BISS AKTUELL – Waffenruhe hält, am “Tag des Zorns”

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Jerusalem, Altstadt. Grau uniformiert, wie die Armee bewaffnet, Israels Grenzpolizei.

Heute ist Freitag, 21. Mai 2021, im vierten Gazakrieg der “Tag danach”, der Tag nach der Waffenruhe von 2 Uhr Ortszeit. In Jerusalem ist Freitag der heilige Tag der Muslime, wie Samstag der Shabbat der jüdischen Israeli und der Sonntag in ihren Altstadt-Kirchen der Tag der spärlichen Christen.

Um 13.45 Uhr MEZ präsentiert sich die Lage wie folgt:

  • Militärisch scheint die Waffenruhe zu halten. Zwischen Mitternacht und 2 Uhr Ortszeit meldeten die israelischen TV-Korrespondenten am Gazastreifen nochmals heftige Hamas-Raketenangriffe. Um 2 Uhr sei aber die Waffenruhe eingetreten. Die israelische Luftwaffe habe ihre Attacken schon am 20. Mai gegen 22 Uhr Ortszeit weitgehend eingestellt.
  • Von 2 Uhr an übertrugen arabische Sender auf Gaza-Stadt frenetische “Siegesfeiern”. Die Menschen strömten auf die Gassen, Strassen und Plätze, Palästina-Fahnen schwingend und Slogans rufend wie “Allahu Akbar” (Allah ist gross) oder “Auf nach Jerusalem”. Quer durch die Stadt fuhr ein Auto-Korso mit Lichthupen im Takt.
  • Auch aus den grösseren Ortschaften des Westjordanlandes übertrugen die TV-Stationen Freudenfeste. In Ramallah, Nablus und Jenin riefen Hamas-Redner die Menge zum heiligen Krieg auf (Jihad). Der heutige Freitag sei ein “Tag des Zorns” – eine Anlehnung an den 15. Mai, den die Plästina-Araber jedes Jahr als Tag der Nakba, der Katastrophe von 1948, begehen.
  • Am Morgen versammelten sich in Ost-Jerusalem auf dem Tempelberg – für die Araber Haram ash-Sharif – zahlreiche muslimische Gläubige, um in der al-Aksa-Moschee ihren heiligen Tag zu feiern. Wie vom 7.–9. Mai 2021 kam es zu Ausschreitungen und Kämpfen mit den Tempelwächtern.

Kibbuz Nirim: 70% geflohen

Wie erwartet, feiern Hamas und Islamischer Jihad die Waffenruhe als Sieg. In ihrer Lesart haben sie der technisch weit überlegenen israelischen Luftwaffe widerstanden. Bis zur letzten Minute waren sie fähig, im engen Radius um Gaza-Stadt Küstenorte wie Ashkalon oder Ashdod, die Grenzstadt Sderot und die nahen Kibbuzim und Moshavim zu beschiessen.

Am israelischen Fernsehen berichtete eine Einwohnerin des Kibbuzes Nirim, während des Krieges seien 70% der Kibbuzniks in den Norden geflohen. Kinder seien unter Lebensgefahr evakuliert worden, weil im Kibbuz und im Umgelände laufend Raketen niedergegangen seien.

Der Kibbuz Nirim grenzt an den Gazastreifen. Wie andere Kibbuzim hat er ein einfaches Gästehaus, das im Mai 2021 wohl leer stand.