BISS – Dussey NDB-Chef: eine gute Wahl

Standard

 

 

 

Botschafter Dussey übernimmt den Schweizer Geheimdienst NDB am 1. April 2021.

 

Siehe auch > Geheimdienst – Botschafter Dussey neuer Chef

“Spät kommt ihr, doch ihr kommt”, möchte man mit dem Grafen Ottavio Piccolomini in Schillers Wallenstein ausrufen.

Gerade noch rechtzeitig vor Martini wählte der Bundesrat  den unbestrittenen Botschafter Christian Dussey zum neuen Schweizer Geheimdienstchef. Für den aus Crans-Montana stammenden Garagistensohn Dussey schliesst sich der Kreis. Nach dem Wirtschaftsstudium in Fribourg begann er seine Laubahn beim damaligen Strategischen Nachrichtendienst, dem für das Ausland zuständigen SND, der das Gegenstück zum Inlandgeheimdienst DAP bildete.

Am 1. Januar 2010 fusionierten der SND und der DAP zum Nachrichtendienst des Bundes, zum NDB. Die Heirat ging nicht ohne Misstöne über die Bühne. Die Akademiker im SND und der polizeilich geprägte DAP mussten sich zuerst einmal zusammenfinden. Auch Mimosen sind unter Dach von Geheimdiensten recht zahlreich, was die Führung nicht gerade erleichtert..

In seinen fünf Jahren beim alten SND lernte der Walliser Dussey das geheimdienstliche Handwerk von der Pike auf. Seine damaligen Vorgesetzten stellen ihm fachlich und charakterlich ein gutes, einwandfreies Zeugnis aus.

“Gelber” Generalstabsoffizier

Dussey ist wie sein Vorgänger Jean-Philippe Gaudin Panzeroffizier. Als “Gelber” erhielt er während seiner SND-Zeit den Vorschlag in den Generalstab. Die entsprechenden Kurse bestand er dann schon als Diplomat, nachdem er vom Geheimdienst ins EDA übergetreten war.

In der Diplomatie machte er eine tadellose Laufbahn, die am 1. August 2013 ins Direktorium des Genfer Zentrums für Sicherheitspolitik mündete.

Hier kam ihm seine geheimdienstliche Ausbildung sehr zugute. In seinen sieben Genfer Jahren vertiefte er seine Reputation als kompetetenter Sicherheitsexperte und Chef mit solider sozialer Kompetenz.

Verlust für das EDA

Für das EDA ist der Weggang von Botschafter Dussey ein Verlust. Erst am 11. Dezember 2020 ernannte der Bundesrat den erfahrenen Diplomaten Dussey zum Botschafter in Teheran.

Der Posten in der Islamischen Republik gehört zu den schwierigsten im ganzen Schweizer Diplomatenkorps. Aber auch im Reich der Ayatollahs behauptet sich Dussey gut. Im EDA wird sein Wechsel per 1. April 2022 bedauert.

Bundesrätin Amherd hat zu guter Letzt “den Rank doch noch gefunden.” Lange geisterten Frauennamen durch die Berner Gerüchteküche:

  • Pälvi Pulli, im VBS Chefin Sicherheitspolitik,
  • Nicoletta della Valle, die Direktorin Fedpol im EJPD,
  • Monica Bonfanti, Polizeikommandant von Genf.

Sie alle sollten die Nachfolge des charismatischen Panzerinstruktors und Divisionär Gaudin antreten. Aber der ruppige Abgang des fähigen, führungsstarken Militärs Gaudin und Tatsachen aus dem NDB wirkten nicht gerade attraktiv.

So wird der Dienstweg neuerdings oft übergangen. Namentlich junge Frauen frisch von der Universität lehren ihr Herz direkt bei der obersten Chefin aus. Diese Direttissima stösst altgedienten Kadern sauer auf; sie wissen noch, wie wertvoll der Dienstweg ist.

Headhunter und Findungstruppe

Dann zog Viola Amherd allerlei Auxiliartruppen bei, einen Zürcher Headhunter und die fünfköpfige, politisch austarierte Findungskommission. Das kostete nochmals Zeit und trug Kritik ein.

Von einer hochgestellten Berner Persönlichkeit ist der Wunsch verbürgt, Bundesrätin Amherd möge endlich “eine katholische Frau aus der CVP Brig und dem FC Turtmann” ernennen.

Doch nun pfiffen die Spatzen den Namen eines anderen Walliser Diplomaten vom Dach des Bundeshauses Ost:

  • Jacques Pitteloud, Botschafter in Washington, sollte es richten. Auch er ist, wie Gaudin und Dussey, “gelber” Generalstabsoffizier.
  • Und er machte seine Laufbahn vorrangig im SND und kurz als Nachrichtenkoordinator, bevor ihn der Bundesrat zum Botschafter in Nairobi, der Hauptstadt von Kenia, ernannte.

Nun aber ist die Chefin des VBS in Teheran fündig geworden. Ende gut, alles gut.