800 bis 2’000 Meter am Tag > Russlands mühsamer Vormarsch

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Lagekarten vom 28. Juli 2022. Donezker Front, offenes Gelände.

Siehe auch > Donezk: Lagekarten zu Vorstössen der 5. Brigade

Wenn wir die täglich erscheinenden russischen Lageberichte näher anschauen, offenbart sich nach gut fünf Kriegsmonaten ein äusserst mühsamer Kampf. Man soll nicht gleich den armen Sisyphos bemühen, aber unwillkürlich kommt einem das Eichhörnchen in den Sinn, das sich mühsam ernährt. Von einer rassigen Eroberung der Provinz Donezk kann jedenfalls nicht gesprochen werden.

Oblast Donezk in den amtlichen Grenzen

Recht selten informieren die Russen mit Lagekarten und entsprechenden taktischen Erläuterungen. Dass sie ihre Informationskanäle zu den am 28. Juli erzielten Terraingewinne öffnen, lässt folgende militärische Schlüsse zu:

  • Wie schon im Raum Mariupol oder in der Doppelschlacht von Sewerodonezk/Lysychansk rücken die Russen langsam vor. Zwischen 800 und gut 2’000 Meter Landgewinn ist ihrer Führung eine Publikation mit Kartenmaterial wert.
  • Von grossräumigen Operationen ist im Moment nicht die Rede. Nach der blutigen Eroberung des Oblast Lugansk schreitet nun die Inbesitznahme des Oblast Donezk Schritt für Schritt voran.
  • Indikatoren für einen zügigen Krieg sind schwer zu erkennen. Wenn die Russen mit ihren Donezker und Lugansker Alliierten im offenen Panzergelände weiterhin so viel Mühe bekunden, dann kann es bis zur Erreichung des Operationsziels dauern. Dieses lautet gemäss Putin, Lawrow, Shoigu und Gerassimow: Oblast Lugansk plus Oblast Donezk in den amtlichen Grenzen vor 2014. Im Fall Donezk sind die Angreifer davon noch weit entfernt.

Artillerie und Luftwaffe

  • Jedes Communiqué hebt das schwere Feuer der Artillerie hervor. Das erstaunt nicht: Schon die Rote Armee im Zweiten Weltkrieg vertraute auf ihre 122- und 152-mm-Geschütze und die gefürchteten Stalinorgeln. Britische Beobachter schätzen aktuell das russische Übergewicht auf 8:1 bis 10:1. Allerdings verschieben die westlichen M142-HIMARS, M270-MLRS und MARS-II-Lieferungen das Gewicht zugunsten der Ukraine; von den Panzerhaubitzen 2000, den CAESAR und M777, alles Rohrwaffen vom Kaliber 155 mm, ganz abgesehen.
  • Bezeichnend ist schliesslich die permanente Erwähnung der Luftwaffe. In der Schlacht um Kiew fiel ein dunkler Schatten auf die von Syrien verwöhnten Piloten: Sie beherrschten den Erdkampf nicht (close air support). Wie viel sie aufgeholt haben, ist schwer zu eruieren. Immerhin finden jetzt alle Verlautbarung Lob für die Unterstützung durch die Luftwaffe auch im Bodenkrieg.