BISS – Der Spähpanzer Scimitar – mit Familie

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Lettischer Scimitar.

 

Es folgt eine Trouvaille für Aufklärer und Panzerkenner. Der Text stammt wieder von unserem Korrespondenten Hagen Seehase. Der Autor schildert die Erfolgsgeschichte der britischen Scimitar-Familie, die er der Kategorie Spähpanzer zuordnet.

 

Von Hagen Seehase

Der Autor dieser Zeilen konnte sich während eines NATO-Herbstmanövers selbst von der ungeheuren Wendigkeit und Geländegängigkeit der leichten Panzer der Fahrzeugfamilie der Combat Vehicles Reconnaissance (Tracked) überzeugen. Besonders die grosse Geschwindigkeit (die Angabe in der Heeresdienstvorschrift und in der ganzen Literatur zum Thema lautet rund 80km/h, das ist allerdings stark untertrieben, die CVR-T fuhren fast allen anderen Militärfahrzeugen davon).

Eine der erfolgreichsten Entwicklungen des britischen Panzerbaus der Nachkriegszeit konnte sich auf dem Schlachtfeld und auf dem Exportmarkt bewähren.

An den Verbündeten Lettland

Und auch heute gehören die Fahrzeuge nicht zum alten Eisen (bzw. Aluminium, aus dem die Panzerung gefertigt ist). Rund 120 Fahrzeuge der Typen Scimitar, Sultan, Samaritan, Samson und Spartan wurden generalüberholt an den NATO-Verbündeten Lettland geliefert, mit Anschlussaufträgen ist zu rechnen. 116 stark überholte Fahrzeuge befinden sich derzeit im Einsatz bei der baltischen Armee, dazu kommen sieben für Ausbildungsaufgaben. 82 zusätzliche Fahrzeuge sind bestellt, die Auslieferung wird 2022 erfolgen.

Aufgrund einer militärischen Forderung des britischen Heeres entwickelte Alvis ab 1968 die Fahrzeugfamilie, ab 1970 standen acht Prototypen im Truppenversuch. Um den Jahreswechsel 1971/72 begann die Serienfertigung, über 2100 Fahrzeuge wurden für die britischen Streitkräfte (Armyund Royal Air Force Regiment) gebaut.

Belgien bekam ab 1973 die CVR(T) in der Stückzahl von 701. Spanien kaufte welche für seine Marineinfanterie (17 Scorpion). Weiterer europäischer Nutzer war Irland.

In britischen Diensten.

Das Flaggschiff der CVR(T)-Reihe war der leichte Panzer FV 101 Scorpion, der lange Jahre als Nachfolger des Panzerwagens Saladin das Rückgrat der britischen Panzeraufklärereinheitenbildete. Der erste Kampfeinsatz im Rahmen der britischen Armee erfolgte 1982 im Falklandkrieg. Die Hauptwaffe, eine 76mm-Kanone, zeigte hervorragende Wirkung gegen feindliche Infanterie, ist inzwischen aber zur Panzerabwehr überhaupt nicht mehr geeignet.

Deshalb wurde der Scorpion bei den britischen Streitkräften ausgeschieden: waren 1992 noch 293 Stück vorhanden, 1997 noch 271 Stück, gibt es ihn nun nicht mehr im Rahmen der britischen Truppen. Auch die Belgier und Spanier verwenden ihn nicht mehr, nur die irische Armee nutzte ihn noch bis 2017. Grund für diese Entwicklung dürfte auch einer der Nachteile der Bordkanone gewesen sein: die starke Rauchentwicklung im Innenraum.

Abschuss eines T-55

Der Spähpanzer FV 107 Scimitar (dem Scorpion sehr ähnlich konfiguriert) steht noch im Dienste Ihrer Majestät (allerdings gibt es schon ein Nachfolgemodell). Die 30mm-Bordkanone vom Typ Rarden, ist zwar schwierig zu handhaben, aber leistungsfähig. Es können Einzelschüsse und Feuerstösse bis sechs Schuss abgegeben werden. Einem Scimitar (kommandiert von Sgt. Mick Flynn) gelang im Golfkrieg von 2003 sogar der Abschuss eines irakischen T-55-Kampfpanzers.

Die Brauchbarkeit der Rarden-Kanone und die Verfügbarkeit von Wannen und Türmen ausgesonderter Modelle führten zu einer Interimslösung, die allerdings auch schon Geschichte ist.

Während der Scorpion ausgesondert wurde, erlebte auch ein weiteres Fahrzeug seinen Schwanengesang im britischen Truppendienst: der CVR(W) Fox, ungleich dem Scorpion bzw. Scimitar keine sonderlich erfolgreiche oder von seinen Nutzern geschätzte Entwicklung.

Unter amerikanischer Flagge.

Der Turm dieses 4×4 konfigurierten Spähpanzers ähnelte dem des Scimitar, die Waffenanlage 30mm-Rarden war identisch. So wurden ab 1995 die Türme etlicher Fox-Spähpanzer auf Wannen der Scorpion-Spähpanzer gesetzt. Das so entstandene Hybrid-Fahrzeug hieß „Sabre“.

136 Stück liefen in den Aufklärerzügen der britischen Panzerbataillone und der britischen mechanisierten Infanteriebataillone. Während erster Truppenversuche stellten sich Schwächen heraus, neue Rauchmittelwurfanlagen wurden eingebaut, das koaxiale GPMG durch eine L94A1 chain gunersetzt (beide im NATO-Standardkaliber 7,62mm). Die Lukendeckel für Kommandant und Richtschützen wurden durch solche mit Wölbung ersetzt, um größere Kopffreiheit zu gewährleisten. Bei der britischen Armee wurden die Sabre 2004 ausgesondert, andere Nutzer gab es nicht.