BISS – Auch das noch: Abu Dhabi statt Genf!

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In der heutigen “NZZ am Sonntag” schreibt Andrea Kucera, zu Syrien wolle Russland nicht mehr wie seit 2011 in Genf verhandeln. Putins Sondergesandter Lawrentiew schlage Abu Dhabi, Bahrain oder Muscat vor.

Seit elf Jahren finden die Friedensgespräche zu Syrien in Genf statt. Die nächste Runde war auf die fünf Tage vom 25. bis zum 29. Juli 2022 in der Calvinstadt anberaumt. Lawrentiew begründete sein Nein wie folgt: “Für die russische Abordnung wird es immer schwieriger, die Gespräche in Genf abzuhalten, weil die Schweiz sich gegenüber Russland unfreundlich, ja feindlich verhält.”

Lawrentiews Chef Putin brach am 24. Februar 2022 mutwillig und gegen das Völkerrecht einen brutalen Angriffskrieg vom Zaun. Nach jetzigem Stand der Untersuchung begingen Soldaten eines Motschützenregiments grausame Kriegsverbrechen. All das belastet das russische Regime schwer.

Nur bleibt der Eindruck: Für die Schweizer Neutralität war der 27. Februar 2022, ein Sonntag, ein schwarzer Tag. Kein Zweifel – der Bundesrat musste etwas unternehmen. Jedoch beging er in Anbetracht der hervorragenden Stellung der Stadt Genf einen schweren Fehler. Statt die Neutralität plump zu brechen, hätten andere Formen den Standort der solidarischen Schweiz weit angemessener, weit effektiver zum Ausdruck gebracht.

Istanbul statt Genf? Ankara, Sitz des skrupellosen Autokraten Erdogan, statt Genf? Und jetzt Abu Dhabi, Symbol des Grössenwahns, der Verblendung und Verschwendung? Die Halbinsel Bahrain, auf die saudische Panzer rollten, als es galt, den arabischen Frühling niederzuschlagen? Die Emirate und Manama als Ersatz für Genf?

In der “NZZ am Sonntag” warnt der Genfer Sozialdemokrat Carlo Sommaruga, beileibe kein Eisenfresser: “Die Schweiz muss wachsam sein, dass das internationale Genf nicht geschwächt wird.” Sein Wort in Gottes Ohr! Genf ist geschwächt, Genfs Glanz ist verblasst – jetzt, in der einschneidensten Krise seit 1945; verursacht durch den Bundesrat, der am vierten Kriegstag unter Druck der EU und der USA, “beflügelt” durch den Selensky-Hype, die Nerven verlor und dem Standort Schweiz irreparablen Schaden zufügte.

PS. am Rande: Wenn schon ein Erdölstaat, dann nur das moderate, nachhaltig gesinnte Sultanat Oman mit seiner “weissen” Hauptstadt Muscat.