BISS – Die Schweiz braucht Kampfdrohnen

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Den Karabachkrieg vom Herbst 2020 entschied Aserbaidschan nicht zuletzt dank türkischer TB-2-Drohnen für sich. Hätte es noch eines Beweises für die Wirkung der Kampfdrohnen bedurft, so liefert ihn jetzt der Ukrainekrieg. Noch in der Nacht zum 24. Februar 2022 flogen türkische A-400M-Frachter Bayraktar-Drohnen nach Kiew. Schon in der Schlacht um Kiew schlug die Ukraine mit den Kampfmaschinen zu.

Es stimmt: Bayraktar-Erfolge lassen sich plastisch vermarkten. Die TB-2 nimmt das Objekt der Begierde ins Visier, zeigt den Abschuss und filmt den Volltreffer – der Traum eines jeden PR-Chefs. Aber eines ist nicht zu übersehen: Kampfdrohnen verändern das Gefechtsfeld, Kampfdrohnen waren in Bergkarabach wirksam, Kampfdrohnentreffen treffen jetzt auch im Donbass Panzer und Nachschubkolonnen.

Dabei waren die TB-2 nicht einmal die ersten unbemannten Kampfmaschinen am Himmel. Israels Luftwaffe eliminiert seit Jahren Terroristen in Gaza, in Syrien und im Südlibanon. Die USA steuern Drohnen, die auf der halben Welt Tod und Verderben sähen, teils von Nevada aus. Am 3. Januar 2020 tötete am Flugplatz Bagdad eine MQ-9 Reaper den Generalmajor Qassem Soleimani, Irans fähigsten Offizier.

Musterschüler Schweiz

Wie im Informationskrieg gebärdet sich die Schweiz in Sachen Kampfdrohnen als Musterschüler. Im Information War will sie nur defensiv handeln; offensive Aktionen gegen feindliche Staaten und Terrorbanden schliesst sie aus. Den gleichen Fehler begeht das VBS, wenn es jetzt mitteilt, bewaffnete Drohnen seien kein Thema.

Was im Kampf um die Köpfe und Herzen falsch ist, mutet im Kampf der Drohnen unverzeihlich an. Auf dem Gefechtsfeld begibt sich die Schweizer Armee einer Waffe, die nun sogar das obersensible Deutschland beschafft. In einem SVP-Dokument verlangen Ständerat Werner Salzmann und die Nationalräte Thomas Hurter und Mauro Tuena die “rasche Einführung bewaffneter Drohnen”. Hurter, Hauptmann, Militär- und SWISS-Pilot: “Mit Kampfdrohnen lässt sich mit relativ geringem Mitteleinsatz eine sehr grosse Wirkung erzielen.”

Recht hat er, und Recht gibt ihm der FDP-Nationalrat Matthias Jauslin, Chef des Aero Clubs Schweiz: Kampfdrohnen erzielten eine sehr hohe Wirkung, ohne das Leben des Piloten zu gefährden. Das VBS müsse die Beschaffung ernsthaft prüfen.

Offensiv und defensiv

Die Bestätigung liefert Nationalrätin Priska Seiler Graf (PSG). Wenn sie gegen eine Waffe antritt, dann können wir sicher sein: An dieser Waffe ist was dran. Seiler Grafs Begründung führt unsere Armee ad absurdum. Bewaffnete Drohnen seien ein Offensivmittel und verstössen gegen den Grundsatz der Verteidigung. Wumm! Da können wir unsere Armee gleich ganz abschaffen, wie das Seiler Grafs Partei verlangt:

  • Ob nun eine M-109-Batterie den feindlichen Gefechtsstand zerschlägt oder die Luftwaffe oder eine Kampfdrohne, das ist Hans was Heiri. Ob dieser Schlag offensiv oder defensiv ist, spielt keine Rolle. Hauptsache, er schaltet den Gefechtsstand aus.
  • Ob eine Drohne die gegnerische Kolonne zum Stillstand bringt oder ob diese in unseren Hinterhalt rasselt, ist irrelevant. Kein Zweifel: Die Drohne greift an, sie agiert offensiv. Aber gleich zu deklarieren, Kampfdrohnen “passten” nicht zu unsere Armee, das ist Nonsens: PSG schlägt eine Türe zu, die offen bleiben muss.
  • Und wir das mit den Gegenschlägen und Gegenstössen, deren Unterschied in Zentralschulen die Taktiker Ochsner und Blumer so brillant zu dozieren pflegten? Ginge es nach PSG, hätten die Panzergenerale taktische Aktionen gelehrt, die mit dem defensiven Charakter unserer Armee unvereinbar gewesen wären.

Das Kernproblem ist aber nicht die Begleitmusik von PSG. Das Kernproblem liegt im VBS. Im Kriegsjahr 2022 darf es nicht mehr sein, dass das Departement Kampfdrohnen nicht einmal prüfen will. “Kein Thema”, das ist keine Antwort.

Wer so argumentiert, steckt den Kopf in den Sand.