Aufregung im (Zürcher) Hühnerstall

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Vor kurzer Zeit schrieb der Medienkritier Kurt W. Zimmermann: “Wenn man mit Tages-Anzeiger-Journalisten über Loser und seine gleichgesinnten (das heisst: links-rot-grünen, Red.) Kumpels spricht, fällt oft das Wort Mob. Mob nennt man den agitatorischen Flügel einer Redaktion, der andere Meinungen als die eigene Ideologie zu unterdrücken versucht.”

In der dritten Märzwoche 2021 herrscht im Mob gleich Doppelalarm. Zwei Hochburgen des linken oder auch linksliberalen Zürcher Medienrummels drohen zu fallen:

  • Nach seinen Glanzleistungen in der Zeit des Nationalsozialismus und des Kalten Krieges sank der Nebelspalter fast zur Bedeutungslosigkeit ab. So zuverlässig wie der linke Mainstream schoss er Woche für Woche auf die Feindbilder des Mobs. 2016 war ein “schwarzes” Jahr: Zuerst Johnsons Brexit und dann Trumps Wahlsieg. Die Bekämpfung dieser “Bösewichte” wurde so stereotyp, dass man den Leserspalter höchstens noch in irgendwelchen Warteräumen zur Hand nahm, wo er halt traditionell auflag.
  • Nun kaufte der Guisan-Biograph Markus Somm, der sich selber als liberal, ja libertär einstuft, den Nebelspalter. Da heult der Mob. Schon nach der ersten Nummer hagelt es Verrisse. Satire und bürgerlicher Kurs? Rein unmöglich. Undenkbar. Ein Sakrileg am linken Glaubensgut. Satire ist links. Punkt. Fertig.

Ein TV-Moderator zur Presse!

Noch gravierender für den Mob ist die Ankündigung, der offenbar stramm bürgerliche TV- und Blick-Journalist Jonas Projer übernehme die NZZ am Sonntag, die der linksliberale Mainstream offensichtlich zu seinem Lager zählt. Ein Fernsehmoderator zu einem Printmedium! Ein Mann, der von Druck und Zeitung nichts versteht! Und eben: aufgrund des Geheuls kann Projer kein Linker sein.

  • Neckisch ist, dass es die Konkurrenz ist, dass sich gleich seitenweise mit grossen Aufmachern an Projer abarbeitet. Es sind die Tages-Anzeiger-Medien, die im Zwei-Tages-Takt Interna aus der NZZ-Redaktion verbreiten – und wehklagen, wehklagen; wehklagen, als ob Entscheide im Konkurrenzverlag ihre Sache wären.
  • Als vermeintlicher Bösewicht, als “Darth Vader” der Falkenstrasse 11, kristallisiert sich Dr. Eric Gujer heraus, der überlegte Chefredaktor der Neuen Zürcher Zeitung. Er wolle dem Verlagshaus einen “rechtsbürgerlichen” Kurs aufzwingen.
  • Na ja, Eric Gujer hat den Mut, in seinen markanten Leitartikeln zum Wochenende vom rot-grünen Mainstream abzuweichen. Er tritt für das Burka-Verbot ein. Er schreibt, was Zehntausende Schweizerinnen und Schweizer denken: Dass nämlich der Bundesrat das verunglückte EU-Rahmenabkommen zügig beerdigen muss. Das macht ihn zum roten – oder besser: blauen – Tuch für den Mob; und ehrt ihn.
  • In der abgelaufenden Woche kann man nur noch sagen: Papier nimmt alles an. Auch 100 x behauptet, wird es nicht wahrer. Die Anwürfe von links gegen Eric Gujer sind Ehrenmeldungen. Sie werden ihn nicht erschüttern; hätte gerade noch gefehlt.