BISS – Die Wahrheit zur Gepard-Munition

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Der Gepard-Fliegerabwehrpanzer.

Deutschland liefert der Ukraine mehrere Dutzend ausrangierte Gepard-Fliegerabwehrpanzer. Wie so vieles, was sich seit dem 24. Februar 2022 in Berlin abspielt, ist alles hochpolitisch. Pazifisten werden zu glühenden Anhängern des Ukrainers Selensky, dem sie kein Waffenbegehren abschlagen. Der Kanzler Scholz, der zur Vorsicht mahnt, wird im Bundestag mit 586 zu 100 Stimmen überfahren. Aber militärisch hat die Sache mehrere Haken – allen voran die Kalamität, dass die Bundeswehr für den vor zwei Jahrzehnten eingemotteten Panzer längst keine Munition mehr hat.

Da kommt Bern ins Spiel. Die 35-mm-Munition für den Gepard wurde in der Schweiz gefertigt. In Katar lagern noch rund 100’000 Schuss. Selbst wenn Katar wollte, braucht das Emirat für die Lieferung an die kriegführende Ukraine das Schweizer Placet. Und da fängt die Crux an: Nach eidgenössischem Recht darf Katar die Munition nur weitergeben, wenn Bern einverstanden ist. Aber das Schweizer Neutralitätsrecht verbietet Lieferungen an Nationen, die Krieg führen.

Nun wird versucht, vor allem von den Mitte-Politikern Pfister und Bregy, via Notrecht die Lieferung gegen das Neutralitätsrecht durchzudrücken. Wie ist das militärisch zu bewerten?

Zangengeburt und Zeitgenossen

Wie fast alle deutschen Rüstungsvorhaben war auch der Gepard eine Zangengeburt. Oerlikon Bührle und dann Oerlikon Contraves spielten eine tragende Rolle. Die Deutschen übertrugen die Entwicklung zur Serienreife des Gesamtsystems nach Zürich: an Oerlikon. Partner waren Krauss-Maffei, Blohm+Vos, Siemens-Albis und Wegmann.

Aus jenen Jahren leben noch etliche Zeitzeugen. Es gab Schweizer Ingenieure, die als Instruktoren mehrere Jahre in Deutschland Bundeswehrkader in die Handhabung des Gepards einführten. Sie kannten den Gepard wie keine anderen – und sie beobachten das, was sich jetzt ereignet, höchst aufmerksam; und kommen zu ernüchternden Schlüssen:

  • Die Lieferung von mehreren Dutzend Gepard nach Kiew ist ein reines Politikum. Sieht man von der Helikopter-Bekämpfung ab, ist der Gepard längst überholt und wertlos geworden. Nicht umsonst rangierten ihn Deutschland, Belgien und die Niederlande zu Beginn des 21. Jahrhunderts aus (wie gesagt, ohne Munition zu lagern).
  • Gegen moderne Flugzeuge taugt der Gepard nichts. In West und Ost löste ihn eine neue Waffengeneration ab. Die Russen entwickelten ihren Pantsir-S1, einen Panzer, der Kanonen- mit Raketen-Flab verbindet. Er schirmt Panzerverbände im Vormarsch ab, dient aber auch als Objektschutz.
  • Der Gepard ist ein veraltetes Westsystem. Die Ukrainer sind an Waffen aus dem Kalten Krieg gemäss Sowjetstandard geschult. Konservativ geschätzt, kommen Experten für die Einzel- und Verbandsausbildung auf ein Vierteljahr: “Es dauert Monate, bis die Ukraine den Gepard als Formation einsetzen kann.” Zudem muss Deutschland ältere Instruktoren rekrutieren, die den Gepard samt seinem mitfahrenden Radar kennen und einführen können.
  • Der langen Rede kurzer Sinn: So wie Berlin nun offenbar den mittleren Helikopter CH-47 Chinook als schweren Hubschrauber anschaffen will, diktiert beim Gepard allein die politische Hektik den Entscheid. Dass der Gepard auf dem Gefechtsfeld nicht mehr genüg, ist bekannt. Dass die Genehmigung zur Munition Bern erteilt oder verweigert, das jedoch wurde zu spät erkannt.

Nun auch noch das Neutralitätsrecht beerdigen?

Mutwillig zerstörte der Bundesrat am 27. Februar 2022 unter dem Druck des blau-gelben Hypes die Schweizer Neutralitätspolitik. Es ist unfassbar: In Istanbul schwingt sich der Islamist, Kurdenmörder und Kriegstreiber Erdogan zum Friedensfürsten auf. Genf, der Ort, an dem Frieden geschlossen und Humanität umgesetzt wurde und wird, die Stadt, die Biden und Putin noch am 16. Juni 2021 perfekt beherbergte – Genf ist aussen vor.

Da stellt sich die Frage: Wollen wir nun auch noch unser Neutralitätsrecht beerdigen? Wegen eines Waffensystems, das unter politischem Hochdruck als Danaergeschenk nach Kiew wandert und an der Front sehr wenig bringt?