BISS – Das Unternehmen “BARBAROSSA”

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Siehe auch > BISS RÜSTUNG – Die grösste Waffenschau der Welt und Die Schlacht um Moskau 1941 und Die Schlacht auf den Seelower Höhen und Die Schlacht um Berlin 1945

 

Heute vor achtzig Jahren, am 22. Juni 1941, griffen die Wehrmacht und in ihrem Gefolge die Waffen-SS die Sowjetunion in drei Heeresgruppen gegliedert an.

Mit dem grössenwahnsinnigen Unternehmen “BARBAROSSA” eröffnete der militärische Amateur den deutsch-sowjetischen Krieg. Ende April 1945 mündete dieser in General Schukows Eroberung von Berlin und Hitlers feigen Selbstmord. Es war der grausamste, verlustreichste Krieg, den die Militärgeschichte in mehreren Jahrtausenden überhaupt kennt.

22. Juni 1941: Die Wehrmacht schlägt los.

Mord, Vertreibung, Brandschatzung.

In Russland und den anderen Nachfolgestaaten der UdSSR beklagt jede Familie aus dem “Grossen Vaterländischen Krieg” mindestens ein Opfer.

2015/16 verbrachten wir die Neujahrsfesttage bei einer nahestehenden Familie in Russland. Dabei war auch eine damals 90-jährige Frau, die kurz zuvor erfahren hatte, wo ihr Bruder gefallen war: während der deutschen Belagerung von Leningrad. Man hatte in einem Vorort von St. Petersburg die Erkennungsmarke des Bruders gefunden. Mit ihren beiden Schwestern reiste die greise Frau an den Ort, wo ihr Bruder gefallen war, um seiner zu gedenken.

Insgesamt verlor die Sowjetunion von 1941–1945 mehr als 27 Millionen Menschen. Der 9. Mai, der Tag, an dem Feldmarschall Keitel in Berlin-Karlshorst die Kapitulation unterschrieb, gilt heute in Russland als höchster Feiertag. Regelmässig halten die Enkelkinder der 90-Jährigen am “Marsch des ewigen Regimentes” das Bild des gefallenen Grossvaters hoch.

Rot “BARBAROSSA”. Links unten der Kampf um Moskau, die erste Wendeschlacht, der Anfang vom Ende des deutschen Feldzugs.

Hitler scheitert vor Moskau

Soviel zur überragenden Bedeutung des deutsch-sowjetischen Krieges in der russischen Erinnerung und Gegenwart.

  • Vom 22. Juni 1941 an stiess die Wehrmacht zügig vor. Sie überraschte die Rote Armee, die entlang der Front dilettantisch aufgestellt worden war. Die Heeresgruppe Nord rückte zügig in Richtung Leningrad vor, die beiden anderen kesselten jeweils Hunderttausende Sowjets ein.
  • Erst am 5./6. Dezember 1941 kam “BARBAROSSA” vor Moskau zum Stehen. Vom überrissenen Vorstoss entkräftet, sommerlich uniformiert bei 30° unter Null, blieben die Landser im Schnee stecken. Stalin hatte aus der unendlichen Tiefe seines Raumes per Eisenbahn frische Divisionen herangeführt. Siberiaken warfen die Aggressoren zurück und liessen “BARBAROSSA” scheitern.

Stalin in seinem HQ. Er arbeitete nachts.

Warum versagte Stalin im Juni 1941?

Warum waren Stalin und die Rote Armee am 22. Juni 1941 so schlecht gerüstet, so nachlässig disloziert?

Unbestritten ist, dass mehrere Geheimdienste, auch der eigene, Stalin eindringlich gewarnt hatten. Der Meisterspion Richard Sorge hatte ihm den Angriffstermin längst  fast auf den Tag genau verraten. Professor Gabriel Gorodetsky, Israels kundiger Sowjet-Historiker, belegt anhand der Quellen, wie eindringlich Winston Churchill den Diktator vor Hitler warnte.

Zu Stalins Reaktion streiten die Gelehrten:

  • Die eine Denkschule beharrt auf der abenteuerlich anmutenden These, Stalin habe die Gefahr sehr wohl erkannt, aber Hitler bewusst “in die Falle laufen lassen.” Er habe strategisch gedacht und gewusst, dass die Wehrmacht ihren Feldzug über Russlands riesige Distanzen verlieren werde. Die Geschichte gebe Stalin Recht; siehe den Untergang Nazi-Deutschlands 1945.
  • Die Gegenthese beruht auf dem Stalin-Hitler-Pakt vom 23. August 1939. Als die beiden Diktatoren Polen und das Baltikum teilten, schlossen sie geheim einen Nichtangriffspakt: Sie kamen feierlich überein, sich gegenseitig in Ruhe zu lassen. Stalin glaubte an das Versprechen; für Hitler jedoch war es nicht das Papier wert, auf dem es geschrieben stand.
  • Überdies war sich Stalin seiner eigenen strategischen Schwäche bewusst. In einer brutalen Säuberung hatte er von 1937 an die Rote Armee enthauptet.

Der fähige Marschall Tuchatschewski wurde rehabilitiert, 1963 auch auf einer Briefmarke.

  • Auch hervorragende Offiziere wie Marschall Michail Tuchatschewski wurden hingerichtet. Vom Obersten an aufwärts biss praktisch die gesamte Militärführung ins Gras. Die neue Generation – Schukow, Konew, Tolbuchin, Rokossowski, Tschuikow – stand noch nicht ganz bereit. Georgi Schukow übernahm Verantwortung erst gegen Ende 1941, im Abwehrkampf vor Moskau. Umso inniger klammerte sich Stalin an die Hoffnung, Hitler konzentriere sich auf England und respektiere den Teufelspakt von 1939.

5./6. Dezember 1941: Siberiaken schlagen zurück.

Vor Moskau: Vom Winter zermürbte Deutsche ergeben sich der Roten Armee.

Deutschlands schlimmste Katastrophe

Stalin sollte sich täuschen. Doch Hitlers operative Fehler, seine Missachtung fähiger Generalstabsoffiziere, die unfassbare Resilienz und Leidensfähigkeit des Gegners, das Ingenium der russischen Panzerbauer (T-34), die robuste Führungskraft der Generale um Schukow und die grosszüge “lend and lease“-Hilfe der Westalliierten führten zu Deutschlands Katastrophe. Gut fünf Millionen deutsche und verbündete Soldaten liessen gegen die Rote Arme das Leben.