BISS AKTUELL – Israel will Waffenruhe

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Letzte Luftangriffe auf Gaza-Stadt? Einschlag im Wohnquartier Rimal.

 

  • Das israelische Kriegskabinett beschloss am Donnerstag, 20. Mai 2021, um 22.41 Ortszeit, im neuen Gazakrieg eine Waffenruhe.
  • Gemäss Israel soll die Waffenruhe am Freitag, 21. Mai 2021, 2 Uhr Ortszeit, in Kraft treten.

Zu beachten:

  • Das Kabinett beschloss auch: Sollte Hamas die Waffenruhe verletzen, würden die israelischen Streitkräfte sofort zurückschlagen.
  • Das israelische Fernsehen hat auch am Tag 11 des Krieges permanent Korrespondenten auf der Höhe der eigenen Artilleriestellungen postiert; die Geschütze haben zu Kriegsbeginn wenige Kilometer von der Gazagrenze entfernt Position bezogen.
  • Die Frontkorrespondenten meldeten um 23.30 Uhr Ortszeit: Die Kampfhandlungen flauen ab. Aus dem Gazastreifen kamen nach 22 Uhr Ortszeit nur noch vereinzelte Geschosse. Die Intensität der Luftalarme geht zurück.
  • Die Stadt Askalon liegt nur zwölf Kilometer vom Gazastreifen entfernt am Mittelmeer. Wie die Südfront meldet, waren rund 900 der insgesamt gut 4’000 feindlichen Raketen auf Ashkalon gerichtet. Um 21 Uhr Ortszeit schlug nochmals eine Hamas-Rakete in ein Wohnhaus ein – ein Geschoss, das von der Iron-Dome-Flab nicht erfasst worden war (an deren Trefferquote von 90% die Armee und der Hersteller Rafael auch am 11. Kampftag festhielten).
  • Meldungen westlicher Medien, wonach die Waffenruhe um 21.41 Uhr sofort in Kraft getreten sei, sind falsch.

Waffenruhe, nicht Waffenstillstand

  • Es handelt sich bei der Waffenruhe nicht um eine Feuerpause, nicht um einen Waffenstillstand und schon gar nicht um einen Friedensvertrag. Davon sind Israel und die Terroristen noch sehr weit entfernt.
  • Zu beachten bleibt auch die angespannte Lage im israelischen Kernland, namentlich in den gemischt jüdisch-arabischen Ortschaften. Um 23 Uhr Ortszeit schalteten die TV-Sender jüdische und arabische Aktivisten auf. Es waren keine Dialoge, es waren Beschimpfungen von beiden Lagern. Ob Ruhe und Ordnung einkehren, hängt auch von der Performance der israelischen Polizei ab, die Tage lang überfordert war.

Intifada-Szene wie 1987–1993 und 2000–2005.

  • Zudem ist die israelische Armee – mit der militärisch bewaffneten Grenzpolizei – im Begriff, den Unruhen in Ost-Jerusalem und im Westjordanland einigermassen Herr zu werden.

Bilanz: Abwarten, ob Waffenruhe hält

Ob, wie und vor allem wie lange die Waffenruhe hält, bleibt abzuwarten:

  • Einerseits spricht die Erfahrung der grossen Nahostkriege wie Yom Kippur 1973 gegen die Einhaltung auf die Minute genau. Auch nach den ersten drei Gazakriegen gingen die Schusswechsel jeweils noch weiter.
  • Anderseits willigten offenbar beide Kriegsparteien in die Waffenruhe ein. Die Terroristen suchten schon zu Beginn der zweiten Kriegswoche um die Waffenruhe nach. Es ist denkbar, dass Hamas und Islamischer Jihad den neuen Waffengang als Sieg feiern, was in Anbetracht der erlittenen Enthauptung und Zerstörung schwer zu verstehen wäre (allerdings ist ihr Raketenpotential nicht zerschlagen).