BISS – Der “Honey” M3/M5 Stuart

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Wieder für Aufklärer und Panzerfreunde, aber auch alle anderen an der Militärgeschichte Interessierten, ein Text unseres Korrespondenten Hagen Seehase – zum legendären leichten Panzer M3/M5 Stuart, benannt nach dem konföderierten Kavalleriegeneral James Stuart.

Der M3/M5 Stuart spielte im Zweiten Weltkrieg nicht nur in den westalliierten Reihen eine tragende Rolle. Die USA lieferten der Roten Armee insgesamt 1’676 M3 und fünf M5. Diese gelangten an der Ostfront gegen die Wehrmacht zum Einsatz. Die Deutschen erbeuteten einige M3 und führen diese in der Sturmgeschützabteilung 197 ins Gefecht.

 

Vom „Honey“ zum „Elefante Dundum“: der M3/M5 Stuart

Von unserem Korrespondenten Hagen Seehase

Portugal erwarb 1956 aus kanadischen Beständen zu einem günstigen Preis 90 M5 Stuarts (vermutlich überwiegend oder alle M5A1). Die meisten waren Baujahr 1943.

1967 waren zwei im Bestand des Regimento de Cavalaria 6 (RC6), drei im Bestand der Kriegsakademie, 20 im Bestand der „Guarda Nacional Republicana“ und 65 standen im Depot von Beirolas. Von letzteren waren 13 einsatzfähig, man wählte die besten sieben aus für einen Einsatz in Übersee. Letztlich wurden nur drei überholt und am 26. September 1967 auf der „Beira“ nach Angola verschifft.

Sie waren schon alt, liefen aber zuverlässig. Man nannte sie „Gina“ (ME 08-77), „Licas“ (ME 07-70) und „Milocas“ (ME 08-98). Sie wurden im Norden Angolas gegen die Aufständischen der FNLA eingesetzt, die die drei alten Kampfmaschinen „Elefante Dundum“ nannten. Zumeist wurden die Stuarts zur Konvoisicherung verwendet, aber auch zu offensiven Aktionen gegen Stellungen der FNLA.

Sie operierten im Rahmen eines mechanisierten Kavalleriebataillons („Batalhao de Cavalaria 1927“) von Nambuangongo aus. Sie hatten SCR 528 Funkgeräte, mit denen nicht nur der Kontakt zur Basis gehalten werden konnte, sondern auch zu den F84 der Luftwaffe. Die Bug-MGs wurden ausgebaut und auf dem Turmdach neu installiert.

Milocas wurde durch ein Feuer 1969 (ohne Feindeinwirkung) zerstört, die anderen beiden Fahrzeuge wurden 1972 aus dem Frontdienst herausgenommen, Licas endete 1973 als Bunker auf dem portugiesischen Luftwaffenstützpunkt Zala.

Benannt nach dem konföderierten Kavalleriegeneral im Sezessionskrieg, James Ewel Brown („Jeb“) Stuart, war der M3/M5 ein leichter Panzer der US-Army im Zweiten Weltkrieg. Tatsächlich gingdie Namensgebung auf die britischen Streitkräfte zurück, bei den Amerikanern trugen die Panzer immer nur ihre numerische Modellbezeichnung, also M3, M4 usw.

Im Dienst der US-Army sah der M3 den ersten Kampfeinsatz auf den Philippinen (beim 192thund 194thLight Tank Battalion). Eine kleine Zahl kämpfte auf der Halbinsel Bataan. Als die Amerikaner Ende 1942 auf dem nordafrikanischen Kriegsschauplatz eingriffen, bestanden viele ihrer Panzerbataillone aus Stuarts.

In einigen Gefechten gegen Panzerkräfte der vichyfranzösischen Armee in Marokko konnten sich die Stuarts gut behaupten, ihre Gegner waren aber auch nur veraltete Renault R 35 gewesen.Nachdem die leichten Stuart-Panzer in der Schlacht um den Kasserine-Pass gegen weitaus schwerer gepanzerte und bewaffnete deutsche Panzer nicht hatten bestehen können, löste die US-Army die meisten der leichten Panzerbataillone auf und detachierte jeweils eine Kompanie leichter Panzer (eben Stuarts) zu den mit Shermans ausgerüsteten Panzerbataillonen.

Bis Kriegsende hatten die meisten US-Panzerbataillone neben drei Kompanien mit Shermans noch eine (leichte) Kompanie mit M3/M5-Stuarts, welche zumeist in der Aufklärerrolle verwendet wurden.

Aber auch bei den Aufklärungs- und Sicherungsaufgaben geriet der Stuart ins Hintertreffen und wurde in größerem Umfang dann nur noch auf dem pazifischen Kriegsschauplatz verwendet. Bei den Panzeraufklärern der US Army spielte der Stuart allerdings bis zu seiner schrittweisen Ablösung durch den M24 Chaffee eine besondere Rolle. Nach dem Krieg wurden fast alle Stuarts sehr schnell bei den amerikanischen Streitkräften ausgemustert, einige M5A1 blieben noch im Dienst, so bei den 1/7th Marines, die vier Stuarts zu Selbstfahrlafetten für 105 mm Haubitzen umbauten.

Im Rahmen des Lend-and-Lease-Abkommens erhielten zahlreiche andere Staaten leichte Panzer des Typs M3 und  dann auch M5 geliefert, darunter auch Grossbritannien und Kanada.

Erstmals setzten Commonwealth-Streitkräfte den Stuart in Nordafrika ein. Im direkten Vergleich mit den deutschen Panzertypen  III und IV zeigte sich jedoch, dass die 37mm Kanone des Stuart zu schwach für die Anforderungen des Kampfes Panzer gegen Panzer war. Sie durchschlug die Frontpanzerung der deutschen Panzer erst auf Distanzen deutlich unter 500 m, einer Distanz, auf der sowohl die 50mm Kanone des Panzer III als auch die kurze 75mm Kanone des Panzer IV D die 38 mm starke Frontpanzerung des Stuart durchdringen konnte.

Der Panzerschutz des Stuart war besonders auf dem nordafrikanischen Kriegschauplatz (mit seinen relativ großen Kampfentfernungen) indiskutabel. Die erste Version des M3 hatte auch keinen Turmkorb, und sie besaß außerdem auf dem Turm nur eine Ein- und Ausstiegsluke: diese Mängel wurden mit der Version M3A1 beseitigt. Großer Minuspunkt war die Notwendigkeit, hochwertigen Treibstoff verwenden zu müssen, den der luftgekühlte Sternmotor brauchte.

Der Stuart hatte jedoch auch seine Vorzüge: er war mechanisch zuverlässig, mit rund 60 km/h sehr schnell und beschleunigte gut. Für die 37mm-Kanone war außerdem Sprengmunition vorhanden, die es für die britische Zwei-Pfünder-Kanone nicht gab.

  • Ein Blick auf die Entwicklungsgeschichte: Der M3 Stuart war aus dem leichten Kampfpanzer M2 hervorgegangen, der in den 30er Jahren in den USA entwickelt wurde, und stellte im Grunde eine wesentlich verbesserte Variante des M2 dar.
  • Die Entwicklung begann im Frühjahr 1940 im Rock Island Arsenal unter dem Eindruck der Erfahrungen in den ersten Panzerkämpfen des Zweiten Weltkriegs. Die deutschen Erfolge im Westfeldzug 1940 hatten deutlich gemacht, dass vor allem die Front- und Seitenpanzerung des M2 verbessert werden mussten. Die Dicke der Panzerung betrug 13 mm bis 51 mm.
  • Das Gewicht stieg dergestalt gegenüber dem M2 stark an (auf rund 13,2 bis 14,7 Tonnen je nach Version) und um das erhöhte Gewicht zu verkraften, wurde das Fahrwerk des M2 verstärkt und umkonstruiert. Durch die Verwendung eines neuen großen Leitrades (das auf den Boden abgesenkt war), wurde zudem verhindert, dass bei schnellen Richtungswechseln die Kette abgeworfen wurde – eine Kinderkrankheit des M2.
  • Im Juli 1940 erfolgte die Standardisierung des M3 für die US Armee, und im März 1941 begann bei der American Car & Foundry Co. die Serienproduktion an den gleichen Produktionsstraßen, an denen zuvor der M2 gefertigt worden war. Die ersten Serienmodelle des Stuart besaßen noch einen genieteten Turm und eine genietete Wanne. Ab März 1941 wurde zunächst der Turm durch eine geschweißte Variante ersetzt, beim Typ A3 wurde später auch die Wanne aus miteinander verschweißten Platten hergestellt.
  • Die Bewaffnung bestand aus einer 37mm Kanone im Turm und zunächst fünf (!) Maschinengewehren (Browning Modell 1919) im Kaliber .30-06, wovon eines direkt im Bug, zwei in den Sponsonen links und rechts über der Kette, eines koaxial neben dem Geschütz und ein weiteres am Turm als Fla-MG. Später wurden dann häufig nur zwei oder drei MG eingebaut. Die Kanone des Stuart war (höhen)-kreiselstabilisiert; damit konnte auch während der Fahrt gezielt gefeuert werden, was ein grosser Vorteil war.
  • Die Besatzung betrug vier Mann: Fahrer, Bug-MG-Schütze, Richtschütze und Kommandant. Der Panzerkommandant saß rechts im Turm und fungierte in Doppelfunktion auch als Ladeschütze. Angetrieben wurde der M3 von einem luftgekühlten 7-Zylinder Wright-Sternmotor von Continental mit 262 PS. Aufgrund von Lieferschwierigkeiten wurden in ein ganze Reihe bereits gebauter Panzer (711 Stück) ein 9-Zylinder Dieselmotor von Guiberson eingebaut.

Insgesamt wurden 13859 Stuarts gebaut, der Nachfolgetyp M5 (dem Stuart sehr ähnlich, anderer Motor, Verbesserungen an der Wanne, Automatikgetriebe) brachte es noch auf eine Stückzahl von rund 8000 Stück, davon waren 6810 von der letzten Version M5A1. Dieser hatte zwei V8-Motoren mit jeweils 110 PS und ein Automatikgetriebe mit 8 Vorwärts- und 2 Rückwärtsgängen. M5 und M5A1 wurden von Cadillac Motors, der General Motors Corp., Massey-Harris Co. und der American Car & Foundry Co. produziert. Die Version M5A1 war besonders gut für die Aufklärer geeignet, da der Doppelmotor relativ leise war.

Viele (1681 Stück, bis auf 5 M5 alles M3) wurden an die Sowjetunion geliefert.

Einige ex-sowjetische Stuarts fuhren als Beutefahrzeuge bei der deutschen Wehrmacht, so eine unbestimmte Anzahl bei der Sturmgeschützabteilung 197, die sie u.a. als Schlepper einsetzte. Mindestens ein Stuart-Beutepanzer wurde noch 1944 auf der Ostseeinsel Ösel gegen die vordringende Rote Armee eingesetzt. Auch die Rumänen erbeuteten ein paar Stuarts von der Roten Armee.

Zu den nicht geplanten Nutzern gehörte auch das Kaiserreich Japan, dessen Heer einige 1942 auf den Philippinen erbeutete Stuarts noch zwei Jahre später einsetzte.

Im Rahmen des Lend-Lease-Programms lieferten die USA 707 Stück an die freifranzösischen Truppen. Auch die aus Titos Partisanenbanden hervorgegangene jugoslawische Volksarmee verwendete in den letzten Monaten des Krieges (und in den Nachkriegsjahren) den Stuart (75 von den Briten gelieferte Einheiten). Sehr lange blieb er in einigen lateinamerikanischen Ländern im Dienst, in Brasilien bildete er den Grundstock einer eigenständigen Panzerproduktion.

Die KNIL, die Armee von Niederländisch-Ostindien, hatte kurz vor dem Angriff der Japaner 50 M3 Stuarts in den USA geordert. Allerdings verhinderte der rasche japanische Vormarsch die Auslieferung. 25 der eigentlich der KNIL zugedachten Panzer trafen im März 1942 auf dem niederländischen Frachter MV Tosari in Australien ein.

Sie wurden zur Ausrüstung des 2/6thAustralian Armoured Regiments verwendet und nahmen an den Schlachten von Buna und Gona 1942/43 teil. Australien erhielt insgesamt 370 Stuarts und setzte sie in den Dschungelkämpfen auf Neuguinea ein, bis man die Stuarts durch die schwereren Matildas ersetzte. Das 9thAustralian Divisional Cavalry Regimentsetzte fünf Stuarts 1942 bei den Kämpfen in Nordafrika ein.

Neuseeland erhielt 1942/43 insgesamt 292 Stuarts, diese recht ansehnliche Zahl verliert aber ihren Glanz, wenn man berücksichtigt, daß die Panzer nicht einsatzfähig waren und aufgrund technischer Defekte auch nicht mehr zum Einsatz kamen. Einige wenige wurden umgebaut, so drei Stuarts, die zu turmlosen „Turretless Stuarts“ umgebaut wurden und bei den neuseeländischen Truppen in Italien zum Kampfeinsatz kamen.

  • Die Briten nannten den kleinen Panzer (Länge 5,20m; Höhe 2,58m; Breite 2,46m) liebevoll „Honey“, das lag an seiner Zuverlässigkeit und an der Tatsache, dass 1941 in Nordafrika einfach nichts besseres da war. In Burma bewährte sich der Stuart jedoch noch 1944/45 in britischen Diensten.
  • Auf allen anderen Kriegsschauplätzen reüssierte er bei den Briten und bei den Kanadiern (nur) noch in der Rolle als Spähfahrzeug und zwar bei den Reconnaissance Platoons (mit jeweils elf Stuarts) der Panzerbataillone der Armoured Divisions und Armoured Brigades. Er gehörte nicht zur Standardausrüstung des Reconnaissance Regiments oder der Armoured Car Regiments.
  • Bei vielen wurden die Türme abgenommen, die nun entstandenen Fahrzeuge („Stuart Recce“) mit sehr niedriger Silhouette dienten vorzugsweise Artilleriebeobachtern, aber auch als Zugmaschinen oder Truppentransporter („Stuart Kangaroo“)und (wie der Name schon sagt) als Spähfahrzeuge. Ohne Turm, d.h. mit deutlich niedrigerem Gewicht, infolgedessen niedrigerem Bodendruck fuhr dieses Fahrzeug auf beinahe jedem Untergrund.
  • Die niedrige Silhouette war bei Aufklärungsmissionen ebenfalls von Vorteil. Besonders kanadische Einheiten, hier war der Stuart zuerst im Februar 1942 aufgetaucht, setzten den Turretless Stuart ein. Nach dem Krieg verwendeten die Briten turmlose Stuarts als Zugmaschinen für Geschütze (beispielsweise die 17-Pfünder-PAK). Eine mit anderer Funkausstattung versehene Version diente in kleinen Stückzahlen als Gefechtsstandfahrzeug („Stuart Command“).

In Frankreich blieben die Stuarts noch ein paar Jahre im Dienst, das 501erRCC setzte M5A1 ein. Ein Zug dieses Regiments wurde nach Indochina verschifft, wo die Stuarts bis zu ihrer Ablösung 1950 blieben. Bei den französischen Stuarts waren in einigen Fällen MG 42 als Turm-MG montiert anstelle der Brownings. Von allen Commonwealth-Staaten behielt Indien den Stuart am längsten im Dienst: den M5A1 bis 1958 und den M3A3 bis 1965.

Nationalchina erwarb 22 M5A1 Stuarts, genug, um damit zwei Panzerkompanien auszustatten. In der Schlacht von Kuningtou im Oktober 1949 wurden diese Stuarts mit großem Erfolg gegen die Kommunisten eingesetzt.

Die in den großen Depots der kanadischen und der britischen Truppen zurückgelassenen Stuarts bildeten den Grundstock für den Neuaufbau der niederländischen Armee. Stuarts kamen so zum Kampfeinsatz in Niederländisch-Ostindien. Die meisten Stuarts der KNIL kamen jedoch aus den Beständen der kaiserlich-indischen Armee.

1946 wurden 54 Stuarts verschiedenen Versionen übernommen, genug, um damit vier Panzerkompanien ausstatten zu können. 38 waren M3A1, vier waren M3A3 und zwölf „Turretless Stuarts“ oder “Recce Stuarts“. In jeder Panzerkompanie gab es einen M3A3 (für den Kompaniechef), neun M3A1 in drei Zügen und drei Recce Stuarts. Die Panzer wurden in Kämpfen gegen indonesische Nationalisten eingesetzt und nach dem Abzug der Niederländer den indonesischen Streitkräften übergeben.

Zwischen November 1944 und Juni 1945 wurden 775 M5A1 Stuarts bei der American Car & Foundry Company überholt und modernisiert. Danach kamen sie in Depots. Im September 1946 wurden 90 dieser neuwertigen Fahrzeuge an die Canadian Army verkauft (zum Stückpreis von 831 Dollar!). Die Kanadier nutzten sie bis Ende 1955 zu Trainingszwecken. Portugal erwarb 1956 aus kanadischen Beständen zu einem günstigen Preis 90 M5 Stuarts, Kampfpanzer, die wie erwähnt schon zur Zeit ihrer Produktion (1943) taktisch veraltet waren.

Diese Stuarts fanden Platz in Militärmuseen des Landes oder als „Torwächter“ militärischer Einrichtungen (insgesamt 13), rund 80 wurden wieder in die USA geliefert (als Schrott), wo rund 30 von Sammlern etc. erworben und restauriert wurden.

Übrigens: seinen Beinamen „Honey“ soll er von einem Panzerfahrer (er hieß Whaley) vom 3rdRoyal Tank Regiment haben, der den ersten neu eingetroffenen Panzer probefuhr und seinem Kompaniechef Robert James Crisp berichtete: „It´s a honey, Sir“.

Ins Herz geschlossen haben belgische Geschichts- und Technikinteressierte „ihren“ M5A1 Stuart: der leichte Panzer des 83rd Reconnaissance Battalion mit dem Namen „Fish ´n Chips“ war der erste alliierte Panzer, der am 2. September 1944 ins belgische Mons einrückte. Nach dem Krieg diente er als Geschenk der US-Army an die Stadt Mons als Denkmal und war in einem verbesserungsbedürftigen Zustand, als Enthusiasten begannen, ihn aufwendig und detailgetreu zu restaurieren. Nun nimmt er in fahrbereitem Zustand an etlichen Gedenkveranstaltungen und Reenactments teil.