33. Tag, 7.50 Uhr: Iskander-Batterien bei Gomel

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Gomel, hier ukrainisch Homel geschrieben, am Dreiländereck.

Am 33. Kriegstag, am 28. März 2022, meldet de polnische dienst Rochan den Stellungsbezug von Iskander-Batterien bei Gomel. Die weissrussische Stadt Gomel liegt operativ interessant am Dreiländereck Belarus/Russland/Ukraine und beherrscht den nördlichen Zugang zur KKW-Stadt Tschernobyl und den Achsen in Richtung Tschernihiw–Kiew. Rochan beruft sich zuverlässige belarussische Quellen.

“Politische” Reichweite > 500 Kilometer

Iskander-Raketen auf dem Trägerfahrzeug MZKT-7930.

Zusammen mit Kalibr-Marschflugkörpern bilden 9M723-Iskander-Raketen im Ukrainekrieg das Rückgrat des russischen Fernwaffenkorps. Seit dem 24. Februar 2022 schlagen die Russen mit ihren Abstandswaffen zu. Vor allem auch in der Westukraine suchen Kalibr und Iskander Städte mit militärisch wertvollen Anlagen heim.

  • So griffen die Russen am 18. Kampftag, am 13. März 2022, griffen mit ihren Iskander-Raketen im äussersten Westen der Ukraine den Waffenplatz Yavoriv an. Ihre Missile zerstörten um 6 Uhr Ortszeit die Kaserne der Anlage, auf der bis zum Krieg Ukrainer und NATO-Truppen gemeinsam trainiert hatten. Mehrere Dutzende Kader und Soldaten wurden getötet, über 100 verwundet, teils schwer. Yavoriv liegt nur 20 Kilometer von der polnischen Grenze entfernt.
  • Am 31. Kriegstag, am 26. März 2022, schlugen vom Schwarzen oder vom Kaspischen Meer aus vier Kalibr in Lemberg zu. Die Marschflugkörper setzten ein grosses Erdöllager in Brand und zerstörten einen militärischen Stützpunkt, über den die Ukraine nichts Genaues verlauten liess.

Die Iskander ist ein Boden-Boden-Raketensystem, das sowohl ballistische Kurzstreckenraketen (SRBM) als auch Marschflugkörper punktgenau ins Ziel trägt. Die “politische” Reichweite beträgt 480–500 Kilometer. Westliche Dienste trauen der Rakete Einsätze über weitere Distanzen zu. Die Russen beharren wegen dem INF-Vertrag auf maximal 500 Kilometern.

Atomar einsetzbar

Die Iskander, eine auch politisch explosive Waffe.

  • Die Iskander nimmt Gefechtsköpfe von 800 Kilogramm auf. Sie ist konventionell und atomar einsetzbar. Als die Russen in ihrer Exklave Kaliningrad Iskander-Mittelstreckenraketen stationierten, fasste die NATO dies als massive Drohung auf. Fortan lagen Städte wie Warschau,Krakau, Breslau, Berlin und Kopenhagen im Schussbereich eines nuklear ausrüstbaren Raketensystems.
  • Die GRAU-Indizes für das Gesamtsystem lauten 9K720 und 9K723. Die russischen Streitkräften nennen das System Iskander. Die NATO-Codes lauten SS-26 Stone, SS-C-7 Southpaw und SS-C-8 Screw.
  • Der Stellungsbezug bei Gomel in der Nähe der Europa-Fernstrasse E95, die von St.Petersburg über Odessa und die Schwarzmeerfähre in die Türkei führt, deutet eher auf den Einsatz als Rakete hin. Ob die Stationierung so nahe der ukrainischen Grenze auf belarussischem Territorium als nukleare Drohung aufzufassen ist, fällt in den Bereich der politischen Spekulation und Kriegspropaganda. Bisher bestückte das Raketenkorps die Iskander konventionell.