BISS – 16. Tag, 15.42 Uhr: BBC Stalinorgel oder nicht?

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So verbreitet BBC das ominöse Bild.

Das Maxar-Satellitenbild wurde zuerst von der BBC verbreitet. Hernach wurde es auf CNN und Sky von zwei Generalen unterschiedlich interpretiert. Am 16. Kampftag, 15.10 Uhr, kamen der Brite Richard Barrons und der Amerikaner Mark Hertling zu unterschiedlichen Schlüssen.

Die Fotografie wurde nordwestlich von Kiew an der Meteo-Grenze von schneebedecktem zu aperem Feld erstellt. Auf der von Wald gesäumten Strasse, die das Bild von links nach rechts quert, ist gut und in einem langen roten Rechteck eingerahmt eine lange Kolonne zu erkennen. In sich hat es das obere, kürzere Rechteck: Dort stehen unübersehbar sechs Fahrzeuge, aufgereiht in einer ganz bestimmten Richtung.

Der Brite Richard Barrons.

Barrons: Stalinorgeln haben Stellung bezogen

General Barrons, der in Afghanistan Kampfformationen befehligt hatte, kommt zum Schluss:

  • Hier hat auf offenem Feld eine 9A52-Smerch-Stalinorgel Stellung bezogen. Gemäss Maxar-Angaben nahm die Satellitenkamera die Szene so nahe von Kiew auf, dass der Smerch-Mehrfachraketenwerfer mit seinen 30 Rohren und seinen 300-mm-Geschossen auch die Innenstast von Kiew erreicht.
  • In den taktisch-technischen Angaben wird die Smerch-Reichweite auf 20-90 Kilometer veranschlagt. Auch wenn die 90 Kilometer reichlich utopisch anmuten, stellt die 72-rohrige Batterie in Kiew auch für die Innenstadt eine Gefahr dar, sofern Barrons Recht hat. Selbst die Regierungsgebäude mit Präsident Selenskys Amtssitz liegen in der Wirkungsdistanz der Batterie.
  • 72 Rohre entsprechen in Artilleriekorps westlicher Länder, die noch Regimenter haben, den 72 Rohreneines Regimentes mit vier Bataillonen (Abteilungen) zu je drei Geschützbatterien à sechs 155-mm-Panzerhaubitzen. Nur misst das Smerch-300-mm-Kaliber fast Doppelte einer kawestierten amerikanischen M-109 Paladin.

Der Amerikaner Mark Hertling.

Hertling: Batterie bezieht “Lager”

Generalleutnant Hertling gilt unter den TV-Generalen als der Haudegen. Er kommandierte vom Zug bis zur 7. Armee auf jeder Stufe Kampftruppen und bewährte sich in Afghanistan, Irak und Libyen. Er befehligte die 1.Panzerdivision, bevor er die Armee übernahm. In der NATO führte er die amerikanischen Heerestruppen Europa. Kurz: Ein Offizier, der den Krieg und Kampf kennt.

  • Hertling interpretiert das Maxar-Bild in grösserem Kontext. Er geht von der langen Kolonne aus, die eine grössere Formation zeige, die nun in den Wäldern ein “Lager” beziehe. Der Amerikaner braucht bewusst den Begriff “Lager”, der von Soldaten überall verstanden werde. Westlich des Dnjepr sei jetzt der Bezug solcher “Lager” in grossem Stil zu beobachten.
  • Ergo gehörten die sechs Fahrzeuge auf dem Feld zu einem Verband, der möglicherweise den Bereitstellungsraum für eine bevorstehende Operation beziehe. Auch Hertling räumt ein, dass die sechs Fahrzeuge auf dem Feld exakt dem Stellungsbezug der russischen Artillerie entspricht, wenn diese unter eigener Luftüberlegenheit kämpft. Schon im Zweiten Weltkrieg reihte Marschall Schukows Artilleriechef seine vier- oder sechs-rohrigen 122- und 152-Batterien in Reih und Glied auf.

BBC: Salomonisch

Die stets vorsichtigen, kundigen Militärredaktoren der BCC ziehen sich elegant aus der Affäre. Sie bezeichnen die sechs dunklen Punkte als possible rocket launchers, als mögliche Raketenwerfer.