Aufruf von Oberst Gerhard Läuchli

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Unser Korrespondent und Analytiker Oberst Gerhard Läuchli sendet uns folgenden Aufruf:

Die Schweizer Sicherheitsarchitektur muss auf die gefährlichsten Risiken ausgerichtet sein. Die Ausrichtung auf die Wahrscheinlichen genügt nicht mehr

Man kann die Gruppd Giordano beurteilen wie man will.

Nur – Ihre Forderungen von heute sind in sich stimmig und notwendig. Es sind keine bequemen Forderungen. Überrissen sind sie nicht – sie haben Augenmass. Wir haben die Schwelle vom totalen Frieden – in mögliche unübersichtliche Lagen – messbar überschritten. Die Zeit der Army-light ist passee. Richtig. Cyberwar ist zur ganz wichtigen Komponente geworden. Der Hybride Krieg ist eine Tatsache – aber läutet – bis heute – stets die «groben» Kampfhandlungen ein. Cyberwar und Hybride-Kampführung erfolgen nie alleine. Noch ganz wichtig: Im UKR Konflikt ist die PSYOPS – die Psychologische Kriegsführung mitentscheidend. Da hat Russland ein enormes Potenzial aufgebaut – und die Ukraine hat in den ersten Kriegstagen messbar Gewaltiges geleistet.

 

Das bedeutet im Umkehrschluss als Fazit für die Schweiz:

 

  • Die Schweizer Armee braucht angemessene Bestände – 300’000 AdA scheinen mir angemessen. Wir brauchen Ablösungen von ca. 20’000 bis 30’000 AdA. Wir dürfen Ablösungen nur 6 bis maximal 8 Wochen im Einsatz lassen. Es braucht – wirtschaftsverträglich – 5 Rotationen. die Generalmobilmachung ist eine andere Sache. Dann sind eben 300’000 AdA im Einsatz.

 

  • Das Mobilmachungssystem muss schleunigst hochgefahren werden. Es müssen flexibel differenzierte Mobilmachungen möglich sein.  Auch  das spezifische Truppenaufgebot  als Task-Force – sowie einzelner AdA mit wichtigem know how – müssen aufgeboten werden können

 

  • Die Armee 2030 muss – auch – die Tatsachen des UKR-Krieges unvoreingenommen aufnehmen

Die Mittel sind darauf auszurichten.

 

  • Wir brauchen Verbände die Gegenangriffe und Gegenschläge erfolgreich führen können. Dafür brauchen wir neben den schweren Mittel am Boden. die F-35 für den Close Air Support, die Luftnah-Unterstützung für das Heer. Ebenso braucht es die Luftaufklärung durch F-35. Drohnen haben an Bedeutung sehr gewonnen. Hier braucht es einen gezielten Auf- und Ausbau. Die F-35 sind nicht aggressiv – sondern ein adäquates Kampfflugzeug. Aggressiv sind Despoten welche die Grenzen verschieben. Das geschieht heute in der Ukraine. Putin hat sich entschieden.

 

  • Die Territorialinfanterie wird ganz wichtig. Dafür braucht es eine professionelle Ausbildung.

 

  • Die Lagebilderfassung muss global sein. Schwergewichtig:
    • Europa entlang aller Krisenherde und möglichen Krisenherde
    • Mittelmeerraum mit Nord- und Zentralafrika
    • Indo-Pazifischer Raum

 

  • Das Schliessen der Lücken der Sicherheitsarchitektur Schweiz kostet ein paar harte Franken – stimmt. Mit CHF plus CHF 2 Mia. haben wir noch nicht einmal aufgerüstet. Wir müssen unsere Fähigkeiten auf die gefährlichsten Risiken und nicht nur auf die wahrscheinlichen ausrichten

Oberst Gerhard Läuchli, Ramlinsburg, 5. März 2022