7’000-Meter-Scharfschütze? Schwere Zweifel!

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Die neue Waffe DXL-5 soll auf 7’000 m treffen. Fachleute haben Zweifel.

Am 5. Juni 2020 meldete Russland, das neue Scharfschützengewehr treffe auf eine Distanz von 7’000 Metern. Zwei profunde Schweizer Experten äussern Zweifel.

  • Der eine verfügt über langjährige Erfahrung in der Ausbildung von Scharfschützen. Er schreibt: “Ich halte es für sehr unrealistisch, dass ein Gewehr auf 7 km präzise treffen soll. 2–3 km ist schon spitze. Nur schon die Munition, die solch eine Reichweite schaffen soll, ist kaum vorstellbar.”
  • Major Patrick Nyfeler, unser Schusswaffen-Fachmann, seinerzeit Armeemeister über 300 m, kommt zum selben Schluss.

Optik, Flugzeit, Abweichung, Langdistanzballistik

“Auf 7000 m erkennt der Scharfschütze sein Ziel gar nicht mehr zuverlässig, die Flugzeit ist so unendlich lange, dass die Zielbewegung nicht mehr zuverlässig vorausgesagt werden kann und zuletzt – und eigentlich am wichtigsten – die Geschossabweichung ist so gross, dass du vernünftig grosse Ziele nicht mehr zuverlässig triffst.

Ich begründe kurz:
  • Militärische Scharfschützen verwenden Optiken mit einer Maximalvergrösserung von 20 – max 25. Aktuell erhältliche Zielfernrohre haben eine Vergrösserung von maximal 50 … da erkennst du auf 7 km nichts mehr, was den Namen Ziel verdient.
  • Flugzeit: .408 CheyTac hat für 2500 Yards eine Flugzeit von rund 4.5 Sekunden hat … .50 Browning gar 6 Sekunden; da die Geschosse danach stark an Geschwindigkeit einbüssen, ist der Zeitzuwachs nicht linear, sprich die Zeit > 3x grösser wie auf 2286 m (was immer noch 13.5 Sekunden wären).
  • Abweichung Geschoss: Das nach meiner Meinung aktuell beste Langdistanzkaliber (.408 CheyTac) erreicht gemäss Hersteller auf 2500 Yards (2286 Meter) Gruppen unter einem MOA =  (auf 7 Km umgerechnet wären dies – unter Annahme die Gruppe/Abweichung wird nicht grösser, was in der Realität NICHT stimmt – bei angenommenen 0.9 MOA 1.83 m Abweichung (MOA = minute of angle, Bogenminute, Winkelminute, Begriff aus der Scharfschützentechnik).
  • Lobaev behauptet beim aktuellen Gewehr (ohne Angabe der Distanz) eine Abweichung von 0.2-0.3 MOA … das wären bei 0.25 MOA auf 7 Km immer noch 0.5 m Abweichung – was ich jedoch sehr in Frage stelle!
  • .408 CheyTac ist hinsichtlich Langdistanzballistik extrem Nahe am Möglichen – da kann man das Rad nicht neu erfinden).
  • Der Schütze sowie die aussenballistischen Einflüsse (Wind, Luftfeuchtigkeit, Temperatur, Winkel, Erdrotation, Übergang Geschoss von Über- zu Unterschall etc.) sind da noch gar nicht berücksichtigt, welche auf so grosse Distanzen einen extremen Einfluss hätten.”