Am Pranger – Selbstjustiz in der Ukraine?

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Ein Leser sendet uns – verbunden mit Fragen – einen Text aus dem Dienst “Anti-Spiegel”. Der deutsche Buchautor Thomas Röper schildert darin plastisch die “Selbstjustiz”, die seiner Recherche gemäss in der Ukraine herrscht.

Die Quelle Röper ist gebührend mit Fragezeichen zu versehen. Es tobt derzeit ein brutaler Propagandakrieg um die Herzen und Köpfe der Menschen – auch in Europa. Weisse, graue und schwarze Akteure setzen das probateste Mittel ein, den Gegner anzuschwärzen: Sie werfen ihm, womöglich noch bildhaft belegt, Kriegsverbrechen vor. Wer den Feind als Kriegsverbrechen entlarven und auf den Scheiterhaufen stellen kann, hat den Krieg der Bilder und Worte gewonnen.

Auch die Fotos, die Röper bringt, bestätigen die alte Regel: “Ein Bild sagt mehr als 1’000 Worte”. Sie sind derart krass, dass man kritische Fragen stellen muss.

Mehrere Frauen.

Besonders krass: eine Frau.

  • Die Fotos sind beide gestochen scharf, ergo in aller Ruhe “ungefährdet” aufgenommen. Wie konnte das sein? Auf beiden Aufnahmen sahen ukrainische Soldaten zu. Wieso griffen sie nicht ein? Hatten sie oder ihre Vorgesetzten ein Interesse daran, dass solche Szenen “zur Abschreckung” verbreitet werden?
  • Handelte der Fotograf im Auftrag der ukrainischen Armee?
  • Warum hinderten die “Bösewichte”, die Urheber der Missetaten, den Fotografen nicht an der Arbeit?
  • Weshalb befreite niemand die Frauen vom Pranger? Auch wenn Soldaten sichtbar sind: Wieso schnitt niemand die Fesseln entzwei? Die Frau auf dem zweiten Bild mit dem farbverschmierten Gesicht muss unter humanem Aspekt losgebunden werden – wie auch die Frauen auf Bild 1.
  • Und schliesslich, auch das ist im gemeinen Krieg der Propagandisten immer zu fragen: Wurden die Bilder irgendwo von der anti-ukrainischen Propaganda gestellt, um den Feind anzuschwärzen? Wer den Gegner als Schuft, als Verbrecher, als Menschenverächter ins Licht der Öffentlichkeit rücken kann, der “gewinnt”.

Unter diesen triftigen Vorbehalten sind auch Thomas Röpers Zeilen aufzunehmen. Er ist 51 Jahre alt und gibt selber an, er wohne und arbeite seit 15 Jahren in St. Petersburg. Er schreibt zu den Fotos:

“Selbstjustiz in der Ukraine: Was die westlichen Medien auch verschweigen, ist die neue ukrainische Folklore der Selbstjustiz. Im Netz gibt es Dutzende, wenn nicht Hunderte Videos davon, wie Menschen in ukrainischen Städten mit Klebeband an Laternen, Bäume oder Strassenschilder gefesselt und von der Menge geschlagen und sogar ausgepeitscht werden.”

Alles mit vielen Fragezeichen gekennzeichnet – und doch auch affaire à suivre, genau so wie all die Verlautbarungen über russische Kriegsverbrechen; ob aus weisser, grauer oder schwarzer Quelle, mit gebührender Vorsicht.