BISS – Bürgerkrieg zu Ende ???

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Die Taliban melden die Flucht von Ahmad Massoud. Es fehlt jegliche Bestätigung.

Taliban greifen Panshir auf drei Achsen an.

 

  • Am 16. August 2021 rief Ahmad Massoud, der Sohn des legendären Ahmad Shah Massoud, im Panshirtal gegen die Taliban den bewaffneten “Nationalen Widerstand” aus.
  • Am 3. September griffen Taliban-Verbände das Tal auf drei Achsen an – von Süden, von Osten und von Westen. Der Südstoss führte durch das Engnis am Talausgang. Für die beiden anderen Attacken wählten die Gotteskrieger Pässe durch den Hindukusch, der östlich und westlich von Panshir über 3’000 Meter hoch ist.
  • Rasch berichteten beide Parteien von erbitterten Kämpfen. Es standen Mudjahedin gegen Mudjahedin: Taliban gegen Panshiri.

2. September 2021, vor dem Sturm. Ein Zug der Nationalen Widerstandsarmee mit der grün-weiss-schwarzen Panshir-Fahne und der “alten” Afghanistan-Flagge.

  • Am 4. September bot Ahmad Massoud einen Waffenstillstand an. Zur Bedingung machte er, die Taliban müssten dem “Nationalen Widerstand” in der noch zu bildenden Regierung Einsitz gewähren. Die Taliban gingen auf das Angebot nicht ein.
  • Am 5. September meldet der Taliban-Sprecher Mujahid, die Eroberer hätten das ganze Tal besetzt und namentlich auch die Provinzhauptstadt Bazarak in Besitz genommen. Dazu führte er Videosequenzen vor, die Taliban auf erbeuteten Fahrzeuge in der Strassen des Hauptorts zeigen sollen.
  • Ahmad Massoud sei über die Berge nach Tadjikistan geflohen. Zu dieser Nachricht fehlt jegliche Bestätigung – wie auch zur Meldung, das Panshirtal sei erstmals in Jahrhunderten gefallen.

Gemengelage mit Widersprüchen

Mujahid rief offiziell das Ende des 42-jährigen Afghanistan-Krieges aus, der am 24. Dezember 1979 mit der Fallschirm-Landung erster sowjetischer Speznaz auf dem Militärflugplatz Bagram begonnen hatte. Ist es schon soweit? Die Nachrichtenlage ist weit widersprüchlicher, als sich vom 13.–15. August präsentiert hatte, als die Taliban Kabul zügig eroberten.

  • Bilder von der Strasse, die von Kabul zum Panshirtal führt, belegen den Einsatz erbeuteter Waffen und gepanzerter Fahrzeuge durch die Taliban. Insofern besitzen sie gegenüber Massouds klassischer Guerillatruppe einen Vorteil.

Strasse Kabul–Bagram: Taliban führen Beutewaffen nach Norden.

  • Ebenso umstellten sie bis Mitte August Massouds Gebirgstal von allen Seiten. Die 3,610 km2 messende Provinz Panshir war die letzte der insgesamt 34 Provinzen, in der sich noch Widerstand regte. Die Briten, die Sowjets und schon von 1996–2001 suchten das Tal durch den engen Südeingang einzunehmen. 2021 dagegen nahmen die Angreifer die Verteidiger in die Zange.
  • Anderseits beherrschen die Panshiri den Guerillakampf seit Urzeiten. Sie tauchen im taktisch richtigen Moment ab: in die Seitentäler, in Dörfer und Weiler, die noch in ihrer Hand sind. Ahmad Shah Massoud liess die waffenmässig und numerisch weit überlegenen Sowjets neun Mal in die Leere laufen. In neun Grossoffensiven suchte ihn die Rote Armee niederzuringen. Neun Mal entwischte Shah Massoud – und schlug zurück, bis die Sowjetunion resignierte.

Blick ins enge Panshirtal.

  • Allerdings ist es heute, 6. September 2021, Stand 12.30 Uhr, völlig ungewiss, wie es um Shah Massouds 32-jährigen Sohn und dessen “Nationalen Widerstand” steht.

Erst wenn wir das wissen, dann wissen wir auch, ob der afghanische Krieg nach 42 Jahren wirklich zu Ende ist.