„Aber trage immer einen dicken Knüppel bei dir“

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Colonel Theodore Roosevelt, Kommandant der “Rough Riders.”

 

Die Redaktion dankt dem Geschichts- und Panzerkenner Hagen Seehase für einen spannenden Lesestoff zum berühmten Colonel Theodore Roosevelt, dem späteren Präsidenten von 1901-1909. Von ihm stammt auch der legendäre Rat: „Sprich leise und höflich, aber trage immer einen dicken Knüppel bei dir.“

Sein Regiment waren die “Rough Riders”, deren Taten Hagen Seehase schildert.

 

“Rough Riders”.

 

Von Hagen Seehase, Militärhistoriker

Kaum ein anderes Regiment hat soviel Bewunderung und Aufmerksamkeit auf sich gezogen, wenn man die kurze Zeit seines Bestehens zum Massstab macht, als die 1st United States Volunteer Cavalry, die berühmten „Rough Riders“. Das liegt wohl nur zum Teil an den anerkennenswerten Gefechtserfolgen, zum Teil auch an den durchaus illustren Persönlichkeiten, die ihm angehörten.

Als im April 1898 der Spanisch-Amerikanische Krieg ausbrach, nahm, die Biographie von Theodor Roosevelt eine unvorhergesehene Wendung. Er war gerade Staatssekretär im Marineministerium und drängte sich nach einem militärischen Kommando. 

In verschiedenen politischen und administrativen Ämtern hatte er schon mit dem Militär zu tun gehabt, er war begeisterter Jäger und Waffenexperte, und die militärhistorischen Klassiker hatte er gelesen. Trotzdem war er ein (wenngleich begabter) Amateur. 

Aber selbst für einen militärischen Laien vorherzusehen, waren aber einige militärstrategische Umstände: Kuba würde zu einem Hauptkriegsschauplatz werden, die USA waren zur See überlegen und könnten Zeit und Ort der Auseinandersetzungen bestimmen, den spanischen Landstreitkräften auf Kuba war aber so nicht leicht beizukommen. 

K Troop der Rough Riders mit Captain Woodbury Kane.

Weder Personalstärke noch Ausrüstung der amerikanischen Army waren in guter Verfassung. So ordnete Präsident William McKinley die Aufstellung dreier Freiwilligenregimenter an. Eines davon, die 1st United States Volunteer Cavalry, sollte sich unsterblichen Ruhm erwerben. 

Roosevelt setzte sich energisch für die Aufstellung der 1st United States Volunteer Cavalry ein und prägte deren Bild in der Öffentlichkeit. Dabei war er zunächst gar nicht der Kommandeur des Regiments, das Kommando hatte Colonel Leonard Wood, ein verdienter Offizier. Wood hatte schon gegen den legendären Apachenhäuptling Geronimo gekämpft und die Medal of Honor, die höchste Tapferkeitsauszeichnung der USA, erworben. 

Aber für die Öffentlichkeit und insbesondere die Presse war Roosevelt, der als Lieutenant-Colonel Woods Stellvertreter wurde, das Gesicht des Regiments. Als die Zeitung “Arizona Weekly Star” am  21. April 1898 von “Roosevelt´s Rough Riders” schrieb, hatte das Regiment seinen Spitznamen, der bald zum Ehrentitel werden soll.

Die ersten Musterungen wurden in Santa Fe (New Mexico), Prescott (Arizona), Guthrie (Oklahoma) und in den Indianerreservationen abgehalten.

Am Ende waren in dem Regiment Freiwillige aus 42 Bundesstaaten, vier Territorien und aus einigen fremden Ländern vertreten. Von Ausnahmen abgesehen kamen die rund 200 Leute der Troops A, B und C aus Arizona, Troop D bestand im Wesentlichen aus den 83 Freiwilligen aus Oklahoma. In den Troops E, F, G, H und I waren die Leute aus New Mexico, überwiegend Cowboys. 

Troops L und M mit 170 Leuten bestanden hauptsächlich aus Indianern. Viele davon trugen sich unter falschem Namen ein: manche waren eigentlich zu jung, gegen andere lagen sogar Haftbefehle vor, manche fanden ihre selbstgewählten „Kriegsnamen“ ansprechender. 

Der (zunächst) von dem Berufsoffizier Captain Micah John Jenkins kommandierte Troop K war etwas anders gestrickt: hier fanden sich die Easterners: Leute von der Ostküste, mit Universitätsabschlüssen, oft aus einflussreichen Familien, meist sehr begütert. Einige waren alte Studienfreunde Roosevelts. Man nannte sie die „Fifth Avenue Boys“. 

Angriff aus San Juan Hill.

Als der Kongress die Sollstärke des Regiments von 778 auf 1000 aufstockte, kamen vor allem diese Freiwilligen. Einige erschienen mit eigenem Diener, viele mit eigenen Pferden, ein paar mit Poloschlägern, einer sogar mit einer Reisetoilette. Alle brachten sie aber neben einer gehörigen Portion Patriotismus die Überzeugung von den eigenen militärischen Qualitäten und den elitären Glauben an eigenen Führungsanspruch mit. Da spielte Roosevelt aber nicht mit: keiner der unerprobten Easterners, Universitätsdiplom hin oder her, bekam eine Offizierskommission, alle mussten sich als einfache Freiwillige einschreiben.

Das tat dem Enthusiasmus aber keinen Abbruch, die Legende besagt, das nur ein einziger schmollend ablehnte, weil man ihm einen Offiziersposten versagt hat. Das soll John Jacob Astor (der 1912 mit der Titanic untergehen sollte) gewesen sein, der gegen einen Posten als Major im Regiment ein halbes Dutzend Maxim-Maschinengewehre hatte spendieren wollen. Darauf ging Roosevelt aber nicht ein. 

Er wusste, dass die Anwesenheit der „Fifth Avenue Boys“ zwar seinem Regiment die Aufmerksamkeit der Presse, den Rückhalt in gehobenen Kreisen und materielle Zuwendungen sicherte, aber die Kohäsion des Regiments war ihm wichtiger. Roosevelt, der sich um die internen Dienstobliegenheiten des Verbandes kümmert, ordnete an, jeder Freiwillige gleich welchen Standes habe jedwede Aufgabe ohne Diskussion sofort auszuführen. Wer jemanden ob der Ausführung jener Aufgaben kritisiere, habe sie sofort selbst auszuführen.

Volunteer Woodbury Kane bekam so einmal den Befehl, Reis zu kochen. Natürlich erscheien er selbst zum Küchendienst perfekt gekleidet und frisiert. Der Reis, aus gleichen Teilen von Wasser, Salz und Reis zubereitet, schmeckte schon etwas eigenartig. Ein anderer Freiwilliger spieh den überwürzten Brei aus und begann zu schimpfen, besann sich dann aber Roosevelts Befehl und lobte dann ausdrücklich das vorzügliche Gericht. 

Das war nämlich ein grundsätzliches Problem mit den Easteners, die konnten reiten und schießen, htten Mut und Intelligenz. Aber Profanitäten wie Kaffeekochen oder Zeltaufbau hatte man bislang delegiert. Damit war nun Schluss und die Easteners lernten den militärischen Alltag nun aus der Basisperspektive kennen. Sie erwiesen sich als – in den Augen der harten Jungs aus dem Westen  überraschend – lernfähig, selbst die größten Snobs fügten sich ein.

Denkmal für Captain William O´Neill.

Mit der Aufstockung des Regiments auf 1000 Mann waren Stellen als Sergeanten und Subalternoffiziere zu besetzen, die ersten Easterners stiegen auf der Karriereleiter. Ein William Tiffany wurde Sergeant, Woodbury Kane Lieutenant. Ziemlich zeitnah mit der Beförderung kam Post, zwei Kisten, einmal für Kane, einmal für Tiffany.

Inhalt war jeweils ein Maschinengewehr des Typs “Colt Automatic Gun Model 1895“.  Mit besten Grüßen aus der Heimat; Kaufpreis: 7500 Dollar pro Waffe. Wenn man bedenkt, dass die Pferde des Regiments 40 Dollar pro Tier kosteten, ist das formidabel. Der mitgeschickte Munitionsvorrat war es aber keineswegs, die Maschinengewehre htten nicht das Standardkaliber .30-40 wie die Krag-Karabiner der Soldaten und die Winchester-Unterhebelrepetierer der Offiziere. 

Tiffany wurde Führer der Maschinengewehrsektion. Sie umfasste die zwei Maschinengewehre, 4000 Schuss Munition, sechs Mannschaften plus einen Corporal. 

Nach einem Monat Training wurde das Regiment nach Tampa in Florida geschickt und dort nach Kuba eingeschifft – ohne die Pferde. Einige Troops blieben ganz zurück. Am 22. Juni landeten the Rough Riders auf Kuba und marschierten landeinwärts. Ihr erstes Gefecht hatten sie am 24. Juni bei  Las Guasimas, wo acht Rough Riders fielen. Aufgrund von Ausfällen im Offizierskorps (meist krankheitsbedingt) kam es zu einer Reihe von Kommandowechseln.

Colonel Wood übernahm die Führung einer Kavalleriebrigade, Roosevelt wurde Regimentskommandeur der Rough Riders, deren 1st Squadron nun von Captain Micah J. Jenkins geführt wurde. Den Befehl über den K Troop bekam Woodbury Kane. 

Roosevelt (Mitte, helle Hose, dunkles Hemd, unter der Fahne).

Am 1. Juli traten die Rough Riders zu ihrem legendären Sturmangriff auf Kettle Hill und San Juan Hill an, mit dabei K Troop unter Woodbury Kane und die Machine-Gun-Section unter Sergeant Tiffany. 

Der siegreiche, aber auch verlustreiche Angriff (89 Mann von Roosevelts Regiment wurden getötet oder verwundet) die Hänge hinauf auf die in Blockhäusern und Schützengräben verschanzten spanischen Truppen verschaffte den Rough Riders ihren Platz in der Geschichte. Der einzige, der am Angriff auf dem Rücken eines Pferdes mitmacht, ist Roosevelt, der dadurch natürlich auch ein gutes Ziel abgab. Nachdem sein Pferd in einem Stacheldraht verletzt hatte, führte Roosevelt die Attacke zu Fuß weiter.

Dass der Angriff überhaupt so erfolgreich ablaufen konnt, verdankten die Rough Riders den vier Gatling Guns von Lieutenant John „Gatling Gun“ Parker von der 13th Infantry. Mit den handkurbelbetriebenen Kugelspritzen auf Räderlafette trug Parker entscheidend zum Ausgang des Gefechts bei. Parker wa zur Kavalleriedivision abgestellt worden. Am Morgen des Schlachttages hatte er drei einsatzbereite Gatlings zu seiner Verfügung, die er dort aufstellen sollte, wo es ihm am günstigsten schien.

Als er den Angriff der Rough Riders und anderer Einheiten durch das Feuer seiner Gatlings unterstützte, ist der Effekt frappierend. Die drei Gatlings  verschossen 18.000 Schuss in achteinhalb Minuten kontinuierlichen Feuerns und richteten enormen Schaden bei den Spaniern an.

Danach brachten Parkers Leute die Gatlings den Hügel hinauf, wo sie einen spanischen Gegenangriff gegen die amerikanischen Positionen auf Kettle Hill zusammenschossen und dann noch spanische Artillerie zum Schweigen brachten. Der amerikanische Angriff auf den San-Juan-Hill blieb also erfolgreich, aber um einen hohen Preis: über ein Drittel der Rough Riders war tot oder verwundet.

Zu den Gefallenen zählte auch Captain William „Buckey“ O`Neill, ein ehemaliger Sheriff, Richter, Verleger, Goldsucher und Abgeordneter aus Arizona, neben Roosevelt vermutlich die bekannteste Gestalt des Regiments.

Captain Kane im Camp.

Das Regiment wurde in die USA zurückverlegt und landete am 14 August 1898 am Montauk Point auf Long Island, New York. Am 15. August 1898 wurde es aufgelöst, die Ausrüstung zur Einlagerung in Arsenalen abgegeben, Colonel Roosevelt verabschiedete jeden Regimentsangehörigen mit Handschlag.

Zitat: “Sprich leise und höflich, aber trage immer einen dicken Knüppel bei dir.”