BISS – Das Rütli nur für Frauen?

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Dass der Anspruch der Schweizerischen Gemeinnützigen Gesellschaft (SGG) auf das Rütli ein Unglück ist, das wissen wir seit dem grandios gescheiterten SGG-Angriff auf den Schweizerpsalm, unsere Nationalhymne. Zum Glück versandet das läppische Liedchen, das den Schweizerpsalm verdrängen sollte, im Nirwana.

Aber die SGG zeuselt weiter. Am 1. August 2021 soll auf dem Rütli die Bundesfeier ohne Männer stattfinden. Die Gestade am See werden lila beleuchtet, erwünscht sind allein Frauen.

Dass der Ausschluss der halben Eidgenossenschaft dem Gedenken an den Schwur vom August 1291 widerspricht, daran kann, will oder darf in der SGG niemand denken. Alle für den Bund, der Bund für alle, lautete vor 729 Jahren eines der Ziele – nicht: Ja zu der einen Hälfte, Nein zu der anderen.

2021 stelle man sich das Gegenteil vor: Ein Mann ruft im Namen eines Männerbundes zur Rütli-Feier auf, an der Frauen unerwünscht wären.

Welch ein Aufschrei ginge durchs Land: Diskriminierung! Frauenverachtung! Gegen Diversität! Macho-Verstoss gegen Gender! An den Pranger mit dem Mann! Ein Spiesser! Ein Hinterwäldler! Ein übler Provinzler! Hoch die Frauenrechte! Ein halbes Jahrhundert Frauenstimmrecht! Quoten pro Frauen, von oben verordnet!

Der üble Frauenverächter bekäme Briefe, Morddrohungen, seine Kinder liefen in der Schule Spiessruten, er selber wäre beruflich erledigt, geächtet, ausgestossen – früher gab es für solche “Verbrecher” noch den Pranger, den Kirchenbann, die Reichsacht.

Wenn jetzt die SGG genau das tut, wofür besagter Mann Existenz und Achtung aufs Spiel setzen würde, wenn die Rütli-Gesellschaft das Rütli in der Farbe eines Geschlechts anstrahlt und offenbar zwei Bundesrätinnen auftreten, dann regt sich kaum noch Widerstand – in einer Nation, die zu grundlegenden Werten ihren Kompass verloren hat.