BISS – Bewaffnete überfallen TV-Sender

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Zwei bewaffnete Männer hinter dem TV-Moderator.

 

  • Neben dem Video, das in Kandahar einen am Black Hawk angehängten Mann zeigt, kursiert auf dem Netz hundertfach eine weitere zweifelhafte Sequenz.
  • Am 30. August 2021 sollen acht Taliban in Kabul den TV-Sender PEACE STUDIO überfallen und den Moderator gezwungen haben, eine Botschaft für eine Terrorgruppe zu verlesen. Der eingeschüchterte Sprecher habe den “Wunsch” erfüllt. Er habe den Text in paschtunischer Sprache verlesen, im Idiom der meisten Taliban. Seine Sendung heisse Pardaz.
  • Nach der Verlesung der Botschaft hätte sich das Commando mit dem Moderator zum “Gruppenbild” aufgestellt:

Acht Commados, ein Moderator.

Was ist von der Sequenz zu halten?

Das einschlägige Video dauert 42 Sekunden. Wenn es Taliban sind, die ins Studio eindrangen und den Moderator überfielen, dann wäre das erneut kein gutes Zeichen.

  • Es wäre ein Rückfall in den Horror des ersten Taliban-Regimes von 1996–2001, als solche Szenen – und noch viel schlimmere – gang und gäb waren. Nur: Was für ein Interesse kann die Taliban-Führung an solch negativer Propaganda haben, wo sie doch von sich selber ein milderes, moderates Bild zu projizieren sucht?
  • Anderseits bestätigt die BBC-Korrespondentin Yalda Hakim den Vorfall. Sie berichtet: “So sieht die politische Debatte am afghanischen Fernsehen nun aus. Taliban-Fusssoldaten überwachen den Moderator.” Das Commando habe den Sprecher auch zur Aussage gezwungen, niemand brauche Taliban zu fürchten. Die Bewaffneten hätten den Moderator gewarnt. Hätte er nicht gehorcht, wäre er nicht länger zu Wort gekommen.
  • Aufschlussreich ist die Reaktion der iranischen Presse. In Afghanistans Nachbarland rührt sie die Propagandatrommel gegen die USA, den “grossen Satan” (der “kleine Satan” ist Israel). Die Szene belege, was Amerika hinterlasse: “Die Taliban verbreiten Furcht und Schrecken in den Köpfen von Millionen. Das hier ist ein neuer Beweis.”
  • Am Tag, an dem der letzte amerikanische Soldat Afghanistan verliess, sucht das Video die USA erneut zu demütigen. Das Überfall-Commando trägt nicht mehr die angestammte sowjetisch-russische AK-47 Kalaschnikow; es streckt erbeutete amerikanische Waffen in die Kamera.

Hardliner am Werk?

Denkbar ist, dass das Überfall-Commando den Falken unter den Taliban entstammt. Experten befürchten, dass sich gegen die Moderaten um den Vize-Emir Bardar militante Feldkommandanten durchsetzen. In Kabul wurde noch keine zivile Verwaltung eingesetzt. Es herrscht das Taliban-Militär.

Allerdings gibt es für die These, dass Fanatiker vor aller Welt ein Zeichen setzen wollten, keine neutralen Belege. Jedenfalls gilt es gut zu beachten, wer in den kommenden Wochen in Kabul die Oberhand erlangt.