95% der Provinz Lugansk russisch

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Bild Maxar. Die russische Brücke über den Siversky Donezk wurde inzwischen von der ukrainischen Artillerie zerschlagen.

Ausnahmsweise stimmen heute, am 92. Kampftag, am 26. Mai 2022, die Analysen der polnischen Institute und des Washingtoner Thinktanks ISW Study of War überein. Zur Schlacht um Severodonezk gelangen alle zum Schluss, die Lage für die ukrainischen Verteidiger der Schlüsselstadt werde bedrohlich.

Immerhin werden vom relativ schmalen Fluss Siversky Donezk, der die Schwesterstädte Lysychansk und Severodonezk voneinander trennt, ukrainische Abwehrerfolge gemeldet. Solange die Russen am Wasserhindernis auflaufen, schliessen sie Severodonezk nicht ein. Ein wichtiger russischer Übergang über das Gewässer wurde von einem ukrainischen M777-Haubitzenbataillon zerschlagen.

Der Danziger Experte Konrad Muzyka und die ISW-Kartografen identifizieren Lyman, Severodonezk und Popasna im Donbasskrieg als russische Hauptachsen. Muzyka erkennt 95% der Provinz Lugansk in russischer Hand. Bekanntlich haben in Moskau Putin, Lawrow und Shoigu die komplette Eroberung der Oblast Lugansk und Donezk als Kriegsziele ausgerufen. Im Gegensatz zur Provinz Lugansk halten die Ukrainer im Oblast Donezk noch immer 40% der Fläche, fast wie vor der russischen Donbass-Offensive.

Der russische Generalstab und Armeegeneral Dwornikow, der Befehlshaber des gesamten Frontbogens von Charkow bis Cherson, setzen ihre Kräfte vorrangig auf Severodonezk an. Gelänge es ihnen, die Stadt einzukesseln, was in Anbetracht der ukrainischen Gegenwehr nicht sicher ist, dann hätten sie im Oblast Lugansk ihr Ziel zu 99% erreicht. Es bliebe nur die letzte gegnerische Tasche südlich von Popasna.

Was nachher wäre, bleibt abzuwarten. Nahe läge eine Verlagerung der Kräfte auf die Provinz Donezk – mit dem Ziel, auch dort die restlichen 40% in Besitz zu nehmen.