerbrigaden

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“NEPTUN”-Manöver der Pz Br 11 im Thurtal.

In der heutigen “NZZ am Sonntag” brechen Ständerat Thierry Burkart und Major i Gst Erich Muff Lanzen für die Schweizer Panzertruppe. Burkart präsidiert die FDP Schweiz und die Allianz Sicherheit Schweiz, Muff die Schweizer OG Panzer.

Erich Muff fordert explizit: “Die Reaktivierung aller 96 Leopard ist eine dringende Notwendigkeit. Zu lange standen finanzpolitische Überlegungen im Vordergrund.” Damit erhebt er eine berechtigte Forderung.

Abbau, immer nur Abbau

In mehreren Schritten reduzierte die Bundespolitik im Zeichen der unsäglichen “Friedensdividende” die Schweizer Panzertruppe zu einem Skelett.

  • Noch die Armee 61 hatte die drei Mech Div 1, 4 und 11. Das waren feuerstarke, hochmobile Panzerdivisionen mit je zwei Pz Rgt, einem Mot Inf Rgt und einem Art Rgt plus die Unterstützungstruppen.
  • Der Bestand der Panzertruppe wurde mit der Armee 95 auf fünf Panzerbrigaden abgebaut.
  • Noch krasser erging es den schweren Waffen in der Armee XXI. Bei den Panzern blieben die Pz Br 1 und 11 übrig, bei der Artillerie die vier Abt 1, 10, 16 und 49. Mit der WEA wurden die Pz Br zu Mech Br, die Pz Bat 17, 18, 14 und 29 zu Mech Bat, nur die Pz Bat 12 und 13 durften Pz Bat bleiben, auch wenn sie mit den Mech Bat völlig identisch sind.
  • Die Mech Br 4 ist beim besten Willen und ungeachtet ihrer tüchtigen Kader keine Panzerbrigade. Sie umfasst zwei Aufkl Bat, zwei Art Abt, das Pont Bat und ihr Stabsbat. Von Panzerkriegführung keine Rede!
  • Zur Einmottung der Leopard-2 war in der Presse zu lesen, an “einem hochgeheimen Standort” in der Ostschweiz seien 100 Panzer eingelagert. Major i Gst Muff spricht nun von 96 Kampfwagen (mit dem Geheimnis ist es übrigens nicht so weit her, jeder Appenzeller, jeder St.Galler, jeder Thurgauer, der ein Sturmgewehr von einem Regenschirm unterscheiden kann, weiss, wo die Panzer lagern).

Leopard-2 nach der Murg-Überquerung auf der Grossen Allemd Frauenfeld.

Vier Panzerbrigaden wären das absolute Minimum

  • Als in der Zeit der Armee XXI die Panzertruppe komplett “zusammengescheitet” wurde, erhoben junge Panzeroffiziere Protest. Unter Führung von Hptm Stefan Bühler, Kdt Pz Kp 12/1, inzwischen bekannt auch als Autor erfolgreicher Panzerbücher, suchten sie eine dritte Panzerbrigade zu retten.
  • Sie entwarfen einen eigenen Plan und zeigten auf: Mit den vorhandenen Mitteln ist die dritte echte Panzerbrigade zu alimentieren.
  • Ihr Vorstoss wurde in einer Fachzeitschrift zur Debatte gestellt, aber er scheiterte. Die “falsche” Panzerbrigade 4 blieb bestehen – ein Bundesberner Etikettenschwindel. Die jungen Panzerkommandanten fanden zu wenig politische Unterstützung, obwohl das eidg. Parlament drei richtige Panzerbrigaden verlangt hatte.

Basel und Kreuzlingen

In Stabsübungen untersuchten Panzerformationen die Kampfkraft der Panzerbrigaden an Simulationen zu den besonders gefährdeten Grenzstädten Kreuzlingen und Basel, beide an exponierten Rheinstellungen.

  • Im Fall der Ballung Konstanz–Kreuzlingen erwies sich: In ihrer alten Konfiguration mit dem Inf Bat hatte die damals zuständige Panzerbrigade die Kraft, die vom roten Gegner besetzte Stadt Kreuzlingen von Westen her zu entsetzen. Mit zwei Pz Bat in Front, links und rechts der Kantonsstrasse Tägerwilen–Kreuzlingen, dem dritten Pz in Reserve, dem Inf Bat im Häuserkampf und der Art Abt zur Flankendeckung wäre der Entsatz gelungen.
  • Die Untersuchung wurde buchstäblich bis zum letzten Schachtdeckel geführt, war von Anfang an kritisch angelegt und ist valabel.
  • Zu Basel wurde der massierte rote Panzerangriff von Mulhouse her angenommen. Der Gegner wollte die Stadt am Rheinknie in Besitz nehmen. Hier fiel das Ergebnis weniger positiv aus als in Kreuzlingen. Es erwies sich als fraglich, ob eine einzelne Schweizer Panzerbrigade den konzentrierten roten Angriff hätte aufhalten können. Es wurde erwogen, die Abwehr mit einer zweiten Panzerbrigade zu verstärken.
  • Nur: Die Schweiz hatte und hat nur noch zwei “Panzerbrigaden”, wie immer sie auch heissen. Allein schon der Fall Basel hätte beide gebunden. Den Rest kann jeder selber denken. Honi soit qui mal y pense.

Nur mit Panzergrenadieren

Umso berechtigter ist Major i Gst Muffs Forderung, alle 96 Leopard-2 seien zu entmotten. Mit diesen Kampfpanzern liesse sich das Rückgrat zweier zusätzlicher Panzerbrigaden aufstellen. Der guten Ordnung halber ist anzumerken:

  • Wie der Ukrainekrieg zur Genüge beweist, haben die russischen T-72, T-80 und T-90 nur dann Erfolg, wenn sie im Kampf der verbundenen Waffen vorgehen. Will heissen: auf den Flanken geschützt von Panzergrenadieren oder Infanterie. “Artrein” eingesetzt werden sie von RPG-7-, Javelin- und NLAW-Schützen abgeschossen.
  • Diese Kriegserfahrung ist auf die Schweiz zu übertragen. Wenn wir die 96 Leoparden reaktivieren, dann müssen wir beachten: Auch die Panzergrenadiere mit ihren bewährten schwedischen Schützenpanzern CV-90 von Hägglunds bedürfen ihrer Fahrzeuge und Waffen in genügender Zahl.
  • Bei den “irgendwo in der Ostschweiz” eingemotteten Leopard-2 handelt es sich um den ursprünglichen Panzer 87, den Leo 2A4. Von den ursprünglich gelieferten 380 Panzern wurden nur 134 aufgewertet und mit dem Zusatz WE (Werterhaltung) versehen. Sollten wir 96 Panzer entmotten, müssten wir sie aufrüsten.

Zur personellen Aufstockung

Überdies ist personell festzuhalten:

  • Als am 27. Februar 2022, drei Tage, nachdem Präsident Putin den Angriffsbefehl erteilt hatte, bürgerliche Politiker die Aufstockung der Schweizer Armee von 100’000 auf 120’000 Mann forderten, erinnerten in Bern hochrangige Offiziere postwendend daran, dass die Bestandeserhöhung nicht aus dem Ärmel zu zaubern ist. Namentlich der jährliche Verlust von über 6’000 jungen Schweizern an den Zivildienst gefährdet die personelle Alimentierung der Armee akut.
  • Darum ist in der “Dienstpflicht”-Debatte dringend das Modell Wehrpflicht durchzusetzen. Es legt den Zivilschutz und den Zivildienst zusammen und gibt der Armee in der Aushebung wieder Priorität. Wir treffen mehrere Fliegen mit einem Schlag.

Das waren noch Zeiten: Leopard-2 auf gemähtem Stoppelfeld bei Siegershausen.