80-jährig – und kein bisschen weise

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Harald Naegeli.

Schmierei am Kunsthaus.

Seit 40 Jahren verschmiert der Zürcher Harald Naegeli Wände mit drögen Strichmännchen, die er als Kunst bezeichnet. Jetzt ist er 80 Jahre alt – und schmiert seine “Kunst” noch immer an fremde Wände.

Die Stiftung Zürcher Kunsthaus hat ihn wegen Sachbeschädigung angezeigt und die Sprayereien entfernen lassen, wie ein Sprecher des Museums am 9. Juni 2020 bestätigte. Die Schmierereien  seien um den 20. April herum entdeckt worden. Naegeli sei auf Videoaufnahmen einwandfrei identifiziert worden. Die Schmierereien seien mittlerweile entfernt worden.

Naegeli verschmierte vor 40 Jahren nachts und anonym Zürcher Wände mit rund 600 Strichfiguren. Er wurde gerichtlich belangt. 1981 verurteilte ihn das Zürcher Obergericht wegen Sachbeschädigung zu neun Monaten Gefängnis und einer saftigen Busse. Naegeli floh nach Deutschland und schmierte dort weiter.

Der deutsche Schauspieler Curd Jürgens, der vielseitig bekannt war, aber nicht als Schmierer, überschrieb seine Memoiren mit dem Titel: “60 – und kein bisschen weise.” Er war immerhin Curd Jürgens. Fast tut man ihm unrecht, zu Naegeli zu spotten: “80 – und überhaupt nicht weise.”

Kunst?

Die Pointe: Die verrottete Zürcher Feuilleton-Welt feierte Naegeli schon als grossen “Künstler”.