300‘000 Flüchtlinge — geht‘s noch?

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Unter die Kategorie „Schreibtischtäter“ fällt neuerdings auch die NZZ. Der Schreibtisch steht in der Gerüchte-Hauptstadt des Nahen Ostens — in Beirut.

Aus Beirut berichtet ein „ws.“ im Indikativ über Nordsyrien: „Die türkische Offensive hat bisher 300‘000 Personen vertrieben.“

300‘000? Das gemahnt an den Rat, den mir 1973 der erfahrene FAZ-Korrespondent Tavor in Jerusalem gab: „Streiche bei Flüchtlingen prinzipiell eine Null!“ Denn die einschlägige Flüchtlingsbranche wie das UNRWA habe alles Interesse, die Zahlen zu erhöhen.

Zu den 300‘000:

  • Das Kampfgebiet an der türkischen Grenze ist überschaubar. Die Frontorte sind bekannt, meist Dörfer, wenig Städte, zum Beispiel Tal Abyad, ein Ort, der vor dem Krieg rund 14‘000 Einwohner zählte.
  • Bei 300‘000 Flüchtlingen müsste jetzt mehr als die ganze vor dem Krieg in den Frontorten lebende Bevölkerung geflohen sein.
  • Zudem sind es nicht allein die türkischen Angreifer, die Kurden vertreiben; auch ihre syrisch-russischen Spiessgesellen „erzielen Wirkung“ an der Front.

Alte bleiben

Und noch einen Rat erteilte mir Tavor: Nie fliehen alle. Achte auf zwei Gruppen, die in der Regel ausharren:

  • Es sind oft Mütter mit kleinen Kindern, die nicht fliehen.
  • Mit ihnen bleiben oft ältere Menschen. Alte Bäume lassen sich nicht verpflanzen.

Wie recht der weise Tavor hatte! Seine Beobachtung half mir auch in den zehn Jahren Balkankrieg von 1990—2000. Zuerst einmal eine Null streichen! Wie jetzt wieder in Nordsyrien.