Abu Bakr bestattet – Recht so

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General Milley: “Abu Bakr nach militärischen Regeln bestattet” (DoD).

 

Wie General Mark Milley, Chairman of the Joint Chiefs of Staff der US Streitkräfte, in Washington mitteilte, wurde “Kalif” Abu Bakr al Badghadi (ABB) noch am 26. Oktober 2019 von einem Schiff der US Navy aus im Meer bestattet. Wie am 2. Mai 2011, als sie Osama bin Laden im Indischen Ozean bestatteten, wollen die USA vermeiden, dass am Ort des Überfalls auf ABB eine Märtyrer-Gedenkstätte entsteht.

Islam-Tradition und Armee-Regeln

ABB wurde gemäss muslimischer Tradition bestattet. Die Überreste seines Körpers wurden gereinigt und in ein weisses Tuch gehüllt. Es wurden die religiösen Formeln des islamischen Glaubens verlesen, bevor die Überreste in das Meer glitten. Auch die militärischen Regeln hielten die USA laut General Milley ein.

Aus der Luft machten die US Streitkräfte das Anwesen in Barisha (Provinz Idlib) dem Boden gleich. Sie zerstörten namentlich auch das Haus, in dem sich ABB versteckt hatte. Auch hier ging es darum, ein “Märtyer-Denkmal” und eine Pilgerstätte für den “Kalifen” von Anfang an zu verhindern.

Protokoll wie bei Osama bin Laden

Wie Verteidigungsminister Mark Esper bestätigte, hielten sich die USA am 26. Oktober 2019 ans Protokoll, das sie schon am 2. Mai 2011 im Indischen Ozean angewendet hatten. Damals setzte es Proteste aus der Gemeinschaft der Imame ab, weil die USA den al-Kaida-Chef Osama bin Laden im Meer und nicht zu Lande bestatteten.

Damals wie heute verteidigen die USA ihren Entscheid zur Seebestattung. Das ist absolut richtig. Es ist fraglich, ob sich bei einer Erdbestattung der Ort lange geheim gehalten werden kann. Dann entstünde exakt das, was die amerikanische Führung unbedingt vermeiden will – der Pilgerort.

Als die Navy SEALS Osama bin Laden aufspürten und umbrachten, hatten sie ausdrücklich Befehl, den Terroristen nicht festzunehmen, sondern sofort zu töten. Auch dieses Vorgehen war richtig. Wie sich das im Fall von ABB verhielt, ist im Moment noch schwer zu sagen, weil sich der “Kalif” selber in die Luft sprengte und Angehörige mit in den Tod riss. Es wird aufschlussreich sein zu beobachten, welche Informationen zu dieser zentralen Frage durchsickern – ob Befehl zur Tötung oder Gefangennahme.

Zwei Männer gefangen genommen

General Milley gab bekannt, dass die Special Forces auf Abu Bakrs Anwesen zwei ISIS-Kämpfer gefangen nahmen. Dazu und zu anderen Szenen werde in den kommenden Tagen ein Video freigegeben, sobald dieses deklassifiziert sei.

  • Die Ausschaltung von ABB bringt dem Präsidenten Trump zweifellos auch politisch etwas Entlastung, nachdem er wegen des Verrats an den Kurden sogar in der eigenen Republikanischen Partei unter Beschuss geraten war.
  • So warf Senator McConnell, der Chef der Mehrheit im Senat, auf die Trump im Impeachment-Verfahren angewiesen ist, dem Präsidenten vor, der amerikanische Rückzug diene nur Asad, den Russen und den Iranern.
  • In der zerrissenen amerikanischen Innenpolitik war deshalb schon am 26. Oktober erstes Störfeuer gegen den Präsidenten zu erwarten. Seine Gegner stellten die “farbige” Darstellung des Überfalls auf ABB prompt in Frage.
  • Vor diesem Hintergrund ist die Video-Ankündigung des Generalstabschefs Milley zu verstehen. Der Chairman of the Joint Chiefs of Staff, ein markanter, entschlossener Mann, geniesst absolute Glaubwürdigkeit.

Video: Luft und zu Lande

Das Video soll aus mehreren Sequenzen zusammengeschnitten werden:

  • Luftaufnahmen vermutlich von Begleitflugzeug(en), eventuell auch von Apache-AH-64-Kampfhelikoptern.
  • Helmkameras der Special Forces, die in das Anwesen eindrangen und ABB verfolgten.
  • Wie jetzt schon feststeht, werden keine Szenen gezeigt, die taktische Details der Spezialkräfte verratenwürden.

Operation “KAYLA MUELLER”

Die Operation gegen Abu Bakr wurde nach Kayla Mueller benannt (DoD).

Der Sturm auf bin Ladens Haus hiess Operation “NEPTUNE SPEAR”. In einer rührenden Geste nennen die US Streitkräfte den Überfall auf ABB die Operation “KAYLA MUELLER”.

Kayla Jean Mueller arbeitete für die Organisation International Solidarity Movement, als sie im August 2013 vom ISIS entführt wurde. Sie verschwand, nachdem sie in der umkämpften Stadt Aleppo ein Lazarett von Ärzte ohne Grenzen verlassen hatte. Sie wurde in ISIS-Gefangenschaft schwer misshandelt und am 6. Februar 2015 ermordet – wie so viele Geiseln der ISIS-Verbrecher.